Eisige Kälte – und die Seen gefrieren doch nicht

In den nächsten Tagen wird es bitterkalt. Doch Schlittschuhlaufen auf Zürcher Seen ist nicht möglich. Ein Glaziologe erklärt, weshalb.

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Saukalt ist nicht übertrieben: Nachdem der erste Schnee lange auf sich warten liess, erwarten uns nun eisige Wintertage. Heute Morgen lagen die Temperaturen im Raum Zürich zwischen –2 und –6 Grad, auch am Nachmittag kommen sie über 0 Grad nicht hinaus, wie MeteoNews schreibt. Nach einer eisigen Nacht wird es morgen nicht wärmer als –5 Grad. Mit der Bise seien gefühlte Temperaturen von –10 bis –15 Grad zu erwarten, meldet SRF Meteo auf Twitter – vor fünf Jahren sei es das letzte Mal so kalt gewesen.

In den letzten Wochen lockten herrliche Fotos von mit Schwarzeis bedeckten Bergseen in den sozialen Medien. Können sich nun auch die Zürcher Schlittschuhläufer freuen?

Leider nicht, sagt Glaziologe Martin Funk von der ETH Zürich. Das Wetter sei nicht optimal: «Es ist zwar seit Dezember kalt mit Temperaturen zeitweise unter dem Gefrierpunkt, doch immer wieder steigen die Temperaturen zu stark an.» Zudem, und das ist entscheidend, fällt auch Schnee. Dies verhindert, dass eine gleichmässige Eisdecke entsteht: «Der Schnee drückt durch sein Gewicht das entstehende Eis nach unten ins Wasser, und es bildet sich sogenanntes Schnee-Eis.» Die besten Voraussetzungen für schlittschuhtaugliches Eis bot das Wetter in den Tagen vor Weihnachten: trocken und kalt.

Das Eis ist 4 Zentimeter dick

Im Kanton Zürich sind die Gemeinden dafür zuständig, gefrorene Seen für die Bevölkerung freizugeben. Die kantonale Seepolizei nimmt dafür Messungen vor und gibt Empfehlungen an die Gemeinden ab. Nach Angabe der Kapo ist noch kein gefrorener See im Kanton für die Bevölkerung offen.

Der Katzensee ist nach der Erfahrung von Martin Funk jeweils eines der ersten Gewässer im Kanton, das gefriert. Doch zurzeit ist auch dieser See weit entfernt davon, ein Tummelplatz für Schlittschuhläufer zu werden: Gerade mal 4 Zentimeter dick ist die Eisdecke, wie die Stadt Zürich auf Anfrage mitteilt. Erst ab 10 bis 12 Zentimeter Eisdicke entscheidet die Wasserschutzpolizei gemeinsam mit dem Glaziologen der ETH, ob der See freigegeben werden kann. Fünf Jahre ist es her, seit der Katzensee das letzte Mal zugänglich war für die Bevölkerung: «Allerdings nur für drei Tage, dann gab es einen Wärmeeinbruch», sagt Sprecher Marco Bisa.

Auch der Türlersee in Hausen am Albis, im Jahr 2012 letztmals offen für Schlittschuhläufer, braucht noch einige kalte Tage: Er ist noch nicht auf der ganzen Fläche zugefroren.

In den nächsten Tagen wird die Kapo Zürich voraussichtlich ihr Eisbulletin aufschalten, in dem sie laufend über die Gewässer informiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.01.2017, 13:15 Uhr

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