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Er könnte Bruno Zuppiger beerben

Von Jürg Ackermann. Aktualisiert am 10.12.2011 15 Kommentare

Gregor Rutz steht für eine neue Generation von SVP-Politikern: Der Zürcher Jurist verkörpert den urbanen Flügel der Partei.

Moderat im Ton, aber stramm auf Zürcher Parteilinie: Gregor Rutz gilt als einer der kommenden Leute in der SVP. (Bild: Sophie Stieger, Tages-Anzeiger)

Moderat im Ton, aber stramm auf Zürcher Parteilinie: Gregor Rutz gilt als einer der kommenden Leute in der SVP. (Bild: Sophie Stieger, Tages-Anzeiger)

Zuppiger soll ganz verzichten

Die Zürcher SVP-Kantonsräte Hans-Peter Amrein und Jacqueline Hofer fahren schweres Geschütz auf. Im Militär gebe es für das Verhalten Zuppigers nur einen Befehl, nämlich «Abtreten!», schreibt Amrein auf Facebook. Und zwar auch als Nationalrat, wie er telefonisch bekräftigt. Seine Kollegin Hofer bleibt diplomatischer. «Seine Anwesenheit im Nationalratssaal wird der Fraktion und der Partei eher schaden als nützen», sagt Hofer. Wenn sie Zuppiger wäre, würde sie sofort den Hut nehmen. Hofer fordert auch den Rücktritt von Christoph Blocher. Die SVP sei zuerst ihren Wählern verpflichtet und nicht der Abwahl von Eveline Widmer-Schlumpf. (thi.)

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Das Felix am Zürcher Bellevue betritt er schwungvoll. Dass Gregor Rutz für das Gespräch ein stilvoll eingerichtetes Café ausgesucht hat, überrascht nicht. Gut angezogen und freundlich ist auch Rutz selber. Stil hat bei ihm Tradition: Als Student verdiente er sein Geld als Pianist in einer gepflegten Zürcher Bar.

Für Politologen wie Michael Hermann ist klar: Rutz gehört in der Zürcher SVP zu einer Generation von talentierten Politikern, die bisher im Schatten Blochers standen und bald ans Licht drängen werden. Auch für seinen Parteikollegen und Thurgauer Nationalrat Peter Spuhler steht fest: «Rutz ist einer der kommenden Leute.» Kein Wunder, wurde der 39-Jährige Zürcher, obwohl noch gar nicht im Parlament, auch schon als Nachfolger von Fraktionschef Baader gehandelt.

Rutz winkt ab. «Ich glaube nicht, dass das zur Debatte steht.» Sicher aber ist: Der PR-Unternehmer muss als erster Ersatz kaum noch vier Jahre warten, ehe er Nationalrat wird. Sollte Bruno Zuppiger nicht zurücktreten, dürfte bald ein anderer älterer SVP-Vertreter aufhören. Der Zürcher SVP-Präsident Alfred Heer betonte verschiedentlich, dass es gut wäre, wenn der Generationenwechsel bald eingeläutet würde.

Stramm auf Zürcher Linie

Er gehe nicht nach Bern, um im Scheinwerferlicht zu stehen, sagt Rutz. «Mich interessiert die Arbeit im Hintergrund.» So moderat Rutz im Ton ist, so stramm politisiert er auf der Zürcher SVP-Linie. Sein Kampf gegen «unnötige Gesetze», sein Glaube an den wirtschaftlichen Liberalismus sind auch in Zeiten von Finanz- und Bankenkrise ungebrochen. Die staatliche Rettung der UBS bezeichnet er als «marktpolitischen Sündenfall».

Rutz verkörpert dabei einen typischen SVP-Widerspruch: Zum einen will er tiefe Steuern und möglichst attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen, gleichzeitig wundert er sich, dass neue Stellen für Hochqualifizierte oft nur durch zugewanderte EU-Ausländer besetzt werden können. Es erstaunt daher nicht, dass er die SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung unterschrieben hat. Er finde es wichtig, dass in der Schweiz tabulos über das Verhältnis zur EU diskutiert werde. «Uns geht es besser als den anderen europäischen Staaten, weil wir den Föderalismus pflegen und eine direkte Demokratie haben.»

Rutz steht für eine neue Generation von SVP-Politikern, die weder einen Handwerksbetrieb leiten noch aus der Landwirtschaft kommen, sondern eine akademische Laufbahn eingeschlagen haben und die jüngeren, urbanen SVP-Wähler ansprechen. Zumindest Ersteres war bei Rutz, dem Sohn eines Schreinermeisters, jedoch nie ganz ausgeschlossen. Dass er Rechtswissenschaften studiert habe, liege lediglich daran, dass er handwerklich nicht so geschickt sei.

Am Anfang ein Jungfreisinniger

Wie manch anderer SVP-Politiker fing Rutz bei der FDP an. Sieben Jahre lang war er bei den Jungfreisinnigen, ehe er 1996 den Austritt gab. Rutz war nicht einverstanden mit der politischen Entwicklung der FDP, vor allem in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen. Auch die befürwortende Haltung des Freisinns zur Anti-Rassismus-Strafnorm lehnte er ab. 1999 trat er der SVP bei. Nur zwei Jahre später wurde er Generalsekretär und war massgeblich an den Wahlerfolgen beteiligt. Zu seinen Hauptaufgaben zählte es, SVP-Mandatsträger auf kommunaler und kantonaler Ebene zu schulen. Seine Leistung fand auch ausserhalb der Partei Anerkennung. Seine Kritiker monierten jedoch, Rutz habe sich kaum je vom «SVP-Vokabular» emanzipiert.

Sein Abschied von der Politik nach dem Rücktritt als Generalsekretär 2008 war nur von kurzer Dauer: Im letzten Frühling schickte ihn die Partei in die Kommission zur Umsetzung der Ausschaffungsinitiative. Gleichzeitig erzielte Rutz bei den Kantonsratswahlen auf Anhieb das beste Resultat im Bezirk Meilen. Bei den Nationalratswahlen schaffte er auf der SVP-Liste den Sprung von Platz 21 auf Rang 12. Sein Wahlkampf bestand vor allem aus Teilnahmen an Podiumsdiskussionen. Dort kann er seine kommunikativen und analytischen Fähigkeiten, seine Lust am Debattieren am besten ausleben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2011, 17:05 Uhr

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15 Kommentare

heinz bolliger

10.12.2011, 19:52 Uhr
Melden 68 Empfehlung

Noch mehr "Tea-Party-Leute in der SVP", nur gepflegter angezogen und gepflegtere Umgangsformen - der Anteil der Leute, die unter der Armutsgrenze leben, wird auch in der Schweiz mit der Tea-Party-Politik der SVP drastisch steigen -der Neo-Liberalismus der USA als Vorbild (über 50 Millionen Arme) ? Nun. Blocher machte nie ein Hehl daraus, dass dies für ihn in die richtige Richtung geht. Antworten


James Lehmann

10.12.2011, 18:42 Uhr
Melden 61 Empfehlung

Die weder einen Handwerkbetrieb leiten, noch aus der Landwirtschaft kommen. Was ist denn bitte schön mit Blocher und Co. Es gibt genug sehr reiche Akteure in der SVP, die auf akademischen Wegen gegangen sind. Das ist Augenwischerei. Jeder soll wohl glauben, dass in der SVP "normale" Menschen hocken. So einer wie du und ich. Das letzte Mal als ich auf dem Konto nachschaute, war ich nicht Milliardär Antworten



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