Er weiss, wie Pendler ticken
Interview Jan Derrer. Aktualisiert am 25.03.2011
Artikel zum Thema
- «Wir wollen nicht, dass man durch die ganze Schweiz pendelt»
- Später zur Schule, um die S-Bahn zu entlasten
- Pendler kommen heute zu günstig weg
- «Eine Pendler-Strafaktion von Leuthard»
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Bundesrätin Doris Leuthard sagte den Pendlern kürzlich den Kampf an. Die Kosten für das Pendeln über die Agglomeration hinaus sollen in Zukunft nicht mehr von den Steuern abgezogen werden können. Weitere Druckmittel sind teurere Autobahnvignetten und die Erhöhung der Mineralölsteuer. Und die Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln werden in Zukunft höhere Preise bezahlen müssen für ihre Billette und Abonnements. So will Leuthard verhindern, dass «man quer durch die ganze Schweiz pendelt».
Während den Autofahrern Staus das Pendlerleben erschweren, müssen sich die ÖV-Pendler mit überfüllten Zügen, Bussen und Trams herumschlagen. SP-Kantonsrat Marcel Burlet schlägt deshalb vor, die Schüler in der Agglomeration Zürich am Morgen später zur Schule zu schicken. Diese Massnahme soll Platz schaffen für die Berufspendler.
Ansatzweise gute Idee
Ob die Verteuerung der Fahrkosten das Pendeln einschränken wird, ist jedoch fraglich. «Die Pendler machen eine einfache Rechnung», erklärt Marcel Rieser, Verkehrsplaner und Mitinhaber des ETH-Spin-offs Senozon. «Bei dieser Rechnung steht die Zeitersparnis im Vordergrund. Heute kann ich weite Strecken dank gutem Strassen- und Bahnnetz in kurzer Zeit zurücklegen.» Die stetig verbesserte Verkehrsinfrastruktur habe in den letzten Jahrzehnten die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort stetig vergrössert. «Wollte man Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammenbringen, müsste man dichter bauen. Also mehr grosse Mehrfamilienhäuser, auch Hochhäuser. Dies führt natürlich zu Diskussionen.»
Das SP-Rezept gegen verstopfte Pendlerzüge findet Rieser nicht restlos überzeugend. «Ich würde es nicht pauschal abtun», meint Rieser. Man müsste jedoch gezielt anschauen, welche S-Bahn-Linien genau von wie vielen Schülern genutzt würden. Eine Lösung wäre allenfalls eine Staffelung des morgendlichen Schulbeginns.
Blau für Wohnen, Gelb für Arbeiten
Mit der von der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin entwickelten Simulations-Software MATsim erstellte Rieser für Tagesanzeiger.ch/Newsnet ein Modell der Pendlerströme in der Agglomeration Zürich (siehe Video). Das Zürcher Stadtzentrum ist auf dem Modell gelb. Gelb steht für Gebiete, in denen vorwiegend gearbeitet wird. Neben dem Zürcher Stadtzentrum sind das unter anderem auch Oerlikon, das Glattal und Winterthur. Hellblaue Regionen wie zum Beispiel das linke und rechte Zürichsee-Ufer sind Wohngebiete.
Das Modell simuliert auch die Autopendlerströme Richtung Zürich. Während an der Peripherie die einzelnen Autos, die durch jeweils einen Pfeil symbolisiert werden, noch sichtbar sind, vermischen sie sich im Stadtzentrum zu grossen grünen Flächen. Die Daten für die Simulationen stammen aus Statistiken und Verkehrszählungen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.03.2011, 10:26 Uhr
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