Er weiss, wie Pendler ticken

Keiner kennt die Pendler besser als Marcel Rieser. Mit einer Simulations-Software analysierte der Verkehrsplaner für Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Pendlerbewegungen in der Agglomeration Zürich.

Analysiert die Pendlerströme: Verkehrsplaner Marcel Rieser. (Video: Jan Derrer)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bundesrätin Doris Leuthard sagte den Pendlern kürzlich den Kampf an. Die Kosten für das Pendeln über die Agglomeration hinaus sollen in Zukunft nicht mehr von den Steuern abgezogen werden können. Weitere Druckmittel sind teurere Autobahnvignetten und die Erhöhung der Mineralölsteuer. Und die Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln werden in Zukunft höhere Preise bezahlen müssen für ihre Billette und Abonnements. So will Leuthard verhindern, dass «man quer durch die ganze Schweiz pendelt».

Während den Autofahrern Staus das Pendlerleben erschweren, müssen sich die ÖV-Pendler mit überfüllten Zügen, Bussen und Trams herumschlagen. SP-Kantonsrat Marcel Burlet schlägt deshalb vor, die Schüler in der Agglomeration Zürich am Morgen später zur Schule zu schicken. Diese Massnahme soll Platz schaffen für die Berufspendler.

Ansatzweise gute Idee

Ob die Verteuerung der Fahrkosten das Pendeln einschränken wird, ist jedoch fraglich. «Die Pendler machen eine einfache Rechnung», erklärt Marcel Rieser, Verkehrsplaner und Mitinhaber des ETH-Spin-offs Senozon. «Bei dieser Rechnung steht die Zeitersparnis im Vordergrund. Heute kann ich weite Strecken dank gutem Strassen- und Bahnnetz in kurzer Zeit zurücklegen.» Die stetig verbesserte Verkehrsinfrastruktur habe in den letzten Jahrzehnten die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort stetig vergrössert. «Wollte man Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammenbringen, müsste man dichter bauen. Also mehr grosse Mehrfamilienhäuser, auch Hochhäuser. Dies führt natürlich zu Diskussionen.»

Das SP-Rezept gegen verstopfte Pendlerzüge findet Rieser nicht restlos überzeugend. «Ich würde es nicht pauschal abtun», meint Rieser. Man müsste jedoch gezielt anschauen, welche S-Bahn-Linien genau von wie vielen Schülern genutzt würden. Eine Lösung wäre allenfalls eine Staffelung des morgendlichen Schulbeginns.

Blau für Wohnen, Gelb für Arbeiten

Mit der von der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin entwickelten Simulations-Software MATsim erstellte Rieser für Tagesanzeiger.ch/Newsnet ein Modell der Pendlerströme in der Agglomeration Zürich (siehe Video). Das Zürcher Stadtzentrum ist auf dem Modell gelb. Gelb steht für Gebiete, in denen vorwiegend gearbeitet wird. Neben dem Zürcher Stadtzentrum sind das unter anderem auch Oerlikon, das Glattal und Winterthur. Hellblaue Regionen wie zum Beispiel das linke und rechte Zürichsee-Ufer sind Wohngebiete.

Das Modell simuliert auch die Autopendlerströme Richtung Zürich. Während an der Peripherie die einzelnen Autos, die durch jeweils einen Pfeil symbolisiert werden, noch sichtbar sind, vermischen sie sich im Stadtzentrum zu grossen grünen Flächen. Die Daten für die Simulationen stammen aus Statistiken und Verkehrszählungen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.03.2011, 10:26 Uhr)

Artikel zum Thema

«Wir wollen nicht, dass man durch die ganze Schweiz pendelt»

Der Bundesrat will Pendler bald kräftig zur Kasse bitten. Alles soll teurer werden: Benzin, Zugbillette, Autobahnvignetten. Verkehrsministerin Doris Leuthard verteidigt die Pläne. Mehr...

Später zur Schule, um die S-Bahn zu entlasten

Schüler sollen ausschlafen, statt in der Stosszeit Züge zu verstopfen. Das fordert ein SP-Politiker. Fachleute reden von einer «Scheinlösung». Mehr...

Pendler kommen heute zu günstig weg

Schon bald einmal wird die Verkehrsministerin weitere Preiserhöhungen ankündigen, und die Menschen werden sich erneut ärgern. Mehr...

Links

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Werbung

Blogs

Mamablog Die Badi als kinderfreie Zone

Nachspielzeit Das Schreckgespenst der Bundesliga

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Zurück in die Wildnis: Einer von rund 40 Igeln, die nach Verletzungen wieder gesund gepflegt worden sind, wartet in den Händen eines Hüters auf seine Freilassung im ungarischen Kecskemet. (24. August 2016)
(Bild: Sandor Ujvari/EPA) Mehr...