Ernst Stocker attackiert Deutsche

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 17.11.2009

Zulassungsbeschränkungen für die Uni Zürich sind wieder aktuell. Finanzdirektorin Ursula Gut hat den Numerus clausus als Sparmassnahme ins Gespräch gebracht. Gestern doppelte SVP-Kantonsrat und Regierungsratskandidat Ernst Stocker nach.

Numerus Clausus für Deutsche: Ernst Stocker, Regierungsratskandidat.

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In «20 Minuten» sagte Ernst Stocker zwar, er sei nicht für Zulassungsbeschränkungen. Aber: «Im Rahmen der dringend nötigen Sparmassnahmen muss vor allem geprüft werden, ob ein Numerus clausus für deutsche Studenten eingeführt werden soll.»

Zulassungsbeschränkungen ausschliesslich für Deutsche? Die Forderung liegt in der Luft: Laut der neuesten Statistik ist die Zahl der Deutschen Studierenden an der Uni im letzten Jahr von 1817 auf 1991 gestiegen, ihr Anteil von 7,3 auf 7,7 Prozent. Trotzdem erntete Stocker gestern nur Kopfschütteln - sogar in seiner eigenen Partei. Uni-Rektor Andreas Fischer, der selber im Rathaus war, wollte sich nicht politisch äussern. Aber er sagte, er begrüsse ausländische Studenten in Zürich, und er halte den Anteil von rund 16 Prozent Ausländern unter den Studierenden nicht für beunruhigend. Für deutsche Studenten gilt, dass die Uni ihre Abiturzeugnisse genau unter die Lupe nimmt. Sie müssen statt 689 Franken 789 Franken pro Semester bezahlen. Fischer sagt aber, vor allem die hohen Lebenshaltungskosten würden die Uni davor bewahren, von deutschen Studenten überrannt zu werden. «Das ist der grosse Unterschied zu Wien, wo die grossen Studentenproteste stattfinden.»

SP-Nationalrat Daniel Jositsch, Stockers Gegner im Kampf um einen Regierungssitz, findet, ein einseitiger Numerus clausus gegen Deutsche widerspreche den gesetzlichen Bestimmungen. Und als Sparmassnahme bringe das «so gut wie nichts». Die Grüne Esther Guyer sagte: «Die Uni ist keine Institution, bei der wir dafür sorgen müssen, dass sie rein schweizerisch bleibt.» Stocker zeige mit seiner Aussage, dass er die «Komplexität der Probleme» gar nicht erfasse. Beat Walti, Parteichef der FDP, die Stocker im Wahlkampf unterstützt, erklärte sanft, es gäbe «gescheitere Methoden», um den Zugang zum Studium zu regeln. SVP-Hochschulexperte Samuel Ramseyer räumt immerhin ein, dass die Politik die Entwicklung der Studierendenzahlen im Auge behalten müsse: «Wir produzieren Akademiker auf Halde.» Aber wenn man eine Beschränkung diskutiere, dürfe die Staatsangehörigkeit keine Rolle spielen.

Ernst Stocker ficht das alles wenig an: «Deutschland hat ja selber den Numerus clausus.» Und schliesslich hätten die vielen deutschen Studenten zur grossen Protestwelle in Wien geführt. «Wie vieles im Leben ist auch das eine Frage des Masses», gibt sich Stocker philosophisch. Er spüre an den Podiumsveranstaltungen mit Jositsch, dass es die Leute beschäftige, wie schwer der Kanton an den Kosten für die vielen Ausländer trage. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.11.2009, 07:37 Uhr

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