Erstes Zürcher Student-Hostel in der Grünau eröffnet

Die Wohnungsnot unter den Studierenden ist gross. Das erste Student-Hostel in Zürich soll die Situation entschärfen. Es ist bereits komplett ausgebucht.

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Die Gemeinschaftsküche glänzt blitzblank, die Kochtöpfe strahlen wie poliert, und die Kühlschränke sind noch leer. Beim gestrigen Medienrundgang waren die Handwerker mit letzten Installationsarbeiten beschäftigt. «Wir sind sehr froh, pünktlich zum Semesterbeginn fertig geworden zu sein», sagte Brigitte von Känel, Geschäftsführerin der Stiftung für Studentisches Wohnen Zürich (SSWZ). Die Stiftung eröffnet heute ihr erstes Student-Hostel, und die ersten 70 Studenten aus 36 Nationen beziehen ihre neue Unterkunft.

500 Franken pro Monat

Die Kosten für das in 15 Monaten entstandene Gebäude betragen 17,7 Millionen Franken. Mit dem Bau schlägt die Stiftung neue Wege im Bereich des studentischen Wohnens ein. Konzentrierte sie sich bisher auf Liegenschaften, in denen Studierenden Zimmer in kleineren und grösseren Wohngemeinschaften (WG) angeboten wurden, ist das Student-Hostel ein Pilotprojekt. Es richtet sich vor allem an ausländische und ausserkantonale Studierende von Uni und ETH.

Der Betrieb des Hauses funktioniert dabei ähnlich wie ein Hotel. Für ein Zimmer bezahlt der Studierende 500 Franken inklusive Nebenkosten, gebucht wird über das Reservationssystem der studentischen Wohngenossenschaft (Woko). Die mit 12 Quadratmetern eher knapp bemessenen Zimmer sind mit einem Bett, Lavabo und Einbauschrank ausgerüstet und verfügen alle über einen Internetzugang. Die Duschen und Toiletten sind etagenweise angelegt. Das Haus mit Minergiestandard 2008 fügt sich u-förmig in die Quartierumgebung ein.

Suche nach günstigen Wohnungen

Im Student-Hostel ist der Aufenthalt maximal auf ein Jahr beschränkt. «Wir wollen damit die prekäre Wohnsituation vor allem für die ausländischen Studierenden verbessern», betonte Heidi Wunderli-Allenspach an der Einweihung. Die Rektorin der ETH und Präsidentin der Stiftung für studentisches Wohnen wies auf die angespannte Wohnlage für Studierende hin. Die Hochschulen in Zürich seien international ausgezeichnet, und die Limmatstadt gelte als Ort mit einer der höchsten Lebensqualitäten weltweit. Nach wie vor ist es aber für Studentinnen und Studenten schwierig, bei einem Leerwohnungsbestand von 0,05 Prozent eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Wunderli-Allenspach: «Es sind jährlich über 2000 Schweizer, die einen Studienaufenthalt im Ausland antreten, und es sind ebenso viele junge Leute, die für ihr Studium in die Schweiz kommen - Tendenz steigend.» Aus diesem Grund erstaunt es nicht, dass das Student-Hostel bereits vor der Eröffnung ausgebucht ist.

Für die ETH-Rektorin ist es wichtig, im Wettbewerb um die besten Studierenden nicht nur ein sehr gutes Lehrangebot, sondern auch preisgünstige Unterkünfte anbieten zu können. Welche Möglichkeiten gibt es, damit das Thema Wohnungsnot bei Studenten nicht zum Dauerthema wird? Das sei, sagte Brigitte von Känel, eines der obersten Ziele der Stiftung. «Wer als Studentin oder Student aus dem Ausland nach Zürich kommt, hat ohnehin einige schwierige Hürden zu nehmen. Wir wollen helfen, damit wenigstens die Unterkunft nicht zum Problem wird.» Trotz der Wohnungsnot sei die Situation für Schweizer Studierende meistens irgendwie lösbar. Viele pendeln vom Elternhaus einige Monate an die Uni, bis sie ein freies Zimmer finden. Für Studierende aus dem Ausland ist dies schwieriger. Ihnen fehlt nicht nur die geografische Nähe, sondern auch das Wissen, um sich auf dem Wohnungsmarkt durchzukämpfen. Damit sich die Wohnungssituation weiter verbessert, hat die Stiftung ein neues Projekt: zwei Studentenwohnhäuser in Affoltern mit 180 Zimmern. Der Baubeginn ist im April 2010. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2009, 11:17 Uhr

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