Zürich
«Es brodelt im Polizeicorps»
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 08.03.2011 63 Kommentare
«Irgendwann müssen so die Leistungen gekürzt werden, die die Polizei erbringt»: Stadtpolizist Giovanni Garra. (Bild: PD)
Giovanni Garra
Giovanni Garra arbeitet seit zehn Jahren bei der Stadtpolizei Zürich. Seit acht Jahren ist er Streifenwagenfahrer. Garra ist Vorstandsmitglied des Polizeibeamten-Verbandes der Stadt Zürich. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Protestmarsch am 9. März 2011
Am 9. März findet ein Protestmarsch der Aktionsgruppe «Zürich steht still» gegen «den Budgetkahlschlag im Personalbereich der Stadt Zürich» statt. Der Umzug startet um 17.30 Uhr beim Bürkliplatz und führt über den Stadthausquai, Paradeplatz zur Bahnhofstrasse, über die Urania und den Limmatquai zum Rathaus. Kurz nach 19 Uhr findet vor dem Rathaus die Schlusskundgebung statt.
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Was halten Sie davon, dass der Stadtrat den Zürcher Fussballclubs einen Teil der Stadionmiete erlassen hat, während man von den Sparmassnahmen beim Personal nicht abrückt?
Es ist natürlich schon stossend, wenn man den Clubs entgegenkommt und dort das Geld spricht, das man anderswo besser nutzen könnte. Gerade wegen der Fussballspiele und der Krawalle nach den Spielen müssen wir immer wieder Extradienste leisten. Daher kann ich das wirklich nicht verstehen. Grossveranstaltungen wie Fussballspiele, Konzerte oder Feste haben generell zugenommen. Da sind immer viele Leute im Dienst, die in ihrer Freizeit aufgeboten werden.
Sie arbeiten schon seit zehn Jahren bei der Stadtpolizei. Wie hat sich die Arbeit verändert?
Der Arbeitsdruck ist in den letzten Jahren ständig gestiegen. So hat die Öffnung des Gastgewerbegesetzes unsere Arbeit stark beeinflusst, speziell am Wochenende. Die Einsätze gehen ab 23 Uhr erst richtig los, und wir leisten bis in die frühen Morgenstunden hinein Einsätze. Mit der neuen Strafprozessordnung, die seit Anfang Jahr in Kraft ist, müssen wir auch mehr Papierkram erledigen. Wir müssen mehr Formulare ausfüllen, die Befragungen sind komplexer. Der Aufwand für die Büroarbeit ist generell höher als früher. Speziell auch für die Kriminalpolizei.
Wie ist die Stimmung im Corps?
Sie ist im Moment sehr angespannt. Es brodelt: die Sparmassnahmen, die unnötige Kennzeichnung im unfriedlichen Ordnungsdienst und weil mehrere Projekte gleichzeitig laufen, die interne Abläufe neu regeln sollen. Das verunsichert die Mannschaft. Wir können nicht in Ruhe arbeiten.
Wie wirkt sich dieser Arbeitsdruck auf Ihr Privatleben aus?
Das ist eine enorme Belastung für meine Familie. Meine Frau hat gar keine Freude an dieser Entwicklung. Sie hat schon oft gefragt, ob ich nicht intern die Stelle wechseln könnte, damit ich nicht so oft an den Wochenenden arbeiten muss.
Inwiefern belastet das die Arbeit der Polizei?
Wir versuchen, die Arbeit so gut wie möglich weiterzuführen. Es ist uns ein Anliegen, dass der Bürger diese Probleme nicht spürt. Aber Frust und Demotivation sind da. Das kann die Arbeit natürlich schon erschweren.
Was soll denn geschehen, damit der Ärger abklingt?
Ich appelliere an die Politiker, die vorgesehenen Sparmassnahmen im Personalwesen rückgängig zu machen. Wir leisten täglich Dienst für die Bevölkerung der Stadt. Es kann nicht sein, dass finanzielle Probleme der Stadt auf unserem Buckel ausgetragen werden.
Und was geschieht, wenn diese Forderungen nicht eingehalten werden?
Dann muss jeder für sich entscheiden, ob er so weiterarbeiten will. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Mitglieder des Polizeibeamten-Verbandes dann weitere Massnahmen planen. Wir werden das sicher nicht einfach so hinnehmen. Auch die Politiker müssen wissen: Den Fünfer und das Weggli bekommt man nicht. Irgendwann müssen so die Leistungen gekürzt werden, die die Polizei erbringt.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.03.2011, 12:08 Uhr
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63 Kommentare
Polizisten riskieren jeden Tag ihre Gesundheit für das Wohl der Stadt. Sie leisten zu Unzeiten Dienst und werden dafür nur verspottet und diskreditiert. Ohne diese Zürcher Polizisten wäre die Stadt nicht so sicher, wie sie ist. Wenn eine Ordnungsbusse so verletzend wirkt, dass man ein ganzes Korps kritisiert, dann ist dies das Problem des Betrachters. Die Politik machts aus, nicht die Ameisen!!! Antworten
Habt Ihr’s noch immer nicht verstanden? Die SVP hat kein Interesse an tatsächlicher Sicherheit. Wenn es sicher wäre, könnte sie ja nicht mehr so einfach den Ausländern schuld geben und Ängste schüren beim Volk und somit Stimmen abgarnieren. Denn andere Themen oder etwa gar Lösungsvorschläge gibt‘s ja bei der SVP ja nicht. Also weist man das Budget zurück und schreit laut: die Linken regieren ja! Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

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