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Es hat noch Platz für 150'000 Personen

Von Beat Metzler. Aktualisiert am 23.02.2011 150 Kommentare

Alle wollen nach Zürich. Bauland gibts kaum mehr, Potenzial haben fast nur bestehende Siedlungen.

Nur einer bekommt den Zuschlag: Wohnungsbesichtigung in Zürich. (Bild: Reto Oeschger)

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Die Anziehungskraft Zürichs kennt keine Grenzen. Wenn Statistiker herauszufinden versuchen, wie viele Einwohner die Stadt künftig zählt, gibt es nur ein Limit: die Anzahl Wohnungen. Zugespitzt bedeutet dies: Entstünden in den nächsten fünf Jahren Unterkünfte für 100'000 Menschen – was natürlich unrealistisch ist –, würde Zürich um 100'000 Menschen wachsen. Die wiedererwachte Beliebtheit der Städte, die Zuwanderung aus dem EU-Raum und das Bevölkerungswachstum bilden das Reservoir für das schier endlose Wachstum. Die Frage lautet also nicht, wer in Zürich wohnen will. Sondern: Wie viele haben noch Platz? Um mehr Platz zu schaffen, machte Martin Hofer vom Beratungsbüro Wüest & Partner kürzlich einen provokativen Vorschlag: Zürich solle die Hälfte seiner Landwirtschaftsgebiete einzonen, dadurch entstünde Raum für 60'000 neue Zürcherinnen und Zürcher. Die Stadt werde trotzdem grün und lebenswert bleiben, ist Hofer überzeugt.

Effektiv dürften es 55'000 sein

Braucht Zürich neue Bauzonen? Und ist die Stadt wirklich fertig gebaut, wie oft beteuert wird? Berechnungen des Amtes für Städtebau behaupten das Gegenteil. Theoretisch könnten auf Stadtgebiet weitere 16 Millionen Quadratmeter Nutzfläche entstehen, was einem Wachstum um ein Drittel entspräche. Geht man von einer Bruttowohnfläche aus, die auf 55 Quadratmeter pro Person ansteigt, und zieht man Gewerbe- und Büroflächen ab, könnten sich demnach 150'000 zusätzliche Menschen niederlassen – ohne dass Äcker zubetoniert oder Waldstücke abgeholzt würden.

Die Rechnung ist simpel: Die Bau- und Zonenordnung (BZ0) aus dem Jahr 1999 schreibt genau vor, wie hoch und wie dicht auf jedem städtischen Grundstück gebaut werden darf. Würden alle Grundeigentümer diese Möglichkeiten bis aufs Letzte ausschöpfen, erhielte man die 16 Millionen Quadratmeter.

Bevölkerung wächst ähnlich stark

Doch so einfach funktioniert es nicht. Längst nicht alle Hausbesitzer planen, ihre Liegenschaften zu vergrössern. Andere werden durch Rekurse daran gehindert. Das Amt für Städtebau hat deshalb in einem realistischeren Szenario ausgerechnet, wie viele der Raumreserven bis 2025 effektiv genutzt werden könnten. Das Resultat lautet: 6 Millionen Quadratmeter. Dies erlaubt eine Zunahme um rund 55 000 Einwohner, was einer Stadt von der Grösse Luganos gleichkommt.

Einen Anstieg ähnlichen Ausmasses sagt die Bevölkerungsprognose von Statistik Stadt Zürich voraus: Gemäss der Maximalvariante werden in neun Jahren bereits 415 000 Menschen in Zürich leben, derzeit sind es rund 385'500. Am schnellsten wächst dabei das Quartier Escher-Wyss. Dessen Bevölkerung soll sich bis 2020 verdoppeln. Auch Seebach und Affoltern werden kräftig expandieren. Zu einem Rekord führt der Boom allerdings nicht: 1962, bevor die Stadtflucht einsetzte, zählte Zürich 440'000 Einwohner.

Stadt soll Häuser zukaufen

Solche Prognosen erklären nicht, wer die Menschen sein werden, die nach Zürich kommen. Darüber entscheiden die Preise der neuen Wohnungen. Und diese hängen unter anderem davon ab, wo die Wohnungen errichtet werden. Auf freiem Feld können nur noch die wenigsten entstehen. Denn Zürich ist insofern fertig gebaut, als die Stadt über fast kein leeres Bauland mehr verfügt. Häuser auf Brachflächen steuern gerade mal 8 Prozent an die vorausgesagten zusätzlichen 6 Millionen Quadratmeter Nutzfläche bei – auch wenn bis 2025 80 Prozent aller Brachen verbraucht würden. Weit mehr, nämlich 38 Prozent des neuen Wohnraums, soll auf heutigen Industrieflächen entstehen, viele davon befinden sich am Gleisstrang und gehören den SBB. Die grösste Reserve von 54 Prozent liegt aber in der Erweiterung bestehender Siedlungen, selbst wenn dieses Potenzial nur zu 25 Prozent ausgenutzt wird. Diese Verdichtung soll gemäss Stadtrat vor allem in Zürichs Norden und Westen stattfinden.

Der Befund klingt nach einer schlechten Nachricht für die Förderer des gemeinnützigen Wohnungsbaus: Stadt und Genossenschaften können kaum mehr Siedlungen im Grünen hochziehen, wie sie es in letzter Zeit in Affoltern getan haben. Grössere Einzonungen sind gemäss Hochbaudepartement keine vorgesehen. Und auf umgenutzte Industrieflächen, die mehrheitlich private Besitzer kontrollieren, hat die öffentliche Hand nur beschränkt Einfluss.

Das Ziel der Linken, den Anteil gemeinnütziger Wohnungen auf 33 Prozent zu erhöhen, lasse sich trotzdem erfüllen, glaubt SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran. «Genossenschaften und Stadt haben grosses Potenzial, ihre bestehenden Siedlungen zu verdichten, am besten mit der traditionellen Blockrandbauweise.» Weiter müsse die Stadt die Besitzer von Industriebrachen verpflichten, gemeinnützige Wohnungen zu erstellen – als Gegenleistung für den Verdichtungsbonus. Entscheidend werde auch sein, was auf dem Markt passiert. Badran schätzt, dass in den nächsten Jahren 40'000 Wohnungen vererbt und weiterverkauft werden. «Hier muss die städtische Stiftung für günstigen Wohnraum zugreifen.» Dabei dürfe die PWG nicht vor hohen Preisen zurückschrecken, auch wenn diese zu hohen Mietzinsen führen. «Heute ist eine 4-Zimmer-Wohnung für monatlich 4000 Franken teuer. In 20 Jahren wird sie das nicht mehr sein.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2011, 23:36 Uhr

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150 Kommentare

Stefan Studer

23.02.2011, 10:21 Uhr
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@Sven Fischer: Wieso soll der "Schweizer Normalbürger" Schuld sein, dass mehr Wohnfläche pro Kopf genutzt wird? Egal ob Schweizer oder Deutscher, alle wollen soviel Wohnfläche, wie sie sich leisten können. Und gerade die EU-Einwanderer können sich viel Wohnfläche leisten, sicher mehr als ihr "Schweizer Normalbürger". Nur weniger Einwanderung verhindert eine Megacity von Bodensee bis Genfersee. Antworten


Roland Moser

23.02.2011, 07:31 Uhr
Melden 1 Empfehlung

In der Schweiz hat es 8 Mio Menschen. Das sind 2 Mio zu viel für eine ökologisch intakte Schweiz. Antworten



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