«Es ist schwierig, Leute für den Polizeijob zu finden»
Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 18.04.2011 13 Kommentare
Peter Reinhard, 57, ist Geschäftsführer der kantonalen EVP und Präsident des Verbands der Kantonspolizei Zürich VKPZ. Er lebt in Kloten. (Bild: PD)
Das Postulat
Die Kantonsräte Renate Büchi-Wild (SP), Christoph Holenstein (CVP) und Kurt Leuch (EVP) forderten den Regierungsrat in einem Postulat auf, das Korps der Kantonspolizei auf den Sollbestand von 1727 Stellen anzuheben. Begründet wird das Anliegen mit dem neuen Gewaltschutzgesetz, das 2007 in Kraft getreten ist. Im ersten Jahr danach habe die Polizei 1608 Mal wegen häuslicher Gewalt ausrücken müssen, in zwei Drittel der Fälle seien Schutzmassnahmen getroffen worden. Jeder Einsatz beschäftige einen Polizisten für 12 bis 14 Stunden. Wegen dieser zusätzlichen Belastung sei es nötig, den Korpsbestand anzuheben, forderten die Kantonsräte. Die Behandlung des Postulats ist für heute Montagnachmittag angesetzt.
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Herr Reinhard, Sie sitzen für die EVP im Kantonsrat. Heute wird dort über ein Postulat diskutiert, das die Aufstockung der Polizei um 70 auf den Sollbestand von 1727 Stellen verlangt. Das Postulat ist vier Jahre alt. Wo steht die Kantonspolizei heute?
Noch schlechter. Zurzeit fehlen bis zu 140 Polizisten. Für die Korps-Mitarbeiter bedeutet das Überstunden, zusätzliche Wochenendeinsätze und mehr Stress.
Anders als in der Stadt Zürich sind die nötigen Stellen bei der Kapo bewilligt. Warum der Personalmangel?
Es ist schwierig, Leute für den Job zu finden. Das Geld für die Aufstockung wäre vorhanden, der politische Wille ist da. Der Regierungsrat hat zusätzliche Polizeischulklassen beschlossen. Aber der Sollbestand kann nicht von heute auf morgen gedeckt werden. Die Ausbildung braucht Zeit.
Gibt es zu wenig Interessenten?
Der Polizeiberuf ist anspruchsvoll, er stellt nicht nur körperlich hohe Anforderungen, man muss auch Deutsch können und die psychische Eignung mitbringen. Wir suchen ja keine Politessen, die einfach nur Bussen ausstellen. Aber wie gesagt: Der politische Wille ist da, anders als in der Stadt Zürich. Wir müssen ihn nur umsetzen.
Die Stadtpolizisten fordern ja 70 bis 80 zusätzliche Stellen. Wie einfach könnten diese besetzt werden?
Das ist eine andere Frage. Theoretisch hat man das Problem mit den zusätzlichen Stellen gelöst, praktisch noch lange nicht. Vermutlich hätte die Stapo ähnliche Probleme wie die Kantonspolizei. Umso zwingender ist es, dass der Polizeiberuf konkurrenzfähig bleibt. Man darf nicht vergessen, dass Polizist ein Zweitberuf ist. Wer die Ausbildung macht, hat bereits einen anderen Job. Damit man wechselt, muss die neue Stelle mindestens ebenbürtig sein.
Was halten Sie vom Bussenstreik der Stadtpolizisten?
In der Stadt wurden Auseinandersetzungen schon immer härter geführt. Wenn das Parlament derart reinfährt, braucht es eine Reaktion. Es ist gut, dass die Stadtpolizisten der Politik die Grenzen aufzeigen. Das Personal ist keine Masse, die man beliebig herummanövrieren kann. Wenn man vom Polizeikorps Leistung verlangt, muss man auch eine Gegenleistung bieten. Heute gibt es ja auch im Polizeiberuf Konkurrenz, dank dem eidgenössischen Polizeidiplom kann man jederzeit den Job wechseln.
Gibt es frustrierte Stadtpolizisten, die zum Kanton wechseln wollen?
Bis jetzt ist kein Exodus feststellbar. Man hat ja auch einen gewissen Stolz, zu einem Korps zu gehören. Aber Polizisten sind auch in der Privatwirtschaft begehrt. Das Problem der mangelnden Polizisten ist ein gesamtschweizerisches Problem und besteht auf allen Korps-Ebenen. Die Anforderungen an die Polizei steigen dauernd. Der Kanton Zürich ist in den letzten fünf Jahren um eine Stadt von der Grösse von Winterthur gewachsen, deshalb braucht es natürlich auch mehr Polizisten.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.04.2011, 14:29 Uhr
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13 Kommentare
Wenn die Aussage zur Konsequenz aus dem Bevölkerungswachstum im Kanton Zürich stimmt, dann haben alle diejenigen recht welche die Zuwanderung eindämmen wollen. Denn der Zuwachs kommt nicht aus einem Babyboom unserer Ego- und Spassgesellschaft und Qualitatives Wachstum braucht die richtigen - aber keinesfalls mehr Personen. Antworten

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