Zürich

«Es war eine lange Nacht»

Interview: Claudia Imfeld. Aktualisiert am 17.04.2010

Die Passagiere, die am Flughafen Zürich im Transferbereich übernachten, werden von Zivilschützern betreut. Die kennen solche Situationen vom Swissair-Grounding oder dem 11. September, wie ihr Chef sagt.

Brauchen viel Geduld: Passagiere am Flughafen Kloten.

Brauchen viel Geduld: Passagiere am Flughafen Kloten.
Bild: Keystone

Herr Wirz, wie sieht der Transferbereich derzeit aus?
Er ist ungewöhnlich leer für einen Samstag, viele Geschäfte haben erst gar nicht geöffnet.

Und die Passagiere, die dort die Nacht verbracht haben?
Jene, die den Bereich verlassen, haben eine Züri-Card erhalten, damit sie in die Stadt fahren können. Für die, welche kein Schengen-Visum haben, klärt die Kantonspolizei einzeln, ob ein solches ausgestellt werden kann. Die Schlafsäcke und Matratzen, die wir für die Nacht verteilt haben, sind wieder verräumt, und unsere Leute sind jetzt daheim und schlafen vermutlich. Es war eine lange Nacht.

Gab es Zwischenfälle?
Nein. Wir hatten keine Probleme, trotz vieler unterschiedlicher Kulturen. Wir hatten in einem Bereich des Transfer einen Stützpunkt aufgestellt: Dort konnten die Passagiere neben den Utensilien für die Nacht auch etwas zu essen und zu trinken holen. Ausserdem verteilten wir Zahnbürsten und Zahnpasta. In der Zone gibt es auch ein paar wenige Duschen.

Was stand auf dem Menuplan?
Wir konnten die Sandwiches von Gate Gourmet verteilen, welche auf den Flügen nicht eingesetzt werden konnten. Die Airlines hatten aber auch Gutscheine verteilt, damit sich ihre Kunden im Transferbereich in den Restaurants verpflegen konnten. Ein Restaurant war die letzten zwei Tage auch während der Nacht geöffnet. Bis 1 Uhr gab es warmes Essen.

Einige Personen haben schon die zweite Nacht auf dem Flughafen verbracht. Ist der Ärger gross?
Zumindest merken die Zivilschützer nicht viel davon. Die Stimmung war gut, die ganze Nacht über. Die Rückmeldungen sind wirklich ausschliesslich positiv. Ich glaube, weil ein Naturereignis Ursache für die Luftraumsperre ist, nehmen die Leute die Sache gelassener.

Aber die Passagiere sind zum Teil seit zwei Tagen ohne ihr Gepäck. Hatte niemand Sonderwünsche, brauchte Medikamente - oder Windeln für ein Baby?
Familien mit Kindern hat es in der Transferzone. Für sie konnten wir am Freitag die «Nursery» öffnen. Das ist ein Bereich im Transfer, in dem Kinder spielen können, es gibt da Babynahrung und ein Bettchen. Eine unserer Zivilschützerinnen hat während der Nacht die Betreuung übernommen. Ausserdem konnten die Passagiere gestern Freitag ihr Gepäck holen und zu sich nehmen.

Sind Ihre Leute speziell ausgebildet - etwa für den Fall, dass jemand seinem Ärger physisch Luft verschafft?
Ja, die Betreuer haben eine Ausbildung - aber wenn Gewalt ins Spiel kommt, greifen wir auf die Fachleute der Kantonspolizei zurück.

Was passiert heute Abend?
Wenn der Luftraum weiter geschlossen bleibt, bieten wir unsere Leute wieder auf und verteilen wieder Schlafsäcke und alles Nötige.

Ist der Einsatz für Sie etwas Aussergewöhnliches?
Er ist ruhiger und organisierter als frühere. Meine Kompanie ist speziell auf den Flughafen Zürich ausgerichtet. Das heisst, wir waren auch im Einsatz während des Swissair Grounding, nach dem 11. September - oder immer wenn wegen des Wetters viele Passagiere nicht aus Zürich weg kommen. Diese Erfahrung ist sehr viel wert.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.04.2010, 13:05 Uhr

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