Exotische Rattenmilben befallen Zürcher Familien
Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 30.06.2009 7 Kommentare
Unter dem Mikroskop 200fach vergrössert: die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti). (Bild: UGZ)
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tropische Rattenmilbe
Die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) ist weltweit verbreitet. Sie hängt sich gerne an Ratten und Mäuse. Auch Tiere im Zoofachhandel können Träger sein. Die ausgewachsene Milbe ist 0,75 bis 1 Millimeter klein und nur unter dem Mikroskop bestimmbar.
Meist nachts sucht sie nach Wirten, um Blut zu saugen. Auf der Suche nach neuen Wirten gelangen die Parasiten auch auf Menschen. Ihre Stiche führen zu juckendem, zum Teil schmerzhaften Ausschlag.
Sind Tiere von der Tropischen Rattenmilbe befallen, sieht man rote Pünktchen. Die Tiere wirken nervös, kratzen sich oft und das Fell wirkt struppig.
Die Tropische Milbenart kann den Erreger des Murinen Typhus und des Q-Fiebers übertragen, in Mitteleuropa gilt sie aber nicht als bedeutender Überträger.
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Die fünf- und achtjährigen Kinder freuten sich riesig: Ende Jahr kauften ihnen ihre Eltern drei Rennmäuse. Liebevoll kümmerten sie sich um die Tierchen. Doch nach wenigen Wochen hatten die Mäuse rote Punkte. Bald klagten die Kinder und dann die ganze Familie über Stiche am ganzen Körper, erinnert sich die Mutter, Ariane Holzer*.
Ähnlich erging es Familie Steiner* aus Zürich, die sich zwei Hamster zutat. «Bei den ersten Stichen dachten wir noch, es seien Mückenstiche», sagt Lilo Steiner*. Doch es wurde immer schlimmer. «Irgendwann sprühten wir uns vor dem Zu-Bett-Gehen immer mit Anti-Brumm ein.»
Odysee durch Arztpraxen
Beide Familien gingen zu Tierärzten, Haus- und Hautärzten. Sie mussten die Käfige und alles um sie herum mit Insektizid desinfizieren und sich selbst mit Lotionen eincremen. Die Tierärzte behandelten die Hamster und Rennmäuse. Erst Wochen nach den ersten Stichen war klar, worum es sich bei den Parasiten genau handelte. Das Institut der Parasitologie der Uni Zürich untersuchte ein Exemplar: Es war eine Tropische Rattenmilbe.
Die Leidgeplagten beauftragten eine Schädlingsbekämpfungsfirma, welche die Wohnungen behandelte. Während Stunden konnten die Familien nicht nach Hause. «Was sich nicht mit 60 Grad waschen liess, musste 24 Stunden im Tiefkühler gelagert werden», erzählt Holzer. Danach hiess es abwarten, ob wirklich alle Milben tot waren.
Grosse psychische Belastung
Das Ganze war nicht nur Zeit und Nerven raubend, sondern ging auch an die Psyche, darin sind sich Ariane Holzer und Lilo Steiner einig, deshalb wollen sie auch anonym bleiben. «Auch die Kinder litten sehr unter der Situation, weil sie für mehrere Wochen keine Freunde mit nach Hause nehmen durften», so Steiner. Man habe ja nicht gewusst, ob noch Milben in der Wohnung seien.
Die beiden Zürcher Familien sind nicht die einzigen Betroffenen. Laut Gabi Müller von der städtischen Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung sind bei der Fachstelle vom Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich seit Anfang Jahr insgesamt vier Fälle eingegangen. Laut Informationen von Tagesanzeiger.ch haben drei der vier ihre Tiere in der gleichen Zoofachhandlung gekauft: bei Qualipet im Einkaufszentrum Sihlcity.
«Nicht einmal eine Entschuldigung»
Qualipet verneint in Briefen seiner Rechsschutzversicherung an die Betroffenen aber jegliche Verantwortung. Das Unternehmen lehnt auch jegliche Entschädigung ab. Die Zeitspanne zwischen dem Kauf der Tiere und dem Feststellen der Milben sei zu lang. Die Tiere könnten die Milben auch andernorts aufgelesen haben. Weiter habe man vor und nach dem Verkauf der betroffenen Tiere keinen Milbenbefall in der Filiale festgestellt.
Die Betroffenen sind enttäuscht über die Aussagen. «Wenigstens eine Entschuldigung hätten wir von Qualipet, die sich Nummer 1 im Schweizer Zoofachhandel nennt, erwartet», so die Betroffenen.
*Namen von der Redaktion geändert (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.06.2009, 10:20 Uhr


