Familienstreit: Tochter erschiesst Vater
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 06.10.2009
Der Schiesserei am späten Donnerstagabend war ein heftiger Streit zwischen Vater und Tochter vorausgegangen. Dies meldete gestern Freitag die Kantonspolizei. Dabei soll es zwischen der 22-jährigen Tochter und dem 52-jährigen Vater nach verbalen Auseinandersetzungen auch zu Tätlichkeiten gekommen sein. Kurz nach 22 Uhr eskalierte die Situation, die Tochter schoss mit einer Faustfeuerwaffe auf ihren Vater und verletzte ihn schwer. Die Mutter, welche in der Wohnung anwesend war, alarmierte die Sanität. Trotz Reanimationsbemühungen starb der Mann wenige Minuten später. Nach der Tat flüchtete die Schützin, sie stellte sich jedoch eine Stunde später bei der Kantonspolizei. Seitdem sitzt sie in Haft.
Opfer war Bankdrücker
Beim Opfer handelt es sich um einen Hauswart. Er betreute mit seiner Frau ein Mehrfamilienhaus in der Nähe des Bahnhofs, in dem die Schweizer Familie auch wohnt. Nebst der Tochter, die anscheinend noch zu Hause lebt, hat die Familie noch einen 24-jährigen Sohn. Wie langjährige Nachbarn unisono sagen, habe nichts auf diese Tat hingedeutet. Es habe sich um eine normale Familie gehandelt, von Streit habe man nichts gemerkt. Der Vater wird als hilfsbereit beschrieben, die Tochter als sympathische junge Frau. Auch der Gemeindepräsident von Oberrieden, Markus Arnold, der den Vater persönlich gekannt hatte, ist von der Tat überrascht und geschockt: «Nichts wies auf aussergewöhnliche Familienprobleme hin.»
Der 52-jährige Vater war in seiner Freizeit begeisterter Bankdrücker. Bei dieser Sportart heben die Athleten auf dem Rücken liegend mit beiden Händen Gewichte nach oben. Er trainierte mehrmals wöchentlich und nahm regelmässig an Wettkämpfen teil. 2003 habe er sein Ziel erreicht, einmal Weltmeister zu werden, heisst es auf der Website des Verbands. Dabei stemmte der Mann 195 Kilogramm. Er führte in Adliswil ein Fitnessstudio. Die 22-jährige Tochter, welche im Druckergewerbe arbeitete, modelte in ihrer Freizeit und liess sich von verschiedenen Fotografen in leicht erotischen Posen ablichten. Ob diese Tätigkeit mit dem Familiendrama im Zusammenhang steht, ist nicht bekannt. Im Weiteren bezeichnet sie sich als leidenschaftliche Gamerin und Manga-Zeichnerin (japanische Comics). Laut Kantonspolizei sind die Hintergründe der Tat noch nicht geklärt; die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
Tatwaffe keine Militärwaffe
Bei der Tatwaffe, so Werner Benz, Sprecher der Kantonspolizei, habe es sich nach aktuellem Ermittlungsstand nicht um eine Militärwaffe gehandelt. Nachbarn sprechen davon, dass drei Schüsse gefallen seien. Woher die Frau die Waffe hatte, ist noch nicht bekannt. Gemäss einer Nachbarin soll die Ehefrau gesagt haben, dass sie und ihr Mann keine Waffe besitzen. Nach den Schüssen fand ein von der Ehefrau zu Hilfe gerufener Nachbar den Schwerverletzten auf der Couch liegend. Dabei soll er noch mehrmals gesagt haben: «Ich sterbe, ich habe einen Lungenschuss.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.10.2009, 04:00 Uhr


