Flughafen Zürich: Untersuchungsbehörde kritisiert Piloten

Das Büro für Flugunfalluntersuchungen hat zwei Piloten kritisiert, die nach dem Ausfall eines Systems das Flugzeug nicht mehr richtig im Griff hatten.

Landung trotz Systemausfall: Ein Jumbolino-Flugzeug landet am 23. Mai 2011 auf dem Flughafen in Zürich.

Landung trotz Systemausfall: Ein Jumbolino-Flugzeug landet am 23. Mai 2011 auf dem Flughafen in Zürich. Bild: Keystone

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Weder die zweiköpfige Besatzung noch Drittpersonen kamen beim Zwischenfall zu Schaden. Das Büro für Flugunfalluntersuchung stufte den Vorfall dennoch als «schwer» ein, wie es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht heisst. Dank des Flugverkehrsleiters in Zürich konnte die Maschine ohne Zwischenfall landen. Passagiere waren keine an Bord.

Die Besatzung habe nach dem Ausfall eines einzelnen Systems die verbliebenen Systeme nicht zweckmässig eingesetzt und eine sichere Führung des Flugzeugs zeitweise nicht mehr gewährleisten können. Die Untersuchungsbehörde kritisiert zudem die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Kommandant und Copilot.

Die beiden Piloten waren am 20. Juli 2011 von Nürnberg (D) nach Zürich unterwegs. Sie mussten eine leere Maschine wieder zurückfliegen. Bereits kurz nach dem Start waren zwei Systeme ausgefallen, die aber kurz darauf wieder zugeschaltet werden konnten. Der Flug nach Zürich verlief darauf problemlos.

Systemausfälle bei der Landung

Beim Landeanflug fielen schliesslich der Autopilot und ein anderes System wieder aus. Beim Kommandanten erschien die rote Warnanzeige für «Höhe» und «Steuerung», die Navigationsdaten verschwanden. Beim Copiloten blieben die Anzeigen stabil und erlaubten es, das Flugzeug manuell zu steuern.

Gemäss Bericht vertraute der Copilot seinen Anzeigen jedoch nicht mehr. Der Kommandant übernahm die Steuerung anhand der Notinstrumente und meldete Navigationsprobleme. In der folgenden Flugphase traten starke Richtungsschwankungen bei der Maschine auf und die Geschwindigkeit variierte beträchtlich.

Der Flugverkehrsleiter am Flughafen Zürich dirigierte die Maschine schliesslich vom Boden aus. Um das Risiko zu minimieren und den Piloten eine optimale Unterstützung zu bieten, stoppte er zudem den ganzen an- und abliegenden Verkehr auf den Flughafen Zürich, wie es im Bericht weiter heisst.

Kurz vor der Landung konnte die Besatzung den Autopiloten und das andere ausgefallene System wieder zuschalten. Der Verkehrsleiter gab die Freigabe zur Landung, worauf diese problemlos klappte. (jcu/sda)

(Erstellt: 29.11.2012, 11:19 Uhr)

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