Flugplatz Dübendorf rüstet auf

Dieses Jahr können mehr als doppelt so viele WEF-Teilnehmer direkt in Dübendorf einreisen. Die Sicherheit auf dem Flugplatz wird massiv ausgebaut – weil sie 2015 Mängel aufwies.

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Vom 20. bis zum 23. Januar findet in Davos das WEF statt, und der Flugplatz Dübendorf wird immer mehr zum Eingangstor des Weltwirtschaftsforums. Vor Jahresfrist konnten WEF-Teilnehmer erstmals mit ihren Privatfliegern auf dem Militärflugplatz landen und wurden dort gleich abgefertigt – Dübendorf als Schengen-Aussengrenze. Zoll und Flughafenpolizei für die Personenkontrolle waren mit mobilen Einrichtungen vor Ort.

Im Januar 2015 war die Zahl der Direktanflüge auf 15 limitiert, da man die Abläufe testen wollte. Die restlichen 10 Flüge waren Überführungsflüge vom Flughafen Zürich her, um die Maschinen abzustellen. Dieses Jahr können bis zu 40 Direktflüge stattfinden, wie die Luftwaffe Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt. So viele Flieger können auf dem Flugfeld maximal parkiert werden.

Doppelte Anzahl Soldaten

Damit die Fluggäste dieser Maschinen besser abgefertigt werden können, braucht es auch mehr Personal und Infrastruktur. Sicherheitsüberprüfung und Zollabfertigung finden nicht mehr draussen mittels eines mobilen Spezialfahrzeugs statt, sondern in einer Flugzeughalle. «Diese Lösung bietet mehr Schutz und zusätzlichen Sichtschutz», sagt Jürg Nussbaum, Sprecher der Luftwaffe.

Gleichzeitig wird das Sicherheitsdispositiv «massiv ausgebaut», wie er sagt. Letztes Jahr seien Mängel aufgetaucht, auf die Nussbaum nicht näher eingehen möchte. Dieses Jahr wird die Lufttransport-Sicherungskompanie der Luftwaffe ausschliesslich für Dübendorf zuständig sein. 2015 war nur etwa die Hälfte der Kompanie im Glattal. Das bedeutet: Rund 100 statt 50 Soldaten sichern den Flugplatz. Sie beziehen morgen Freitag in Dübendorf Stellung.

Diese Einheit kennt die Bedürfnisse des Flugplatzes und die Operationen der Luftwaffe. Die Armeeangehörigen sind zudem dafür geschult, mit der Berufswache des Flugplatzes, mit dem Unfallpikett und mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

Zusätzliche Helikopterflüge

Der Ausbau der Sicherheit in Dübendorf habe nichts mit Terrorwarnungen zu tun, betont Nussbaum. Dass damit der Terrorgefahr besser entgegengetreten werden könne, bezeichnet er aber als positiven Nebeneffekt.

Der ausserordentliche Flugbetrieb startet am kommenden Montag. Dienstag und Mittwoch werden die meisten Maschinen erwartet – falls das Wetter mitmacht. Ist dieses sehr schlecht, landet möglicherweise kein einziger Flieger in Dübendorf. Der letzte Abflug ist am Montag, 25. Januar, vorgesehen. Geflogen wird ausserhalb der ordentlichen Flugbetriebszeiten sowie am Wochenende. Auch könnte es zu Helikopterbewegungen kommen. Vor Jahresfrist nutzten aber nur ganz wenige die Möglichkeit, direkt nach Davos weiterzufliegen. Gemäss Luftwaffensprecher Nussbaum kann unter anderem deshalb keine Prognose über die Anzahl Flugbewegungen gemacht werden, weil allenfalls Jets landen, welche Passagiere nur absetzen und gleich weiterfliegen.

«Absolutes No-go

Am Dübendorfer WEF-Betrieb haben nicht alle Freude. In der Stadt sprechen viele von einem Testbetrieb für die künftige zivile Nutzung des Flugplatzes. «Man will uns beweisen, dass die Zivilaviatik nicht stört», argwöhnt Stadtpräsident Lothar Ziörjen. Allerdings habe der WEF-Betrieb nichts mit dem geplanten «zivilen Dauerbetrieb» zu tun, so Ziörjen.

«Der Zivilbetrieb wird durch die Hintertüre eingeführt», kritisiert Oliver Müller von der IG Zivilflugplatz Dübendorf Nein. Ohnehin hält er die rechtliche Grundlage für den temporären zivilen Betrieb für «äusserst dürftig, wenn nicht sogar illegal». Landen, Passagiere abladen und gleich wieder starten hält Müller für ein «absolutes No-go». Dass gewisse WEF-Gäste in Dübendorf abgefertigt werden, kann er hingegen aus ökologischen Gründen halbwegs nachvollziehen. Unnötige Leerflüge zwischen Kloten und Dübendorf werden hinfällig.

65 Parkplätze in Kloten

Trotz ausgebautem Flugplatz Dübendorf werden die meisten WEF-Teilnehmer auf dem Flughafen Zürich landen. Staatsoberhäupter und Diplomaten reisen aus Sicherheitsgründen ohnehin nur über Kloten ein. Laut Flughafensprecherin Sonja Zöchling werden in Kloten circa 65 WEF-Flugzeuge parkiert. Dass 40 Maschinen direkt in Dübendorf landen und dort bleiben können, sei keine Entlastung. Über Kloten werden trotzdem rund 1000 zusätzliche Flugbewegungen für die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums abgewickelt.

In dieser Zahl sind auch die Helikopterflüge nach und von Davos enthalten. Da der Platz in Kloten begrenzt ist, werden zahlreiche Flieger dort nur landen, um die Passagiere aussteigen zu lassen. Parkiert werden sie auf nahen Flugplätzen wie St. Gallen-Altenrhein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 14.01.2016, 17:39 Uhr)

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