Zürich

Frauen erobern die Führerstände der Lokomotiven

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 27.03.2010

Eine der letzten Männerbastionen fällt: Für den Traumberuf Lokführer werden von den SBB nun explizit Frauen gesucht.

Ladies wanted: Frauen sollen im Zugcockpit eine Zukunft haben.

Ladies wanted: Frauen sollen im Zugcockpit eine Zukunft haben.
Bild: SBB

Links

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

«Ein Bodybuilding-Training brauchts als Lokführerin nicht», sagt Gabrielle Arnold (50) aus Langnau am Albis. Die ehemalige Musiklehrerin war 1991 eine der ersten Lokführerinnen der Schweiz. Als die militärische Diensttauglichkeit als heilige Bedingung aufgehoben wurde, bewarb sich Arnold als Lokführerin – sie war damals Zugassistentin auf der S-Bahn.

Ihren Vorgesetzten hatte Arnold damals eine Knacknuss aufgegeben. Sie setzte sich aber in Eignungstests und in der Ausbildung durch und pilotierte bald Züge durch die ganze Schweiz. Einfach war es als Frau nicht: «In den Depots gabs noch keine Frauen-WCs», erinnert sie sich. «Ich musste immer warten, bis kein Kollege in der Nähe war, und dann schnell reinschlüpfen.»

Info-Abende für Frauen

Ganz anders heute: In Zeitungsinseraten und an Info-Abenden werden aktiv Lokführerinnen gesucht. Grund ist die deutliche Dominanz der Männer bei den SBB über alle Bereiche hinweg. «Wir wollen den Frauenanteil bis 2014 von heute 14 auf 18 Prozent steigern», sagt Christine Spreyermann, Leiterin Gender Management der SBB.

Viel krasser sieht das Verhältnis auf den Lokomotiven aus: Von 3200 Lokführern bei SBB und SBB Cargo sind bloss 45 weiblich, das sind 1,4 Prozent. 14 Frauen sind zurzeit in der Schulung, 28 wurden seit 2006 ausgebildet. Wesentlich besser siehts bei den Zürcher Verkehrsbetrieben (VBZ) aus: In den Führerständen der Trams sitzen bereits 24 Prozent Frauen, die ersten wurden 1979 eingestellt. 12 Prozent der VBZ-Busse werden von Frauen pilotiert.

Hubert Giger, Präsident des Verbandes Schweizer Lokführer VSLF, heisst die Frauen auf den Lokomotiven willkommen. Er bezweifelt allerdings, dass bei den SBB Frauenförderung und Gleichstellung die einzigen Motive sind. «Lokführer ist offenbar nicht mehr der unbestrittene Traumberuf, deshalb wird nun die Werbung auch auf Frauen ausgedehnt.» Was Giger besonders wichtig ist: «Für diesen Beruf braucht es nach wie vor ein technisches Flair.» Beispiele: Das Verständnis einer Druckluftbremse, An- und Abkuppeln oder die Diagnose eines Heissläufers an der Bremse.

«Das kann eine Frau ebenso gut»

Ausgebildet werden die neuen Lokführerinnen durch den Ausbildungsverbund «Login». Bedingungen sind eine abgeschlossene Berufslehre oder eine Matura, gute Gesundheit und Sprachkenntnisse – neben Deutsch zusätzlich Französisch oder Italienisch. Am Anfang steht eine psychologische Tauglichkeitsuntersuchung. Dann folgen zehn Wochen theoretische Basisausbildung und zehn Monate Praxis.

Lokführerin Gabrielle Arnold, die heute in der Einsatzplanung für Lokführer arbeitet, sagt: «Wichtig ist, dass wir resistent gegen Monotonie sind und im Notfall sofort reagieren.» Zudem müssten Lokführerinnen auch im Stress – zum Beispiel auf der S-Bahn im Abendverkehr – ruhig bleiben. «Und das kann eine Frau ebenso gut wie ein Mann.»

Stephanie Kriesel von der Ausbildungsfirma «Login» nennt weitere Eigenschaften: Fingerspitzengefühl, rasche Auffassungsgabe und Freude am Bedienen moderner technischer Instrumente. Weil Frauen all dies mitbringen, rechnet sie damit, dass diese – wie bei den Trams – bald auch «die Führerstände der Lokomotiven erobern». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.03.2010, 19:01 Uhr

0

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

Noch keine Kommentare

Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.