Für Conelli-Gründer Herbi Lips wurde ein Traum wahr

Der kranke Zirkusdirektor hat es geschafft. Im Rollstuhl zwar, aber strahlend vor Freude hat er gestern die Gäste zur Premiere begrüsst.

Denkwürdiger Auftakt zur diesjährigen Conelli-Premiere: Christine und Herbi Lips sowie Roby Gasser begrüssen die Gäste im Zelt auf dem Bauschänzli.

Denkwürdiger Auftakt zur diesjährigen Conelli-Premiere: Christine und Herbi Lips sowie Roby Gasser begrüssen die Gäste im Zelt auf dem Bauschänzli.
Bild: Doris Fanconi

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Im märchenhaften Sternenzelt auf dem Bauschänzli wirbelten Jongleure, Schlangenmenschen, Tänzerinnen und ein wilder Einradfahrer. Den grössten Applaus erhielt aber der am wenigsten mobile von allen 150 Conelli-Mitarbeitern: Herbi Lips, der an Krebs erkrankte Zirkusgründer. Er wurde von seiner Frau Christine und Kodirektor Roby Gasser im Rollstuhl in die Manege gestossen, er kam direkt aus dem Spital. Seine Begrüssungsworte gingen ebenso tief unter die Haut wie die wunderbaren drei Stunden Zirkus, die folgten.

Bevor Herbi Lips (73) auch nur ein Wort sagte, applaudierten die Gäste. Es war bis zur letzten Minute unsicher, ob Lips es schaffen würde. Er war 2005 an Prostatakrebs erkrankt, und nun kam auch noch eine schwere Operation wegen eines eingeklemmten Nervs zwischen den Schultern dazu. Der Applaus steigerte sich, das gesamte Premierenpublikum stand auf, das Klatschen wurde rhythmisch und dauerte minutenlang.

Doch Lips wurde kein bisschen rührselig. Mit klarer Stimme und seinem legendären Humor begrüsste er die Premierengäste, allen voran Stadtpräsidentin Corine Mauch und sechs weitere Mitglieder des Stadtrates. «Wir sind einmal mehr beschlussfähig», witzelte er. Und begrüsste dann Alt-Bundesrat Christoph Blocher mit einer klaren Sympathiebekundung: «Leider ist er nicht mehr Bundesrat.» Das dritte spezielle Willkommen galt seinem Arzt, dem Krebsspezialisten Urs Huber, der zu einem Freund geworden sei und ihm «schon mehr als einmal das Leben gerettet» habe.

Zwei Standing Ovations

Rund um die Manege sass eine ganze Menge Prominente – die üblichen, aber auch ein paar ganz spezielle. Zum Beispiel die in den 50er- und 60er-Jahren weltberühmte Sängerin und Schauspielerin Caterina Valente, deren Mutter einst Zirkusclown war. Oder der Sänger Roberto Blanco, den Roby Gasser augenzwinkernd als «meinen schwarzen Onkel» begrüsste.

Fast drei Stunden später folgte die zweite Standing Ovation. Das Programm enthielt alles, was die Herzen von Zirkusfans höher schlagen lässt. Dazu kam eine spezielle Mischung aus Traurigkeit und Freude. Vor zwei Jahren war Lips' Partner Conny Gasser zwischen zwei Vorstellungen gestorben, fünf Monate später Gassers Witwe Gerda. Heute packen die Kinder der Gründergeneration von 1982 an.

Das war auch das Motto des Programms, das noch bis zum 3. Januar gespielt wird: «Generations». Vor der Pause traten – in der Fussballersprache – die «U-50» auf. Nach der Pause die «Ü-50», die über 50-Jährigen. Roby Gassers Ehefrau Cindy, früher selber eine Weltklassetänzerin, hatte in Las Vegas fünf Tänzerinnen mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren ausgesucht – und gab selber ein Comeback. Zu einem Star des Abends wurde gar ein 77-Jähriger: der Japaner Koma Zuru, der auf magische Weise und mit ungeheurer Präzision seine «Surrlis» in Bewegung setzte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2009, 04:00 Uhr

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