Fussgänger und Velos unter den Boden
Von Hélène Arnet. Aktualisiert am 16.11.2011 45 Kommentare
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Der Schulhausplatz in Baden ist ein Albtraum für Verkehrsplaner. In eine Klus gezwängt, in einer boomenden Region gelegen, in den Sechzigerjahren gebaut. Seither hat sich der Verkehr mehr als vervierfacht. Heute ist der Schulhausplatz mit täglich über 46'000 Autos und 1500 Bussen eine der am stärksten belasteten Kreuzungen der Schweiz. Autos, Lastwagen, Busse, Velos und Fussgänger drängeln hier durch, wenn sie in die Altstadt oder über die Hochbrücke gelangen wollen. Im Volksmund heisst der Platz «Piazza Insalata».
Am 27. November befinden die Stimmberechtigten nun über ein Projekt, das den Schulhausplatz neu organisiert. Klar ist, mit einem einzigen Befreiungsschlag ist dieser Gordische Knoten nicht zu lösen. Da kein zusätzlicher Raum in der Horizontalen zur Verfügung steht, weicht man in die Vertikale aus: Die Strasse bleibt ebenerdig und ist dem motorisierten Verkehr vorbehalten. Sie bildet das Dach für eine Fussgängerebene mit Ladenlokalen.
Wer zu Fuss geht, kann die Kreuzung also unterirdisch diagonal unterqueren. Hier fahren auch die Velos durch. Zudem wird ein Tunnel für den Grossteil der stadtauswärts fahrenden Busse erstellt. Von dieser Entflechtung profitieren alle Verkehrsteilnehmenden, finden die Befürworter, die im Parlament die grosse Mehrheit stellten. Die linke Ratsseite verlangte vom Kanton eine Zusicherung, dass bei einem Zielkonflikt der öffentliche Verkehr bevorteilt werde. Diese liegt nun vor. Daher haben sich die SP (sehr knapp) und das Team Baden für ein Ja zur Vorlage ausgesprochen.
«Knorz, um Autos zu schonen»
Die Grünen sahen darin von Anfang an keine zweckdienliche Lösung. Zusammen mit dem VCS Aargau haben sie ein Nein-Komitee gegründet, dem auch verschiedene SP- und GLP-Vertreterinnen und Vertreter angehören. Sie sprechen von einer «verkehrspolitischen Sackgasse». «Freie Fahrt für Autos zieht erfahrungsgemäss Mehrverkehr an», sagt Bea Schilling, Stadtparlamentarierin und Präsidentin der Grünen Baden. Auch stossen sich die Gegner daran, dass die Fussgänger in den Untergrund müssen. Und der separate Bustunnel koste viel, bringe dem öffentlichen Verkehr aber wenig und überzeuge vor allem wegen der Rampen städtebaulich nicht. «Ein grosser Knorz, nur um die Autos zu schonen», findet Schilling. Das Fazit des Nein-Komitees lautet: «enorme Kosten, minimaler Nutzen.»
Die Gesamtkosten betragen 93,7 Millionen Franken. Der Kanton übernimmt die Hälfte, damit entfallen auf Baden knapp 50 Millionen. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms hat der Bund zudem provisorisch 13 Millionen Franken zugesagt. Sagt Baden Nein, kommt es zu einer rein baulichen Sanierung des Platzes. Sie würde rund 22 Millionen Franken kosten. Bei einem Ja des Stimmvolkes könnte im Frühling 2014 mit dem Bau begonnen werden. Drei Jahre später sollte der Platz fertig sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.11.2011, 08:02 Uhr
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45 Kommentare
Eine wahre Schauergeschichte. Sind die Stadt- und Verkehrsplaner der 60iger Jahre immer noch nicht im Ruhestand? Den Langsamverkehr unter die Erde verbannen ist etwa so sinnvoll wie die Grundversorgung mit Mäusemilch sicherstellen zu wollen. Bedenklich, dass Baden offenbar 50 Jahre zurück liegt. Wieso nicht einfach ein Kreisel? Oder verdient dann der Ampelhersteller zu wenig? Antworten

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