Die Schläger schweigen weiter – bald sagen ihre Lehrer aus

Von Simon Eppenberger, München. Aktualisiert am 10.03.2010

In München verweigern die drei Schüler von der Goldküste eine Aussage. Heute sagte ein Schweizer Polizist aus, am Donnerstag Lehrer und Schulkollegen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet vor Ort.

1/3 Tag 2 im Prozess gegen die Schläger
Gerichtssprecherin Margarete Nötzel informiert die Medien: «Die Jugendlichen sitzen ruhig, wie in einer Schulbank, vor dem Gericht.» (Video: Simon Eppenberger)

   
Leitet den Prozess gegen die Schläger von der Goldküste: Richter Reinhold Baier.

Leitet den Prozess gegen die Schläger von der Goldküste: Richter Reinhold Baier. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Die Verteidigung zögerte die Verhandlung am zweiten Prozesstag hinaus. Mit unzähligen Anträgen verhinderte sie, dass planmässig alle acht Polizisten aussagen konnten. Erst nach 18 Uhr beendete Richter Reinhold Baier schliesslich die Befragungen. Am Ende sagten sieben Beamte und drei Opfer aus. Einer der Polizisten war aus der Schweiz.

Er beschrieb das Verhältnisse der Schläger an der Goldküste soweit als unauffällig, dass nichts auf die brutalen Taten in München hingewiesen hätte, wie Gerichtssprecherin Nötzel gegenüber den Medien sagte.

Eltern stehen unter Druck

Die Angeklagten werden für die Verhandlung auf einem geheimen Weg in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Nachdem die drei 17-Jährigen gestern das «Hosenflattern» hatten, wie Nötzel sagte, wirkten sie heute «ruhig und sassen wie auf einer Schulbank vor Gericht», so die Sprecherin. Anders geht es den anwesenden Eltern. Sie sind unter erheblichem Druck, sagte Nötzel. Weitere Angaben zu den Angehörigen machte sie keine.

Morgen Mittwoch wird voraussichtlich der schwer verletzte Geschäftsmann als Zeuge vernommen. Er ist seit gestern im Gerichtssaal anwesend. Für den 11. März sind mehrere Schulkollegen und Lehrer der Schläger vorgeladen.

«Geheimnisverrat» bringt Mike B. zum Schweigen

Gestern war es am Landesgericht München zu einem Eklat gekommen. Nachdem der Anwalt des schwerverletzten Geschäftsmannes über die Verhandlung plauderte, verweigerte Mike B. entgegen der Ankündigung des Gerichts die Aussage. Dies teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Steinkraus-Koch, am Dienstagmorgen mit.

Die Aussagenverweigerung begründet Mike B. mit dem «Geheimnisverrat» des Anwalts Wolf Dietrich Kohler. Dieser erzählte gestern Nachmittag, wie sich Mike B. vor Gericht verhielt und dass er im Untersuchungsgefängnis Vogelhäuschen bauen musste. Derzeit läuft der Prozess gegen die drei angeklagten Jugendlichen Mike B., Benji D. und Ivan Z. weiter.

Die Verhandlungen finden weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Urteil wird am 7. April erwartet. Folgt das Gericht der Anklage wegen versuchtem Mord, drohen den Schülern hohe Haftstrafen. Der langjährige Gerichtsreporter Eberhard Unfried hält in einem solchen Fall eine Strafe von sieben bis acht Jahren für möglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2010, 09:00 Uhr

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