Gericht muss die Verwahrung der Parkhausmörderin überprüfen

Caroline H., zweifache Mörderin und laut Experten die gefährlichste Verbrecherin der Schweiz, erhält möglicherweise eine Therapie. Der Entscheid steht noch aus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Caroline H. war im Dezember 2001 vom Zürcher Obergericht wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs, 50 Brandstiftungen und weiterer Delikte zu lebenslänglichem Zuchthaus mit anschliessender Verwahrung verurteilt worden. Seit 1998 sitzt sie ununterbrochen in Haft.

Am Freitag musste sich die III. Strafkammer des Obergerichts mit der Frage befassen, ob die Verwahrung der mittlerweile 37-jährigen Frau in eine stationäre therapeutische Massnahme umgewandelt werden soll. Zu dieser Überprüfung ist das Gericht verpflichtet, weil auf den 1. Januar 2007 das revidierte Strafgesetzbuch (StGB) in Kraft getreten ist. Das StGB schreibt nämlich vor, dass geprüft werden muss, ob eine unter dem alten Recht verhängte Verwahrung auch unter dem neuen Recht weiterzuführen ist, oder ob die Voraussetzungen für eine therapeutische Massnahme erfüllt sind.

Bundesgericht intervenierte

Im Februar 2008 hatte das Obergericht eine Umwandlung erstmals abgelehnt. Mit den bisherigen therapeutischen Bemühungen seien zwar erhebliche Fortschritte gemacht worden. Es sei aber höchst fraglich, ob die nach wie vor hohe Rückfallgefahr durch eine Therapie wesentlich beeinflusst werden könne. Es bestehe nur eine vage Hoffnung, dass die weiteren Therapien in mehr oder weniger ferner Zukunft eine Integration in den Normalvollzug möglich machten.

Das Bundesgericht hob diesen Entscheid auf. Eine stationäre Massnahme müsse nicht innerhalb von fünf Jahren soweit erfolgreich sein, dass ein Täter bedingt aus der Haft entlassen werden könne. Es genüge, wenn die Aussicht bestehe, dass in dieser Zeit eine «deutliche Verringerung der Gefahr weiterer Taten» zu erreichen sei. Sei die Gefahr noch nicht genügend gebannt, könne die stationäre Therapie ja jeweils um weitere fünf Jahre verlängert werden. Nachdem das Obergericht auf Anweisung des Bundesgerichts ein neues psychiatrisches Gutachten erstellen liess, befasste sich die III. Strafkammer am Freitag erneut mit Caroline H.

Störung nicht heilbar

Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser forderte die Fortsetzung der Verwahrung. Nach wie vor bestehe eine sehr hohe Rückfallgefahr. Auch das neue Gutachten empfehle keine Umwandlung in eine stationäre Massnahme. Eine solche verspreche keinen Erfolg. Die ausserordentlich schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung der Frau sei «nicht heilbar». Die Art der Unterbringung der 37-Jährigen im Hochsicherheitstrakt der Strafanstalt Hindelbank sei zwar «klar unbefriedigend». Es gebe dazu aber keine Alternative. «Caroline H. ist und bleibt hochgradig gefährlich.»

Verteidiger Matthias Brunner beantragte die Umwandlung der Verwahrung in eine stationäre Massnahme. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Umwandlung in eine «psychiatrische Verwahrung». Selbst der Gutachter halte eine therapeutische Behandlung für «unbedingt indiziert». Damit liessen sich die «Bewährung in Haft und die Vollzugsfähigkeit verbessern».

«Nicht lebendig begraben»

Wenn der Gutachter davon ausgehe, dass die Frau eine solche therapeutische Behandlung auch im Rahmen einer normalen Verwahrung möglich sei, verkenne er die Realität im heutigen Verwahrungsvollzug. Seit der Änderung des Strafgesetzbuches sei - aus Spargründen - nur noch die psychiatrische Grundversorgung gewährleistet. Auch bei Caroline H. sei auf diesen Zeitpunkt hin die erfolgreich verlaufene Therapie abgebrochen worden. Gerade die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte belegten aber: «Es gibt genug Gründe, sie nicht lebendig zu begraben», sagte Brunner.

Das Obergericht wird seinen Entscheid im Laufe der nächsten vier Wochen fällen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.02.2010, 17:28 Uhr)

Sponsored Content

Design Sackmesser

Weil Sie sowieso nie wissen, was Sie schenken sollen.

Werbung

Blogs

Outdoor Kann denn Velofahren Sünde sein?

Nachspielzeit Konstruktiv zu vielen Chischten

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Wimmelbild: In Jakarta, Indonesien, protestieren Gewerkschaftsmitglieder gegen eine Steueramnestie für die Regierung. Ein Polizist bahnt sich ein Weg durch die demonstrierende Menschenmasse. (29. September 2016)
(Bild: Darren Whiteside) Mehr...