Geschichte und Geschichten: 60 Jahre Zürcher Flughafen

Ein neuer Bildband beleuchtet die 60-jährige Geschichte des Flughafens Zürich. Ko-Autor ist der Hausfotograf von Unique, der Winkler Werner Loosli.

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Der Titel klingt trocken. «Flughafen Zürich 1948-2008» heisst das Buch, das gestern zum 60-jährigen Bestehen des Flughafens Zürich von Unique-Geschäftsleiter Thomas E. Kern vorgestellt wurde. Geschrieben wurde es von Joachim Bauer, Werner Loosli und Jörn Wagenbach, die alle über Jahre mit dem Flughafen aufs Engste verbunden sind.

Bilder, Anekdoten und vollständige Chronologie

Die Publikation über das «Schweizer Tor zur Welt» sei viel mehr als ein reiner Jubiläumsband, sagt Thomas E. Kern. Denn in diesem Buch werde die Geschichte des Flughafens Zürich in Bildern, Anekdoten und mit einer vollständigen Chronologie erzählt. Gerade diese Chronologie habe es in sich, sagt Werner Loosli aus Winkel. Seit 25 Jahren arbeitet er für die Unternehmenskommunikation und gilt bei der Unique als Urgestein. «Keiner kennt den Flughafen besser als unser Hausfotograf», sagt Thomas E. Kern über ihn. Für Werner Loosli ist dieses Buch vor allem ein Nachschlagewerk. «Post-it-Zettel in dieses Buch zu kleben, ist ausdrücklich erwünscht», sagt er und schmunzelt. Aber nicht nur diejenigen, die sich eher für Daten und Fakten interessieren, kämen auf ihre Kosten, sondern auch diejenigen, die einfach nur schmökern wollen. So erfährt man zum Beispiel, dass am Tag der Eröffnung des Flughafens, am 14. Juni 1948, das damals grösste Flugzeug der Swissair - eine DC-4 mit 44 Plätzen - aus Kairo ankam. Und auf seiner Begrüssungsrunde über die damaligen Flugplätze Dübendorf und Kloten von einem Klotener Storch begleitet wurde.

Neue Identität durch Grounding

Anekdoten dieser Art, ebenso aber auch fehlende Daten zusammenzutragen, sei die Hauptarbeit während der gut zwölfmonatigen Entstehungszeit gewesen, sagt Jörn Wagenbach, der ehemalige Kommunikationschef der Unique. Dazu habe man Kompendien gewälzt, in den Archiven der ETH und der Medien gestöbert und Zeitzeugen befragt.

Ein solcher Zeitzeuge wurde Jörn Wagenbach selber, wenn auch unfreiwillig. Er trat nämlich just in dem Moment seinen Dienst bei der Unique an, als es zum Swissair-Grounding kam. «Wir haben damals wirklich befürchtet, dass auch der Flughafen Zürich zusammenbricht und nicht nur die Swissair», sagt er. Die Unique war existenziell abhängig von der Swissair - mit dementsprechend niedrigem Selbstbewusstsein. Angst sei deshalb durch die Reihen der Belegschaft gegangen. Ein wenig aus dieser herausgeholfen habe dann aber die Erfahrung in den Tagen nach dem Grounding. Unique-Mitarbeiter seien es gewesen, die sich damals um die gestrandeten Fluggäste gekümmert hätten, und nicht die Swissair, erinnert sich Jürg Wagenbach. Die Identitätskrise ist längst überwunden. Heute ist die Flughafen AG mit ihren 1400 Mitarbeitern eine wirtschaftliche Grösse im Kanton. Letztes Jahr erwirtschaftete sie einen Reingewinn von 130,7 Millionen Franken. Unique gilt als Vorzeigemodell für andere Flughäfen.

Berlin orientiert sich an Zürich

In Berlin zum Beispiel nimmt man sich Zürich zum Vorbild. «Wie wir den Flughafen steuern, so macht es auch Berlin-Tegel», sagt Joachim Bauer, der dritte Autor der Jubiläumsschrift. Der selbstständige PR-Berater arbeitet seit über 35 Jahren für die Unique und wundert sich nicht darüber. Schliesslich gelte Zürich als bester europäischer Flughafen und als drittbester Flughafen weltweit in seiner Kategorie. Als intimen Flughafenkenner habe ihm die Arbeit Spass gemacht: «Ich habe ständig etwas Neues dazugelernt.»

Kritik und Selbstkritik inklusive

Auf 200 Seiten beschreibt das 58 Franken teure Buch den Werdegang des Flughafens Zürich vom kleinen Flugplatz zur internationalen Verkehrsdrehscheibe der Schweiz. Es spart nicht mit positiven Beschreibungen - zum Beispiel der Convair-Coronado, des schnellsten Verkehrsflugzeugs der Welt in den 60er-Jahren. Angeblich ein Flugzeug mit «Sexappeal». Aber es gibt auch Kapitel, die umstrittene Themen wie Fluglärm behandeln. Auch kritische Stimmen kommen zu Wort. So sagte zum Beispiel Alt-Bundesrat Fritz Honegger anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums 1973: «Ich gehöre zu denjenigen, die es stets bedauert haben, dass der Staat nicht viel früher dafür gesorgt hat, dass in der nächsten Umgebung von Flughäfen keine Wohnbauten erstellt werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2008, 12:49 Uhr

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