Gesucht: Echte Herausforderer
Ein Kommentar von Felix Schindler. Aktualisiert am 27.11.2011 21 Kommentare
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Ein Politologe, der ein anderes Resultat vorausgesagt hätte, wäre jetzt wohl seinen Job los. Die beiden bisherigen Felix Gutzwiller (FDP) und Verena Diener (GLP) ziehen für eine zweite Legislatur in den Ständerat ein, ihr Herausforderer Christoph Blocher steckt eine Blamage ein.
Bemerkenswert ist diese Ständeratswahl trotzdem, denn sie offenbart die Macht des politischen Kartells in Zürich. Ohne jedes Hindernis ziehen die beiden Bisherigen in ihre zweite Legislatur, niemand stellte sich ihnen in den Weg. Selbst der SVP-Übervater Christoph Blocher war nie eine ernsthafte Gefahr. Im Gegenteil: Seine Kandidatur mobilisierte vor allem seine Gegner anstatt seine Sympathisanten.
Tröstlich ist, dass wenigstens im ersten Wahlgang ein junger Aufsteiger Staub aufgewirbelt hatte. Damals erreichte Balthasar Glättli fast so viele Stimmen wie Thomas Hardegger von der SP, der Kandidat der zweitstärksten Kraft. Doch in Tat und Wahrheit trat Glättli ohne Erfahrungen in der nationalen Politik an und blieb als Leichtgewicht chancenlos.
Gewählt hat der Kanton Zürich nun die sicheren Werte: Zusammen bringen Diener und Gutzwiller fast 70 Jahre Erfahrung in der Politik mit, beide bewährten sich als konsensorientierte Strategen auf dem nationalen Parkett. Doch Gutzwiller und Diener sind gleichzeitig zwei Politiker, die nun dem Ende ihrer politischen Karriere entgegen blicken. Nach dieser Legislatur ist Diener 67 Jahre alt, Gutzwiller 68 – und beide können sich dann getrost zur Ruhe setzen.
Spätestens wenn ihre Legislatur zu Ende geht, müssen die Parteien echte Herausforderer stellen, Kandidaten mit einer reellen Chance. Politiker, die in Bern die Zukunft des Landes wie auch ihre eigene gestalten wollen. Kandidaten, die anders als Gutzwiller und Diener nicht so oft gleicher Meinung sind. Taktiker, die anders als Blocher nicht bloss für die grösste Minderheit der Schweiz sprechen. Und Visionäre, denen man anders als Thomas Hardegger auch ansieht, dass sie die Schweiz vorwärts bringen wollen. Der grösste Kanton der Schweiz braucht jetzt neue Köpfe, die nicht bloss Erfahrung haben, sondern auch Zukunft.
Und Christoph Blocher? Ist der SVP-Übervater nun endgültig geschlagen? Über ihn braucht man heute keine weiteren Worte zu verlieren. Wäre Blocher nicht Blocher, dann würde sich niemand um diese Niederlage scheren.
Erstellt: 27.11.2011, 17:07 Uhr
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21 Kommentare
Es wird Zeit,dass Fr.Diener nun Farbe bekennt.Nur als Blocher-Verhinderin gewählt zu werden,genügt nicht. In den vergangenen Jahren ist nicht aufgefallen, welche Positionen sie vertritt und wofür sie eigentlich einsteht.Die ausweichenden Stellungnahmen in Wahlkampf sprechen für sich.In Zukunft erwartet der Stimmbürger von Fr. Diener und ihrer Partei klare Positionsbezüge und eine fassbare Politik. Antworten
Es war in erster Linie eine Abwahl Blochers! Das Zürcher Stimmvolk hat hier gewissermassen die Abwahl Blochers nun auch noch auf Ebene des Ständerates nachvollzogen. Wäre im Kt Zürich - rein spekulativ - statt Blocher EWS angetreten, sie hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Sitz geholt. In 4 Jahren muss es darum ein offenes Rennen mit Personen geben, die nicht (fast) schon AHV-Bezüger sind.. Antworten

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