Gezielte Suche nach Airbnb-Anbietern

Eine Zürcher Wohnungsverwaltung schrieb Mieter an, die ihre Wohnung auf Airbnb anboten, und drohte mit Kündigung. Laut Mieterverband ist dies korrekt. Er erklärt, was geht und was nicht.

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Die Kornhaus Verwaltungs AG in Zürich akzeptiert nicht, wenn Mieter ohne ihr Wissen Wohnungen auf der Internetplattform Airbnb ausschreiben. Kürzlich versandte sie deshalb Kündigungsandrohungen. Christian Müller, Verantwortlicher für Wohnungsvermietungen bei der Kornhaus Verwaltungs AG, erklärt gegenüber «Tages-Anzeiger», dass Airbnb-Einträge auf dem Internet überwacht würden.

Könne man einen Mieter identifizieren, erhalte dieser eine Kündigungsandrohung. Mieter, die man deswegen anschrieb, seien sich der Tatsache bewusst gewesen und hätten sich entschuldigt. «Nach geltendem Recht muss ein Mieter seine Untermieter bei der Verwaltung anmelden. Zudem darf mit der Wohnung kein Gewinn erwirtschaftet werden.»

Kündigungsandrohung zulässig

Dies bestätigt Felicitas Huggenberger, Geschäftsleiterin des Mieterverbandes. Der Haken: Bisher ist kein Gerichtsurteil betreffend Airbnb gefällt worden. «Rechtlich kann das Anbieten von Wohnungen über Airbnb am ehesten mit Untermieten verglichen werden.» Hier gebe es ein Bundesgerichtsurteil, welches klar besage, dass mit Untermieten kein Gewinn erwirtschaftet werden dürfe und eine Untermiete mit sämtlichen Konditionen vorgängig dem Vermieter gemeldet werden muss. «Ein Zuschlag auf die tatsächliche Miete für die Möblierung und zusätzliche Dienstleistungen ist aber zulässig.»

Darunter fielen laut Huggenberger beispielsweise Putzarbeiten, die für den Untermieter übernommen würden und das Waschen der Bettwäsche. «Wenn dies alles vom Mieter geleistet wird und die Wohnung auch durch den Mieter möbliert wurde, ist ein Zuschlag von höchstens 20 Prozent gerechtfertigt.» Für eine Wohnung mit einem Mietzins von 2100 Franken, wäre unter den angegebenen Voraussetzungen also ein Tagespreis von 84 Franken auch bei einer Ausschreibung auf Airbnb rechtlich unbedenklich.

Untermieter wechseln seltener

Allerdings gibt es ein Problem: Normalerweise sind Untermieter länger in einer Wohnung als nur ein paar Tage. Und sie wechseln nicht so oft. Laut Mieterverband-Geschäftsleiterin Huggenberger muss der Vermieter einen Untermieter stets akzeptieren, solange er die Konditionen kennt. «Sehr streng genommen gehört zu den Konditionen auch der Name des Untermieters.» Im Falle von Airbnb würde dies bedeuten, dass der Verwaltung alle zwei Wochen ein neuer Name gemeldet werden müsste. «Ich halte dies aber für übertrieben», erklärt Huggenberger.

Sie würde versuchen, der Verwaltung die Konditionen einer Airbnb-Vermietung zu melden und sich dabei auch in Bezug auf den verlangten Preis klar an die gesetzlichen Bestimmungen einer Untermiete zu halten. «Bei längeren Untermieten steht ja der Untermieter meist auch auf dem Briefkasten. Da ist es verständlich, wenn der Vermieter genauere Angaben zur Person will.» Bei Airbnb sei ebendies nicht der Fall. «Da geht es in meinen Augen zu weit, wenn der Vermieter bei jedem Besucher den Namen erfahren will.»

Kleinere Verwaltungen strenger?

Bei der Kornhausverwaltung sieht man dies allerdings strenger, wie Christian Müller erklärt: «Solange uns jede einzelne Untervermietung vorgängig gemeldet wird, die vereinbarten Konditionen vorgelegt werden, und die Untervermietung den gesetzlichen Anforderungen entspricht, sind wir damit einverstanden.»

Im Vergleich mit anderen Hausverwaltungen gehört die Kornhausverwaltung in Zürich zu den kleineren Anbietern. Grosse scheinen hier vorerst zurückhaltender zu agieren. Die Livit beispielsweise gab gegenüber «Tages-Anzeiger» an, dass Airbnb-Vermietungen nicht ein «zentrales Problem» darstellten, wollte sich aber nicht weiter zum Thema äussern. Offenbar müssen Mieter von kleineren Verwaltungen oder privaten Hausbesitzern eher damit rechnen, Probleme bei einer Airbnb-Ausschreibung zu bekommen. Beim Zürcher Hauseigentümerverband (HEV) war bis zur Veröffentlichung dieses Artikels niemand erreichbar, der die Gründe dafür nennen und die Empfehlungen an HEV-Mitglieder bezüglich Airbnb angeben kann.

Airbnb selbst hält sich mit Tipps zu gesetzlichen Bestimmungen zurück. Lena Sönnichsen, Sprecherin von Airbnb, erklärt: «Der Wohnungsmarkt ist in vielen Städten reguliert, entsprechend können die lokalen Gesetzgebungen und Regeln bisweilen verwirrend sein. Deswegen weisen wir unsere Community auf unserer Website darauf hin, sich mit den örtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und im Zweifel einen Profi zu Rate zu ziehen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.09.2013, 12:38 Uhr)

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