«Gott hat mich erwählt»
Von Michael Meier. Aktualisiert am 01.02.2010 7 Kommentare
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Ein Dutzend Bischöfe, ganz im Gold der Auferstehung gekleidet, und über hundert Priester in jungfräulichem Weiss zelebrierten mit Diözesanbischof Vitus Huonder die Weiheliturgie für den 54-jährigen Benediktinerabt, der nun wohl 21 Jahre lang an der Spitze der Zürcher Kirche stehen wird. Denn das ordentliche Pensionsalter erreicht er in seinem Amt erst mit 75 Jahren.
Überhaupt: Der Aufmarsch für Weihbischof Marian Eleganti am Sonntagnachmittag in der Kathedrale Chur war beachtlich. Malteserritter, Domherren, Schweizergardisten gaben sich die Ehre, dazu Ordensleute der Benediktiner, Franziskaner, Dominikaner. Aus Zürich waren Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP) angereist, der reformierte Kirchenratspräsident Ruedi Reich und der katholische Synodalratspräsident Benno Schnüriger. Ranghöchste Kirchenvertreter waren der päpstliche Gesandte in Bern, Francesco Canalini, und Norbert Brunner, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz.
In der Predigt erinnerte der Churer Oberhirte Vitus Huonder seinen künftigen Mann in Zürich an Pflichten und Privilegien des Bischofsamtes. Ein Bischof müsse den Herrn kennen, tief gläubig den Auferstandenen verkünden und die göttliche Liebe weitergeben. Diese brenne in einem Bischof in besonderem Masse. Ja, ein Bischof müsse sein Leben ohne Schonung für diese Liebe hingeben. Ein Bischof dürfe aber auch mit der liebevollen Zuneigung der Gottesmutter rechnen und schöpfe immerfort aus der Gnade, die ihm in der Fülle des Weihe-Sakramentes geschenkt werde.
«Herz spricht zum Herzen»
Während der gesungenen Allerheiligenlitanei lag «der Erwählte» ausgestreckt am Boden. Der «Erwählte»: So nennt die Liturgie Eleganti, und er selber meinte neulich, Gott habe ihn ins Bischofsamt erwählt. Bischof Huonder legte ihm, gefolgt von den anderen Bischöfen, die Hände auf, salbte ihm das Haupt mit Chrisam, steckte ihm den Ring an, überreichte ihm den Hirtenstab und setzte ihm Mitra mit den Worten auf: «Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck. Und wenn dann der Hirte aller Hirten erscheint, wirst du die nie verwelkende Krone der Herrlichkeit empfangen.»
Zum Zeichen der mitbrüderlichen Gemeinschaft umarmten die Bischöfe den neuen Mann in ihrer Mitte. Ein Benediktinermönch verlas zuvor die Ernennungsbulle von Papst Benedikt, dem «Diener der Diener Gottes», an seinen «geliebten Sohn» Marian Eleganti. Mit den erforderlichen Tugenden und apostolischem Eifer werde dieser «die geistliche Gesundheit der Familie des Herrn» in Zürich fördern.
An einer Pressekonferenz vor der Weihe hatte Eleganti klarzumachen versucht, dass er kein Fundamentalist sei, die Ökumene auf einen gutem Weg bringen und die demokratisch verfasste Zürcher Landeskirche nicht als abstraktes System, sondern über die Menschen wahrnehmen wolle. Nach der Weihe erklärte Eleganti sein bischöfliches Motto «Herz spricht zum Herzen» und beschwor die Liebe als «Klimaerwärmung des Heiligen Geistes». Liebe ist für ihn jene starke Kraft, «die im Anderen, auch im Gegner, so lange nach dem Freunde sucht, bis er es ist». In der Tat: Obwohl die Ernennung des erzkonservativen Eleganti in Zürich zu Misstönen geführt hatte, zeigten sich in Chur die Gegner nicht. Protestnoten blieben aus. Das stärkste Zeichen der Abgrenzung setzte ausgerechnet sein Vorgänger in Zürich, Weihbischof Paul Vollmar, indem er der Bischofsweihe fernblieb.
Laut dem Zürcher Pfarrer und Synodalrat Luzius Huber hat Bischof Huonder natürlich einen Mann seiner Couleur als Weihbischof gewählt. Dennoch gebe die kirchliche Exekutive Eleganti eine Chance, zumal nach einem ersten Gespräch feststehe, dass dieser zuhören könne. «Im Pfarreialltag ist für mich der Bischof sowieso nicht gross präsent», so Huber, «dort ist für mich vor allem mein Gewissen massgebend.»
Kritik des CVP-Präsidenten
Dass der grosse Aufschrei gegen die Ernennung Elegantis bisher ausgeblieben ist, interpretiert Markus Arnold, Zürcher CVP-Kantonalpräsident und Theologe, so: «Man kennt Eleganti nicht, und ich habe den Eindruck, es will ihn auch niemand kennen lernen.» Für Arnold gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder die Strategie der Rechtskatholiken gehe auf, und ihre Kirche mit immer weniger Gläubigen werde zur Sekte. Oder aber die Zürcher Katholiken wehrten sich, sobald der neue Weihbischof an der Basis vorbei regiere.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.02.2010, 09:05 Uhr
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7 Kommentare
Wenn man diesen Artikel liest, kann der Eindruck erweckt werden, dass die ganze Schweiz katholisch sei. Zum Glück ist dies nicht der Fall. Auch sollte die Frage von der Trennung von Kirche und Staat neu aufgelegt werden. Denn dieses Religionsedusel ist bestimmt für sehr viele Prothestanten ein Greuel. Antworten
Dem Autor dieses Artikels sei ein Lobeswort geschrieben. Man spürt sein Bemühen um distanzierte Wahrheit. Es kommt zum Vorschein, welche Macht Medien haben. Der "Bischof Haas"-Effekt konnte im reformierten und zu heiligem Protest neigendem Zürich abgewendet werden. Das finde ich als ein erstes Zeichen ein Wende zur frühen Wahrheit. Antworten


