Gripen-Nein ist kein Indiz für bröckelnden Wehrwillen

Das Statistische Amt hat die Abstimmungsresultate im Kanton Zürich analysiert.

Das Nein galt dem nicht pannenfreien konkreten Beschaffungsprojekt: So lautet die Abstimmungsanalyse im Kanton Zürich.

Das Nein galt dem nicht pannenfreien konkreten Beschaffungsprojekt: So lautet die Abstimmungsanalyse im Kanton Zürich. Bild: Keystone

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Das knappe Nein im Kanton Zürich zur Kampfjet-Beschaffung deutet nicht auf einen generell schwindenden Rückhalt der Armee in der Zürcher Bevölkerung hin. Zu diesem Schluss kommt Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons in seiner Analyse der Abstimmungsresultate vom Wochenende.

51,3 Prozent der Stimmberechtigten im Kanton hatten bei der Gripen-Vorlage ein Nein in die Urne gelegt. Dieses Nein sei weniger Ausdruck eines allgemeinen Akzeptanzschwunds der Landesverteidigung, sondern habe spezifisch dem «bekanntermassen nicht pannenfreien konkreten Beschaffungsprojekt» gegolten, heisst es in der Abstimmungsanalyse.

Deutlicher Stadt-Land-Graben

Weiter zeigte sich bei der Kampfjet-Abstimmung im Kanton Zürich ein deutlicher Stadt-Land-Graben. Während die allermeisten Landgemeinden Ja sagten, stimmten Zürich, Winterthur und Uster Nein. Eine wichtige Rolle spielten laut dem Statistiker ideologische Grund­haltungen: «Klar dominierend war dabei die kulturelle Spaltung zwischen den Nationalkonservativen, bei denen die Zustimmung zur Flugzeugbeschaffung überdurchschnittlich war, und den gesellschaftlich Progressiven, bei denen das Gegenteil zutraf.»

Bei der Mindestlohninitiative, die im Kanton Zürich bescheidene 25 Prozent Ja-Stimmen erreichte, kommt die Abstimmungsanalyse zum Fazit, dass der bürgerliche Schulterschluss von FDP und SVP gegen die Linke an der Basis funktioniert habe. Und: «Der klassenkämpferische Appell an die Solidarität der Wenigverdienenden, die ja häufig als Ausländer gar nicht stimmberechtigt sind, verhallte wohl ungehört.»

Rätsel um Kirchensteuerinitiative

Schwerer tut sich das Statistische Amt mit der Deutung des Abstimmungsresultats der Kirchensteuerinitiative. Dieses gebe aus analytischer Sicht «ein interessantes Rätsel» auf, heisst es im Bericht. Die Initiative der Jungliberalen hatte mit über 70 Prozent Nein-Stimmen Schiffbruch erlitten. Klar scheint immerhin, dass «die liberal-prinzipienorientierte Argumentation der Befürworter kaum Wirkung entfaltet hat». Dies auch in Gemeinden, die in der Regel marktorientiert entscheiden. Man könne deshalb davon ausgehen, dass über die Nützlichkeit der Leistungen der Landeskirchen im sozialen Bereich ein breit abgestützter Konsens besteht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2014, 09:36 Uhr

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