«Gummis sind der absolute Sextöter»

In der Schwulenszene verzichten vor allem Junge immer öfter auf das Kondom. Vielmehr verlässt man sich beim Sexpartner auf das eigene Gefühl oder auf den Coitus interruptus.

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G.R. ist 25 Jahre alt und in der Zürcher Schwulenszene fest verankert. An den Wochenenden geht er gern und oft aus. Er besucht Parties, verkehrt im Lotusclub, im T&M oder im neuen Stairs Club. Einem gelegentlichen One-Night-Stand gegenüber ist er nicht abgeneigt. In den meisten Fällen findet dieser ohne Gummi statt: «Als junger Schwuler packt man beim One-Night-Stand kein Kondom aus. Gummis sind der absolute Sextöter.»

Wie G.R. denken viele junge Schwule. Eine eben veröffentlichte Studie der Universität Lausanne deckt erschreckende Fakten auf. Knapp 25 Prozent aller Befragten verzichten beim Gelegenheitssex regelmässig auf ein Kondom. 1994 waren es nur knapp 9 Prozent gewesen (siehe Infobox).

Aids wird verharmlost

Dass vor allem junge Schwule präservativscheu sind, hat mit dem veränderten Bild der Krankheit Aids zu tun. Viele Junge haben selber niemanden wegen Aids verloren, sie kennen das Aids-Sterben nur vom Hörensagen. Ein Trend, der auch der Zürcher Aidshilfe Sorgen bereitet, wie Geschäftsleiter Reto Jeger erklärt: «Aids gilt bei vielen, auch Heterosexuellen, nicht mehr als tödliche, sondern als chronische Krankheit, die sich einfach mit Medikamenten behandeln lässt. Die Wirklichkeit ist leider weniger harmlos.» In der Schweiz leben heute 25'000 Menschen mit HIV und Aids. Bis zum Jahr 2007 starben über 5'700 Menschen an den Folgen der Krankheit.

Coitus interruptus statt Kondom

Ein weiterer Grund für den Kondomverzicht liegt gemäss Jeger in den «alternativen Strategien zur HIV-Bekämpfung». Nebst dem Coitus interruptus, der beim Analverkehr häufig praktiziert wird, verlassen sich viele junge Schwule zu schnell auf ihr Gefühl: «Wenn jemand gesund aussieht oder sagt, er sei nicht positiv, glaubt man ihm», so Jeger weiter. Nicht nur der Umgang mit dem Kondom, auch die Präventionsarbeit habe sich verändert: «Heute ist individuelle Aufklärung sehr wichtig, nicht jeder Schwule hat dieselben Bedürfnisse und Probleme. Wir reden nicht mehr mit dem Mahnfinger, sondern versuchen in der Beratung auf jede Situation einzugehen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2008, 14:52 Uhr

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