Häusliche Gewalt ist mehrheitlich ein Ausländerproblem

Erstmals sind im Kanton Zürich über 2800 Fälle von häuslicher Gewalt untersucht worden. Der Anteil ausländischer Täter ist überdurchschnittlich hoch.

Bei häuslicher Gewalt sind die Täter den Behörden oft bereits bekannt: Polizeieinsatz im Kreis 4.

Bei häuslicher Gewalt sind die Täter den Behörden oft bereits bekannt: Polizeieinsatz im Kreis 4. Bild: Keystone

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Anfang Juli hat im schwyzerischen Schübelbach ein eifersüchtiger Portugiese seine Ehefrau erschossen. Der Fall ist geradezu ein Schulbeispiel von häuslicher Gewalt und entspricht den Resultaten einer Zürcher Studie der kantonalen Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt. Diese hat über 2800 Fälle im Kanton Zürich untersucht – schweizweit die umfangreichste Arbeit zu diesem Thema.

Analysiert wurden die Vorfälle, bei denen im Zeitraum zwischen dem 1. April 2007 und dem 31. Dezember 2009 die Polizei gerufen wurde. Die wichtigsten Ergebnisse: Häusliche Gewalt ist mehrheitlich ein männliches Ausländerproblem. Die meisten Gefährder – so werden die Täter genannt – sind der Polizei bereits bekannt. Die Hälfte arbeitet in einem manuellen Beruf oder in einem Hilfsjob. Die Ergebnisse im Detail:

  • Knapp 93 Prozent der Täter sind Männer. Über die Hälfte ist verheiratet, knapp zwei Drittel sind Väter.

  • Der Anteil an Ausländern ist mit 57 Prozent überdurchschnittlich hoch (der männliche Ausländeranteil im Kanton Zürich beträgt 25 Prozent). Ausländer sind also fast viermal häufiger gewalttätig gegen die Partnerin als Schweizer.

  • Vier von zehn Gefährdern bezeichnen sich als konfessionslos, ein Drittel als christlich, und jeder fünfte Gefährder ist Muslim. Damit sind Muslime und Konfessionslose stark übervertreten. Ihr Anteil an der Wohnbevölkerung im Kanton Zürich beträgt rund 6 Prozent respektive 22 Prozent.

  • In drei von vier Fällen üben Männer physische Gewalt aus. Andere Formen von häuslicher Gewalt sind Stalking (20 Prozent) oder Drohungen.

  • In jedem vierten Fall von häuslicher Gewalt hat Alkohol eine Rolle gespielt.

  • Über 70 Prozent der Gefährder sind im Strafregister verzeichnet; sei es wegen einer Verurteilung oder eines laufenden Strafverfahrens. Jeder fünfte Täter hat schon ein schweres Gewalt- oder Sexualdelikt verübt.

Hausverbot für 14 Tage

Im Kampf gegen häusliche Gewalt ist der Kanton Zürich führend. Mit dem kantonalen Gewaltschutzgesetz, das seit 2007 in Kraft ist, kann die Polizei folgende drei Schutzmassnahmen gegen gewalttätige Männer (und Frauen) in einer akuten Krise für 14 Tage anordnen: Sie kann die Gewalttäter aus dem Haus oder der Wohnung wegweisen (60 Prozent aller Fälle). Sie kann Gefährdern ein Betretverbot für bestimmte Strassen und Quartiere auferlegen (in 85 Prozent aller Fälle). Und sie kann ein Kontaktverbot aussprechen, das auch für Telefon, SMS, E-Mail oder Briefe gilt (in fast 98 Prozent aller Fälle).

Neben diesen drei Schutzmassnahmen hat die Polizei auch die Möglichkeit, einen Täter bis zu 24 Stunden in Gewahrsam zu nehmen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.08.2012, 10:26 Uhr)

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