Hamsterkäufe bei Bahntickets –
hier lohnt es sich wirklich

Weil SBB und Verkehrsverbund am 9. Dezember aufschlagen, kann sich ein rechtzeitiger Kauf von Tickets lohnen, vor allem beim Halbtax. Aber aufgepasst: SBB-Tageskarten sind nur noch ein Jahr lang gültig.

Hamsterkäufe lohnen sich: Wer jetzt ein Abo kauft oder erneuert, kann – je nachdem – Geld sparen. Foto: Keystone

Hamsterkäufe lohnen sich: Wer jetzt ein Abo kauft oder erneuert, kann – je nachdem – Geld sparen. Foto: Keystone Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Die SBB erhöhen am 9. Dezember ihre Tarife um durchschnittlich 5,2 Prozent. Grund ist die vom Bundesrat beschlossene Erhöhung der Trassenpreise um 200 Millionen Franken. Beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) schlägt die Erhöhung nur mit 3,3 Prozent durch. Im Lokalnetz und für Kurzstrecken gibt es keine Preiserhöhungen. Und bei den Einzeltickets und Tageskarten für ein bis zwei Zonen fällt der Anstieg mit 2,4 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Happiger sind die Preiserhöhungen dort, wo vor allem das Bahnnetz betroffen ist. Inhaber von Generalabos und 1.-Klasse-Passagiere werden dabei überdurchschnittlich zur Kasse gebeten. Wer Tickets vor dem 9. Dezember kaufen und hamstern will, kann Geld sparen. Aber aufgepasst: Die Tarifordnungen von SBB und ZVV sind mit Fallstricken versehen. Ein paar Tipps:

  • Erster Tag: Entscheidend für den Preis neuer Tickets oder Abos ist nicht das Bestell- oder das Kaufdatum, sondern der erste Gültigkeitstag. Beispiel: Man kann am 8. Dezember keine Abos und Tickets zum günstigeren Tarif kaufen, die erst später gültig sind. Das gilt auch für Billettkäufe über das Handy. Auch dort zählt das Datum der Fahrt.
  • Halbtax-Abos werden klar teurer. Wer ein Halbtax hat, das bald abläuft, verlängert es mit Vorteil vor dem 9. Dezember. Stichtag, um ein paar Franken zu sparen, ist beim 2-Jahres-Halbtax der 30. Januar und beim 3-Jahres-Halbtax der 9. April. Beim 1-Jahres-Halbtax lohnt es sich praktisch nicht. Beispiel: Wer ein Halbtax hat, das um den 9. Februar herum abläuft, kauft bereits vor dem 9. Dezember ein neues 3-Jahres-Halbtax, spart 50 Franken und verliert 25 Franken, weil er zwei Monate lang zwei Halbtax-Abos hat. Unter dem Strich bleiben 25 Franken.
  • General-Abos: Diese schlagen happig auf. Das 2.-Klass-GA zum Beispiel von 3350 auf 3550 Franken (plus 6 Prozent). Beim GA gibts einen Zusatztrick. Man kann sie maximal 30 und minimal 7 Tage am Schalter hinterlegen gegen eine Gebühr von 10 Franken. Wer ein 2.-Klass-GA hat, das vor dem 8. Januar ausläuft, kauft frühzeitig ein neues, hinterlegt es maximal einen Monat und spart 190 Franken. Bis am 26. Januar lohnt sich theoretisch sogar der Besitz von zwei GA. Das 1.-Klass-GA schlägt sogar um 450 auf neu 5800 Franken auf (plus 8,4 Prozent). Hier lohnt sich ein frühzeitiger Kauf bis zum Ablaufdatum am 4. Februar. Die Rechnung: Das GA einen Monat lang hinterlegen und sich danach maximal 28 Tage lang zwei GA leisten. Weiterer Vorteil des Tricks: Beim Neukauf eines GA um den 8. Dezember herum bleibt man im Rhythmus für künftige Preiserhöhungen – und die kommen bestimmt. Das Hinterlegen für einen ganzen Monat hat aber auch einen Nachteil: Wer in die Ferien reist, kann sein GA kein zweites Mal hinterlegen.
  • ZVV-Jahresabos und Z-Pässe: Aufgepasst, diese Abos können nicht hinterlegt werden, weil sie bereits einen guten Rabatt enthalten (9 Monate zahlen, 12 Monate fahren). Das persönliche 2.-Klass-Jahresabo für alle Zonen zum Beispiel schlägt von 2043 auf 2124 Franken auf (plus 4 Prozent). Ein Frühkauf lohnt sich in diesem Fall nur, wenn das alte Abo nicht länger als 13 Tage über den 9. Dezember hinaus gültig ist.
  • ZVV-Mehrfahrten- und Tageswahlkarten: Diese sind zwar unbeschränkt gültig und eignen sich zum Hamstern. Allerdings sind die Preisaufschläge mit rund 4 Prozent moderat. Hamstern lohnt sich nur für Rappenspalter.
  • SBB-Tages- und Mehrfahrtenkarten, auch für BLS, RhB oder Postauto sowie die neuen Z-Pass-Mehrfahrtenkarten: Aufgepasst, Fahrausweise mit einem einzigen Entwertungsfeld (Tageskarten, Tagesklassenwechsel) sind nur noch ein Jahr gültig. Fahrausweise mit mehr als zwei Entwertungsfeldern bleiben drei Jahre gültig. Die Preiserhöhungen für Tageskarten sind mit 4,4 Prozent in der 2. und mit 8 Prozent in der 1. Klasse deutlich spürbar. Mehrfahrtenkarten – etwa die klassische 6-Fahrten-Karte – schlagen weniger markant auf, in der 1. Klasse aber rund doppelt so stark wie in der 2. Klasse.
  • Rückgabe: Wer in nächster Zeit zügelt oder mit einem Jobwechsel liebäugelt, verzichtet mit Vorteil aufs Hamstern. Mehrfahrtenkarten können zwar umgetauscht oder zurückgegeben werden, aber bloss gegen einen Selbstbehalt von 20 Franken. Ausnahme: Wenn die neue Mehrfahrtenkarte teurer ist, gibt es eine Rückerstattung.

Kunden kaufen neue Abos

An den Ticketschaltern beobachten die SBB eine Zunahme vor allem beim Verkauf von Mehrfahrtenkarten. SBB-Sprecherin Lea Meyer berichtet von einem weiteren Phänomen: «Es gibt etliche Kunden, die noch kein Abo haben und nun die Preiserhöhung als Anlass nehmen, sich frühzeitig ein Jahresabo oder ein Halbtax zu kaufen.»

Und wie reagieren die Verkehrsunternehmen auf die Hamsterkäufe? ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger sagt: «Auch Hamsterkäufe sind Einnahmen für uns und daher grundsätzlich nichts Schlechtes, vor allem wenn die Tarifanpassung nicht allzu gross ist.» Was die Verkehrsunternehmen nicht sagen, aber einberechnen: Es gibt etliche Kunden, die Mehrfahrtenkarten verlieren oder ablaufen lassen – und das kompensiert die umgangenen Preiserhöhungen wohl bei weitem.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.12.2012, 18:24 Uhr)

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Schwache Blase, starker Euro

Einmaliger Wechselkurs im WC
Sie pendeln regelmässig ab dem Bahnhof Stadelhofen? Und Sie haben ausserdem eine schwache Blase? Dann dürfte Sie Folgendes interessieren: Mit Euros fahren Sie dort besser. Die Benützung der Pissoirs im Untergeschoss ist ja gebührenpflichtig. Der Eintritt kostet 1.50 Franken oder 1 Euro – ein ziemlich guter Kurs. Wechselten Sie den Euro bei einer Bank, erhielten Sie dafür nur 1.20 Franken. Das rechnet sich auf Dauer: Nach 100 Notdurften haben Sie bereits 30 Franken gespart. Ein TA-Leser schreibt dazu: «Es ist der einzige Ort in der Schweiz, wo man mit Euros in der Tasche nicht abgezockt, sondern bevorzugt behandelt wird.»

Wie viel Geld den SBB durch Euro-Schlaumeier am Stadelhofen verloren geht, konnte die Pressestelle gestern nicht sagen. Eine ständige Anpassung an den aktuellen Wechselkurs wäre aber nicht sinnvoll, sagt Sprecher Reto Schärli. Die Gründe dafür seien praktischer Natur: «Die Mehrkosten würden sich nicht lohnen.» So grosszügig wie beim öffentlichen WC sind die SBB nicht überall. Wer auf ein Schnäppchen aus ist, wenn er sein Halbtax in Euro bezahlt, hofft vergebens. «Das ist etwas anderes», so Schärli. Am Schalter habe man Online-Systeme, in denen der Kurs ständig angepasst werde.

Gebührenpflichtig ist das Pissoir im Stadelhofen seit 2012. Vorher war die Benutzung 20 Jahre lang gratis. Die SBB begründeten den Schritt mit dem Umbau und dem ausgebauten Service. Das WC ist übrigens nicht der einzige Ort, an dem sich der Einsatz von Euros lohnt. Einige Zürcher Parkuhren rechnen auch mit dem historischen Wechselkurs 1 Euro = 1.50 Franken. (pa)

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