Harmos: Auch Zürich wird zugepflastert

Obwohl sich im Kanton Zürich kaum etwas ändert, fährt die SVP schweres Geschütz gegen Harmos auf. Die Kampagne für ihre Gold-Initiative dagegen schiebt sie ans Gewerbe ab.

Wie hier im Kanton Luzern werden die Anti-Harmos-Plakate auch bald im Kanton Zürich zu sehen sein.

Wie hier im Kanton Luzern werden die Anti-Harmos-Plakate auch bald im Kanton Zürich zu sehen sein.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf dem Tisch stapeln sich die Plakate. Daneben Kisten voll Taschentücher, die auch mit einem weinenden Mädchen für ein Nein zu Harmos werben. An der Versammlung der kantonalen SVP genügt ein Blick auf das aktuelle Werbematerial, um zu wissen, welche der zehn Abstimmungen vom 30. November für die Partei die wichtigste ist.

Die SVP gibt dafür auch deutlich mehr Geld aus als für die Kampagne, mit der sie ihre eigene Gold-Initiative bewirbt. Das bestätigt Nationalrat Alfred Heer. «Weil uns die SVP Schweiz dabei unterstützt, können wir den Abstimmungskampf gegen Harmos grösser fahren.» Wie viel Mittel aus Bern in die Kampagne fliessen, bleibt geheim. Die Mutterpartei hat aber laut Heer ein starkes Interesse daran, dass nach Luzern auch Zürich die Schulreform ablehne – «wegen der Signalwirkung».

Mehr Plakate gedruckt als in Luzern

1550 Plakate gegen Harmos hat die SVP für den Kanton Zürich gedruckt. Das sind mehr, als sie zuvor in der Innerschweiz aufgehängt hat. Den Luzerner Slogan «Schulzwang für Vierjährige?» musste sie jedoch austauschen. Denn Zürich hat mit seinem neuen Volksschulgesetz die wichtigsten Punkte der Schulharmonisierung bereits umgesetzt. Die Kinder gehen jetzt schon zwei Jahre in den Chindsgi. Harmos verschiebt einzig den Stichtag für den Eintritt um drei Monate. Die SVP nimmt darum nun das Konkordat wegen des mangelnden Mitspracherechts ins Visier, wie Parteisekretärin Daniela Vas sagt. «Wir finden, dass die Eltern in schulischen Fragen das letzte Wort haben sollen, damit die Schule nicht zum Spielball von Bürokraten und Theoretikern wird.»

Im Hickhack um Harmos stehen der SVP die Lehrerverbände sowie ein linkes und bürgerliches Komitee gegenüber. Letzterem gehören auch Wirtschafts- und Gewerbekreise an, die klar hinter der Schulreform stehen. «Dem Nein-Lager stehen sicher mehr finanzielle Mittel zur Verfügung», sagt Martin Arnold vom kantonalen Gewerbeverband (KGV). Vor allem seit der potente Dachverband Economiesuisse beschlossen hat, sich nicht in die kantonalen Urnengänge einzumischen.

Kämpfen SVP und Gewerbe bei Harmos gegeneinander, sind sie bei der Gold-Initiative Partner. Und bald schon mehr als das: Nach dem Willen der SVP soll der KGV sogar die Kampagnenführung übernehmen. Das bestätigen sowohl Parteiexponenten wie auch der Gewerbeverband. Die Grünliberalen, die auch dafür sind, dass der Kanton inskünftig mit ausserordentlichen Erträgen seine Schulden tilgt, fänden das zumindest unüblich: «Die SVP hat für die Initiative 8000 Unterschriften gesammelt. Darum sollte sie im Abstimmungskampf auch den Lead übernehmen», sagt GLP-Fraktionschef Thomas Maier. Leider zeichne sich aber ab, dass Harmos das grosse Thema sein werde.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2008, 16:55 Uhr

TA Marktplatz

Abo

Weekend-Abo

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...