Zürich

Herr über 350 Millionen Franken

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 01.09.2011 1 Kommentar

Jean-Marc Piveteau ist der neue Rektor der Fachhochschule ZHAW. Im Interview sagt er, wofür das Budget eingesetzt wird und wie die Qualität des Abschlusses trotz grossem Wachstum sichergestellt wird.

Bild: zvg

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Über die UBS zur ZHAW

Jean-Marc Piveteau, Jahrgang 1961, war bis zu seiner Wahl zum ZHAW-Rektor durch den Fachhochschulrat Prorektor und Mitglied der Schulleitung der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR).

Der gebürtige Fribourger ist promovierter Mathematiker. Seine beruflichen Stationen führten ihn von der ETHZ, wo er als Lehrbeauftragter für Mathematik und Physik wirkte, zur Ascom Tech AG sowie zur UBS, wo er zuletzt als Vizedirektor die Sektion «E-Commerce and Solutions» leitete.

2001 trat er als Professor für Internet-Technologien in die Abteilung für Informatik der HSR ein und übernahm 2002 die Leitung des Instituts für Internettechnologien und -anwendungen.

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Herr Piveteau, auf Ihrem neuen Posten als Rektor der ZHAW verantworten Sie ein Budget von 350 Millionen Franken und führen 2000 Mitarbeiter. Welches sind dabei die grössten Herausforderungen?
Die ZHAW hat eine wichtige Rolle in der Lehre und in der anwendungsorientierten Forschung. Dort muss ein exzellentes Niveau erreicht werden.

Mit 25 Bachelor- und 12 Master-Studiengängen muss die ZHAW für sehr viele Studierende attraktiv sein. Birgt das nicht die Gefahr, dass die Qualität der Abschlüsse darunter leidet?
Das darf nicht sein, der Bereich der Ausbildung muss nach wie vor top sein. Jeder, der die Berufsmatura hat, darf an der Fachhochschule studieren. Das ist unser Auftrag. Neue Unterrichtsmethoden, die Art und Weise, wie wir die Studenten betreuen, und die Selektion im Rahmen des Studienganges stellen sicher, dass die geeigneten Studentinnen und Studenten den Abschluss erlangen.

In zehn Jahren ist die ZHAW von 3000 auf 10'000 Studierende gewachsen. Ist das grosse Wachstum gesund?
Es gab vier zuvor selbstständige Hochschulen, nun sind sie fusioniert. Daraus ist ein Teil des Wachstums entstanden. Mein Vorgänger Werner Inderbitzin hat die Fusion mit grossem Erfolg abgeschlossen. Von daher sind wir gesund aufgestellt.

Wann ist die kritische Grösse erreicht?
Wir haben kein Ziel, das sich an einer Grösse ausrichtet. Unser Ziel ist, die Qualität der Ausbildung sicherzustellen. Wir wollen die Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen und gute Ausbildungswege anbieten. Wir müssen immer eine Balance finden zwischen Qualität und Quantität. Dabei müssen wir uns auch an demografischen Entwicklungen orientieren.

Ist ein Numerus clausus denkbar?
Das ist ein Instrument, das man sich gut überlegen muss, ob und wann man das einführen will. Auf politischer Ebene ist in dieser Hinsicht aber konkret nichts Neues geplant.

Denken Sie an einen Ausbau oder gar an neue Standorte?
Der politische Entscheid ist klar: Wir sind an den drei Standorten in Zürich, Winterthur und Wädenswil. Die HSZ-T an der Lagerstrasse wird per 1. Januar 2012 in die ZHAW integriert, ansonsten ist derzeit keine Änderung geplant.

Fehlt eine Studienrichtung?
Im Moment nicht. Ich glaube, wir decken als Mehrsparten-Hochschule ein breites Spektrum ab. Wir überprüfen aber laufend das Angebot und reagieren entsprechend, falls sich die Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft ändern.

Wer soll Ihrer Meinung nach an der ZHAW studieren?
Sie oder er sollte gewillt sein, mehrere Jahre in ein Studium zu investieren. Es ist eine harte Zeit, in der man sich weiterentwickelt und Neues entdeckt. Man erschliesst sich neue Gebiete und Freundschaftskreise. Es braucht den Willen, eine praxisorientierte Ausbildung absolvieren zu wollen.

Ist die ZHAW keine Verlockung für Junge, statt an die Uni zu gehen, lieber den einfacheren Weg zu wählen und über die Fachhochschule zu einer höheren Ausbildung zu kommen?
Sicher nicht. Mit der Ausrichtung auf die Praxis sind wir komplementär zur Uni und nicht eine Konkurrenz. Im Gegenteil, wir würden uns freuen, wenn wir in der Forschung enger mit der Uni zusammenarbeiten könnten. Das duale Bildungssystem ist eine der Stärken der Berufsbildung in der Schweiz. Es ist wichtig, dass beide Wege offen sind. Und mit der Berufsmatura kann man nicht an die Uni. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.09.2011, 14:04 Uhr

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1 Kommentar

Dominic Bühler

01.09.2011, 15:40 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Die letzte Frage mit dem Uni-Vergleich empfinde ich als etwas gar provokativ. Ein Fachhochschul-Studium im Vergleich zur Uni als "einfacheren Weg" zu bezeichnen, entspricht schlichtwegs nicht der Wahrheit. Schade, fristeten Fachhochschulen trotz Bologna-Reform in vielen Köpfen immer noch ein solches Schattendasein. Antworten



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