Zürich

Fünf «Blick»-Journalisten an Leib und Leben bedroht – Kritik an Kampagne

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 11.11.2011 154 Kommentare

In der Nacht auf Freitag sind fünf Journalisten des «Blicks» massiv bedroht worden. Unbekannte hatten tote Fische in ihren Briefkästen deponiert und auf dem Schulweg ihrer Kinder Hetzflyer verteilt.

Urheberschaft noch unklar: Hetz-Plakat am Stauffacher.

Urheberschaft noch unklar: Hetz-Plakat am Stauffacher.

Scharfe Kritik am «Blick»

Nachdem sich ein FCZ-Anhänger in Rom mit einem Sprengkörper selber die Hand zerfetzte und dabei drei Finger verlor, berichtete der Blick unter dem Begriff «Petarden-Trottel» tagelang über den verletzten Täter. Diese Kampagne wurde auch ausserhalb von FCZ-Fankreisen massiv kritisiert.

Peer Teuwsen, Leiter des Schweizer Büros der Zeit, bezeichnete die Berichterstattung als «Pranger» und das Vorgehen des Blicks als «Skandal», wie er in einem Interview mit nationofswine.ch sagte.

Teuwsen wirft neben dem Blick auch anderen Medien vor, die Objektivität verloren zu haben. Gewisse Journalisten würden jegliches Mass verlieren.

Die Blick-Kampagne kritisiert hat auch der Blogger Philippe Wampfler. Er liess es jedoch nicht bei Artikeln zum Thema, sondern hat beim Presserat eine Beschwerde eingereicht. In der Begründung dazu führt er unter anderem an, der Respekt gegenüber der Privatsphäre und dem Leid des Betroffenen sei verletzt worden. (ep)

Als Kinderschänder verunglimpft: «Blick»-Reporter auf Kleber in St. Gallen. (Bild: Facebook)

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In der Nacht auf Freitag haben Unbekannte eine Hetzkampagne gegen Blick-Journalisten veranstaltet, wie sie das Medienhaus Ringier «in der Härte und Breite noch nie erlebt hat», wie Sprecher Edi Estermann auf Anfrage sagt. Betroffen sind fünf Journalisten. «Sie fanden heute Morgen einen toten Fisch in ihrem Briefkasten», sagt Estermann.

Während der Nacht seien sie «via SMS und Telefonanrufen mit massiven Drohungen gegen Leib und Leben terrorisiert worden», sagt Estermann. Darüber hinaus wurden in der Stadt Zürich und an den Wohnorten Hetzflyer gestreut. «Sogar auf dem Schulweg und auf den Schulhöfen der Kinder sind die Flyer verteilt worden», sagt Estermann.

Private Telefonnummern veröffentlicht

Drei der Betroffenen sind auf einem Plakat zu sehen, das beim Stauffacher aufgehängt wurde. Beim flüchtigen Hinsehen werden sie darauf als «Mörder» bezeichnet. Erst beim näheren Betrachten liest man «(Ruf)Mörder». Auf dem Plakat sind zwei Sportjournalisten und ein Gerichtsreporter zu sehen. Darunter befinden sich private Telefonnummern der Betroffenen.

Eine solche Aktion gegen Ringier-Mitarbeiter habe es laut Estermann noch nie gegeben. Die Urheber der Hetze sind derzeit nicht bekannt. Bei Ringier geht man davon aus, dass die Hetzkampagne in Zusammenhang mit der Berichterstattung über den schwer verletzten Petarden-Werfer von Rom steht. Diesen hatte der Blick als «Petarden-Trottel» bezeichnet und während Tagen über ihn berichtet.

FCB-Fans sorgen sich um Image

«Wir werden Strafanzeige einreichen und hoffen, dass man den Tätern auf die Spur kommt», sagt Estermann. Laut dem Ringier-Sprecher habe es sich um eine «harte, aber faire Berichterstattung» gehandelt. Aus der «Blick»-Redaktion hiess es jedoch bereits Anfang Woche, man habe Drohungen erhalten. Das wollte Estermann nicht bestätigen.

Es habe zwar negative Reaktionen gegeben, doch daran sei man gewöhnt. Kritik an der Blick-Berichterstattung gibt es jedoch nicht nur aus FCZ-Fankreisen (s. Box links). Die Situation beschäftigt nicht nur Zürcher Fussball-Fans, sondern auch jene aus Basel. Im FCB-Forum wird nicht nur darüber gestritten, ob der Blick korrekt berichtete oder nicht. Einige Teilnehmer sorgen sich allgemein um das Image der Fussballfans in den Medien. «Man sollte Paroli bieten. In den Farben getrennt, in der Sache vereint», fordert ein Forumschreiber deshalb. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2011, 10:31 Uhr

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154 Kommentare

Peter Steiner

11.11.2011, 10:43 Uhr
Melden 212 Empfehlung

Obwohl ich Selbstjustiz nicht gutheissen kann, empfinde ich es als völlig gerechtfertigt, dass dieses Gesocks vom Blick die eigene Medizin zu schmecken bekommt.
Jemanden systematisch kaputtzuschreiben hat nichts mit Journalismus zu tun und ich möchte diese Personen auch nicht als Journalisten bezeichnen.
Ein Journalist hält nach meinem dafürhalten gewisse ethische Regeln ein.
Antworten


Hans Trütsch

11.11.2011, 10:58 Uhr
Melden 202 Empfehlung

Ähnlich stillose Überschriften findet man jeden Tag im Blick.Diese Journalisten haben vergangene Woche den "Petarden-Trottel" durchs Dorf gejagt (wiederholter Besuch zu Hause,Kontaktaufnahme mit Arbeitgeber,Belästigung seines Umfeldes, veröffentlichung seines Bilds),jetzt können sie sich kaum über diese Aktion beschweren,sie machen dies jeden Tag selber,für Geld."Wer Wind säht,wird Sturm ernten" Antworten



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