Zürich

Hier wartet der Tankwart vergebens auf Kundschaft

Von Martin Huber. Aktualisiert am 18.08.2011 39 Kommentare

Weil die Autos an der Westtangente wegbleiben, schliesst die BP-Filiale an der Zweierstrasse. Sie war eine der letzten bedienten Tankstellen der Stadt.

Zapfsäulen in der Tempo-30-Zone: Wo sich früher die Fahrzeuge stauten, kommen heute keine Kunden mehr. Foto: Reto Oeschger

Zapfsäulen in der Tempo-30-Zone: Wo sich früher die Fahrzeuge stauten, kommen heute keine Kunden mehr. Foto: Reto Oeschger
Bild: Reto Oeschger

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Ruhigere Strassen, neue Plätze und Flanierzonen – sie sollen künftig das Gebiet der ehemaligen Westtangente in den Kreisen 3 und 4 prägen, wie die Stadt am Dienstag bekannt gab (TA von gestern). Doch die Umwandlung zur verkehrsberuhigten Zone hat eine Kehrseite: «Neuer Mieter gesucht auf 1. Oktober», heisst es auf einem Zettel, der am Eingang zur BP-Tankstelle an der Zweierstrasse 118 hängt. «Ja, wir schliessen», bestätigt Jozef Bredjan, der die Tankstelle samt Shop wenige Meter neben der Weststrasse seit zehn Jahren führt. Wegen des markanten Rückgangs des Verkehrs und der flankierenden Massnahmen sei die Zahl der Kunden drastisch gesunken.

«70 Prozent weniger Umsatz» Bredjan spricht von 70 Prozent weniger Umsatz als noch vor zwei Jahren, als pro Stunde 1000 Autos und 100 Lastwagen durch die Weststrasse fuhren. «Damals tankten hier 15 bis 20 Kunden pro Stunde, heute kommt stundenlang niemand mehr.» Negative Folgen hätten auch die monatelangen Umbauarbeiten an der Zweierstrasse gehabt. Dadurch seien viele frühere Kunden auf andere Routen ausgewichen.

Auch BP Schweiz begründet die Schliessung der Filiale mit den verkehrsberuhigenden Massnahmen in Wiedikon und dem daraus folgenden Kundenrückgang. «Deshalb haben wir gemeinsam mit unserem Partner beschlossen, die Tankstelle per 1. Oktober 2011 zu schliessen», sagt Sprecherin Isabelle Thommen. «Unsere Kunden haben die kleine Tankstelle – übrigens eine der letzten in Zürich, die noch bedient sind – sehr geschätzt.» Die BP-Filiale an der Seebahnstrasse in Wiedikon mit dem grossen Shop bleibt dagegen bestehen.Laut Jozef Bredjan war die persönliche Bedienung samt Scheibenreinigung, Ölstand- und Reifendruckkontrolle gerade bei vielen älteren Automobilisten beliebt. Stammkunden seien aus Adliswil und Horgen angefahren, um bei ihm zu tanken. Früher hätten auch viele deutsche und holländische Touristen auf der Durchfahrt einen Halt an der Zweierstrasse gemacht, weil es die letzte Tankstelle vor der Auffahrt auf die Autobahn war.

Baum vor die Einfahrt gepflanzt Verärgert zeigt sich Bredjan, dass die Stadt im Rahmen der Verkehrsberuhigung direkt vor die Einfahrt zur Tankstelle eine Grünrabatte samt Baum gepflanzt hat. Benzinlieferungen wie bisher mit dem grossen Tanklastwagen, der auch die Filiale Seebahnstrasse bedient, würden so verunmöglicht. BP müsse eigens einen kleineren Lastwagen vorbeischicken. «Da hat der Kreisarchitekt nicht viel überlegt», sagt Bredjan. Er bedauert das Ende der Tankstelle, die seit rund 40 Jahren zum Quartier gehörte. Aber in einer verkehrsberuhigten Wohnzone sei seine Tankstelle fehl am Platz.

Auch im Tiefbauamt von Stadträtin Ruth Genner (Grüne) bedauert man die Schliessung, wie Sprecher Stefan Hackh sagt. Dafür profitierten andere Gewerbezweige wie die Gastronomie von der Verkehrsentlastung im Quartier. Die Umlagerung so grosser Verkehrsströme habe zwangsläufig Auswirkungen auf das ansässige Gewerbe.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2011, 07:15 Uhr

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39 Kommentare

Peter Müller

18.08.2011, 07:52 Uhr
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Ich bin mir nicht so sicher, ob der Kreisarchitekt nicht viel überlegt hat. Eine Tankstelle symbolisiert schliesslich das pöhse und verhasste Auto und zieht zudem diese furchterregenden Ungetüme geradezu magisch an.
Es ist für mich nicht gänzlich unvorstellbar, dass sich städtische Planer absichtlich Strassenmöblierungen ausdenken welche den Betrieb einer Tankstelle erschweren...
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Derek Richter

18.08.2011, 07:31 Uhr
Melden 27 Empfehlung

"Nicht viel überlegt"? Doch es wurde und es wird viel überlegt wie man den Gewerbebetrieben in dieser Stadt das Leben mittels solchen Bäumen und Grünstreifen zu Hölle machen kann. Dies ist leider nur ein Beispiel wie Bäume zur Waffen gegen Auto und Gewerbe gemacht werden. Antworten



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