Zürich
Hilfswerke: Onlineshops als Fluch oder Segen?
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 04.12.2012 1 Kommentar
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Weihnachtszeit ist Spendenzeit: In den Wochen vor dem grossen Geschenkeauspacken im Familienrahmen liegt vielen das Geld etwas lockerer in der Hand, und auch die Bereitschaft, Gutes zu tun, ist grösser. Just zu dieser Jahreszeit lancieren die Sozialwerke Pfarrer Sieber nun einen Internetshop für Produkte aus ihren Werkstätten.
«Seit drei Wochen ist der Shop online. Wir wollen darüber Gebrauchsgegenstände verkaufen, die unsere Klienten im Rahmen von Tagesstrukturprogrammen herstellen», erklärt deren Sprecher Walter von Arburg. Neben Kerzenhaltern oder Gitarrenständern finden sich zurzeit vor allem Produkte für Tierliebhaber wie Vogelhäuschen oder Wildbienenhotels. Bisher habe man die Produkte meist über Mund-zu-Mund-Propaganda an die Leute gebracht, nun wolle man eine günstige Möglichkeit nutzen, sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Hilfswerke raten ab
Doch Onlineshops wirtschaftlich zu betreiben, ist für Hilfswerke nicht ganz einfach. Bei SOS-Kinderdorf hat man sich – nach schlechten Erfahrungen mit einer breiten Produktpalette – darauf beschränkt, Weihnachts- und Kinderpostkarten anzubieten, wie Hans Frauchiger von SOS-Kinderdorf erklärt. «Die Lager- und Vertriebskosten für andere Produkte, wie Räucherstäbchen oder Tassen, waren für uns viel zu hoch.»
Bei den Karten könne man mit Partnern zusammenarbeiten, die Druck und Lagerung übernehmen, und so die Kosten tief halten. Zudem werde der Shop vor allem zum Kontakt mit Geschäftskunden genutzt, die man über andere Kanäle weniger erreiche. Für Frauchiger ist klar: «Die Herausforderungen, einen Internetshop modern und attraktiv zu betreiben, sind sehr hoch.»
Anders sieht die Situation bei Helvetas aus, wie Tobias Meier, Leiter Fairer Handel, erklärt: «Wir haben unseren Shop im Mai sogar ausgebaut.» Für Helvetas lohne sich dessen Betreiben, weil man sowieso fünf- bis sechsmal im Jahr einen Katalog mit Produkten an Kunden, Mitglieder und Gönner versende. «Der finanzielle Aufwand dafür ist ungleich höher als bei einem Onlineshop.» Insgesamt macht Helvetas jährlich 3,4 Millionen Franken Umsatz mit seinen Fair-Trade-Produkten. Ein Viertel davon über den Internetshop.
Meier ist sich aber sicher, dass dessen Erfolg auch mit der Grösse von Helvetas zu tun hat. «Wir können ihn über unsere Kataloge und Newsletter per Mail breit bewerben.» Um den Shop ohne grosse Kosten zu betreiben, müsse man bereits einen Kundenkreis haben. «Sonst müsste man viel Geld für Werbung ausgeben, das man als Hilfsorganisation einfach nicht hat.»
Noch wenig Aufwand
Die Sozialwerke Pfarrer Sieber sind sich dessen bewusst: «Wir müssen bei der Preisgestaltung darauf schauen, dass wir nichts drauflegen», erklärt deren Sprecher von Arburg. Zurzeit sei es aber so, dass sämtliche anderen Verkaufswege teurer seien als ein Onlineshop. «Wenn wir die Produkte zum Beispiel an Märkten anbieten, müssten wir Löhne und Standmieten bezahlen. Das übersteigt unsere Möglichkeiten.»
Zurzeit halte sich der Aufwand zudem in Grenzen. Zusätzliche Lagerräume brauche man nicht, da die Produkte in den Werkstätten selbst gelagert würden. Den Shop verwalten könne zurzeit eine Person neben ihren sonstigen Tätigkeiten. Um ihn bekannter zu machen, werde man ihn über die «Sieber Zeitung» bewerben, die an Gönner des Hilfswerkes versendet wird.
Der bisherige Erfolg des Shops hält sich denn noch in Grenzen: «Seit der Eröffnung hatten wir ein halbes Dutzend Bestellungen.» Immerhin konnte man aber über die Kantonsgrenzen hinaus Interessenten für die Produkte erreichen, wie von Arburg erklärt. «Die erste Bestellung kam aus der Region Bern.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.12.2012, 13:13 Uhr
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