Zürich
Höhere Studiengebühren hätten «fatale Folgen für die Volksschule»
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 27.11.2009 3 Kommentare
«Wir haben zu wenig Interessierte, weil das Prestige des Berufes des Lehrers zu tief ist»: Walter Bircher.
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Uni-Proteste: Demo bewilligt
Für die «Grossdemo» von heute Abend, ist laut eines Sprechers von «unsereuni» die Bewilligung eingetroffen. Der Demonstrationszug startet um 17 Uhr bei der Universität, wird dann übers Bellevue und am Rathaus vorbei bis zum Walchetor führen, wo der Protest vor der Finanz- und vor der Bildungsdirektion endet. Die Besetzung des Hörsaals an der Uni wurde gestern weitergeführt – wie lange, ist noch offen.
Gegen höhere Studiengebühren wollen auch die offiziellen Studierendenorganisationen aller Schweizer Hochschulen demonstrieren und zwar am 12. Dezember um 14 Uhr. Gestartet wird dieser Protestzug vor dem Landesmuseum. (sch)
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Bürgerliche Politiker wollen eine Verdoppelung der Studiengebühren durchsetzen. Nicht nur die Studierenden sind deswegen beunruhigt. Jetzt warnt auch Walter Bircher, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich, vor den «fatalen Folgen für die Zürcher Volksschule», wenn die überhastete Sparmassnahme durchkäme.
Sie fürchten, dass sich der Lehrermangel im Kanton Zürich verschlimmern würde, wenn an Ihrer Hochschule die Studiengebühren verdoppelt würden. Warum?
Weil dann Studierende aus dem Säuliamt womöglich nach Zug oder aus dem Weinland nach Schaffhausen in die Pädagogische Hochschule gingen. Wenn eine Zürcherin oder ein Zürcher in Schaffhausen studiert, wird sie oder er nicht für das Zürcher Schulsystem ausgebildet. Womöglich gehen uns dadurch nicht nur Studierende, sondern auch Lehrer verloren, weil sie nach der Ausbildung in Schaffhausen oder Zug eine Stelle suchen. Ich bin sicher, dass uns von jenen Zürcherinnen und Zürchern, die in andere Pädagogische Hochschulen gehen, ein Teil verlorengeht.
Haben Sie wirklich das Gefühl, dass Studierende wegen 600 Franken im Semester abwandern würden?
Ich glaube schon. Doch mich stört noch etwas anderes. Mit jedem Studierenden, der abwandert, verliert die Pädagogische Hochschule Zürich Fachhochschulbeiträge des Bundes. Für eine 3-jährige Primarlehrerausbildung sind das 75'000 Franken. Wenn 10 Prozent von unseren Studierenden nicht mehr zu uns kämen, gingen uns jedes Jahr 4,5 Millionen Franken Bundesbeiträge verloren. Mit einer Erhöhung der Studiengebühren würden wir uns also ins eigene Fleisch schneiden.
Man will der Pädagogischen Hochschule den Staatsbeitrag kürzen. Statt die Studiengebühren zu erhöhen, könnten Sie den Betrag einfach einsparen.
Wir müssen ohnehin sparen. Die Erhöhung der Studiengebühren käme noch obendrauf.
Ihre Finanzplanung sieht in den nächsten Jahren eine Kostensteigerung um 10 Prozent vor. Im Jahr 2013 haben Sie einen um 14 Millionen Franken höheren Staatsbeitrag beantragt. Wieso?
Wir rechnen wieder mit mehr Studierenden. Zudem ziehen wir in dieser Zeit in unseren neuen Campus beim Zürcher Hauptbahnhof um. Die Umstellung bringt Mehrkosten.
Warum? Es entfallen doch die Mieten für ihre Aussenstationen.
Im Jahr des Umzugs fallen insgesamt erhöhte Mietkosten an.
Werden also nach 2013 die Kosten wieder sinken?
Sie werden wahrscheinlich nicht mehr ansteigen. Es muss ja noch die Teuerung eingerechnet werden.
Warum gelingt es eigentlich schon heute nicht, genügend Lehrerinnen und Lehrer auszubilden?
Wir haben zu wenig Interessierte, weil das Prestige des Berufes zu tief ist, weil sich der Beruf verändert und weil er den Männern zu wenig Karrieremöglichkeiten bietet.
Müsste man die Lehrerlöhne um 10 Prozent erhöhen, um die Attraktivität des Berufes wieder herzustellen?
Möglicherweise könnte mehr Lohn ein Anreiz sein. Die Motivation für den Lehrerberuf sollte aber nicht primar finanzielle Aspekte haben.
Vielleicht müsste man die Studiengebühren an der Pädagogischen Hochschule ganz abschaffen.
Nein, das brächte nichts. Ich bin auch nicht gegen die Erhöhung der Studiengebühren, aber sie sollte im Einklang mit den anderen Pädagogischen Hochschulen der Schweiz erfolgen. Man müsste sich die Konsequenzen überlegen, bevor man eine solche «Hauruckübung» durchführt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.11.2009, 04:00 Uhr
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3 Kommentare
Eine Berufsausbildung ist gratis, für die geleistete Arbeit bekommt ein Lehrling sogar einen Lohn! Nachdem eine Matura keine Berufsqualifikation ist, entspricht das Erststudium der Berufsausbildung und die Gebühren sind somit abzuschaffen. Anders sieht es aus, wenn jemand ein Zweitstudium beginnt, rumtrödelt oder nach der Berufslehre an die FH geht: Dann sind Gebühren vollkommen berechtigt. Antworten
Mit der überalterung muss man aus der jugend heraus holen was drin ist, und eine gute ausbildung für alle, nicht nur für reiche, gehört dazu. Die einzige alternative wäre um noch mehr leute mit guter ausbildung zu importieren. Ich kann nur kopfschütteln über solche kurzsichtige vorschläge. Jeder der es in sich hat sollte eine Uni oder FH absolvieren! Antworten
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Bruno Moser
Nicht bei allen Studiengängen ist es den Studenten möglich, nebenbei eine bezahlte Beschäftigung anzunehmen. Auch finden sich solche Jobs praktisch nirgends mehr. D.h. im Klartext, die Eltern bezahlen jahrelang nach dem Gymnasium immer noch die Studiengebühren, Prüfungsgebühren, Bücher/Lernmaterial, Lebenskosten (Unterkunft, Essen, Krankenkasse, Transport, Sackgeld usw.). Leider vergisst man das. Antworten