«Hollenstein ging vergessen»
Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 03.04.2011 77 Kommentare
Die Debatte
Fukushima – ein Weckruf und eine Chance für die Schweiz? Welches ist Ihre Meinung?
Mark Balsiger ist Politikberater und Autor des Buchs «Wahlkampf – aber richtig». (Bild: PD)
Hans Hollenstein im Video-Interview. (Video: Video: Simon Eppenberger, Lucienne-Camille Vaudan)
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Herr Balsiger, der Sozialdemokrat Mario Fehr und der Grüne Martin Graf ziehen in den Zürcher Regierungsrat ein. Sind sie quasi auf der radioaktiven Wolke ins Amt geschwebt?
Die Havarie in Japan und die Atom-Debatte in der Schweiz haben diesen Wahlkampf zweifellos geprägt; das zeigt auch der Erdrutschsieg der Grünliberalen bei den Kantonsratswahlen. Die Wählerstromanalyse dürfte zeigen, dass EVP-, CVP- und FDP-Wähler zur GLP wechselten.
Welche Rolle hat Fukushima gespielt?
Im Gegensatz zu den meisten Experten bin ich der Überzeugung, dass der Fukushima-Effekt wie schon vor Wochenfrist in Baselland eine Rolle spielte. Atom-kritische Kreise wurden stärker mobilisiert; das dürfte mit ein Grund sein für den Unterschied von rund 2300 Stimmen zwischen Graf und Hollenstein.
Umfragen sagten Hans Hollenstein eine problemlose Wiederwahl voraus. Was taugen Umfragen drei Wochen vor der Wahl?
Umfragen sind zunächst einmal wichtige Reminder; so bleiben anstehende Wahlen im Gespräch. Umfragen sind aber keine Prognosen, dieser Unterschied ist noch nicht allen Leuten bewusst. In der Phase zwischen der letzten Umfrage und dem Wahltag kann Dynamik entstehen, die sich in der Umfrage noch nicht abgebildet hat.
Vor vier Jahren erzielte Hollenstein noch ein Spitzenresultat, jetzt ist er plötzlich überzählig. Wie kommt das?
Hollenstein war der einzige blockfreie Kandidat, zudem ist die CVP als seine Basis klein. Der bürgerliche Vierer mit zwei Freisinnigen und zwei SVP-lern war homogen und ausschliesslich mit Bisherigen unterwegs. Im rot-grünen Lager funktionierte die Solidarität gut. Zwischen diesen beiden Machtblöcken ging Hollenstein vergessen; er wurde zerrieben.
Das beste Resultat hat der neu kandidierende Mario Fehr erzielt. Ist er derart populär oder haben die anderen Kandidaten nicht vollends überzeugt?
Mario Fehr politisiert seit 12 Jahren auf nationaler Ebene, und das sehr umtriebig. Er gehört zu den auffälligsten Politikern Zürichs, sein Sendungsbewusstsein ist ausgeprägt, seine Medienpräsenz seit vielen Jahren hoch. Die SP hat für ihn eine lange, engagierte und gute Kampagne geführt. Frau Aeppli ging daneben zuweilen vergessen. Im Gegensatz zu seinen Kontrahenten konnte Fehr nicht für Fehler in der Regierungsarbeit bestraft werden.
Bei den Kantonsratswahlen hat nur noch jeder Achte FDP eingelegt. Die Freisinnigen sind aber noch immer mit zwei Vertretern in der Regierung. Überrascht Sie das?
Die FDP hat in der ganzen Schweiz weiterhin sehr gutes Personal. Als Partei tritt sie hingegen nicht kohärent auf und sie hat es verpasst, glaubwürdige Positionen in der Umwelt- und Energiepolitik zu vertreten. Die Grünliberalen sind die besseren Freisinnigen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.04.2011, 18:44 Uhr
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77 Kommentare
Wenn Holenstein rausfliegt, ist das eigentlich kein Wunder. Viele Leute, auch aus dem linken Spektrum, haben ihn damals in den Regierungsrat gewählt, um das grössere Übel (Ueli Maurer) abzuwenden. Und endlich kriegt die CVP die Quittung für ihre verlogene Opportunistenpolitik. Antworten

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