«Ich habe mich auf ein Scheitern einstellen müssen»
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 27.09.2010 19 Kommentare
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Frau Genner, warum ist das Nagelhaus gescheitert?
Die Nagelhaus-Gegner haben uns vorgeworfen, wir würden eine teure WC-Anlage hinstellen. Dabei ging es um ein Gesamtprojekt, bestehend aus zwei Häusern mit Restaurant, Kiosk und WC-Anlagen. Das war für die Stimmbürger offenbar schwierig zu erfassen. Ich habe mit einem sehr knappen Entscheid gerechnet und mich auf ein Scheitern einstellen müssen. Trotzdem bin ich enttäuscht.
Was nun hat zum Nein geführt? Die Kunst oder das Geld?
Ich vermute, es lag an den Kosten. Viele Leute sind sich nicht bewusst, wie hoch Kosten für Kleinbauten sind. Der neu gestaltete Limmatplatz hat beispielsweise vier Millionen Franken gekostet.
Viele Reaktionen haben im Vorfeld gezeigt, dass die Nagelhaus-Idee überhaupt nicht gut ankommt.
Das hat sicher auch zum Nein beigetragen. Einige werden sich gefragt haben, was dieses eigenartige rosa Haus unter der Betonbrücke soll. Aber das machte genau den Reiz des Projekts aus. Wir wollten keine Skulptur hinstellen.
Welche Chancen hätte ein schmucker Zweckbau ohne künstlerische Ambitionen gehabt?
Das kann ich nicht beurteilen. Das Nagelhaus-Projekt war das Siegerprojekt eines Wettbewerbs. Im Gegensatz zu den anderen Wettbewerbsbeiträgen hätte das Nagelhaus auch den Platz belebt und viele Probleme gelöst.
Das Kunstprojekt Hafenkran ist im Gemeinderat umstritten. Wollen Sie dieses Projekt nach dem Nagelhaus-Debakel beerdigen?
Zum angesprochenen Projekt «zürich transit maritim» wird sich der Gemeinderat noch einmal äussern können und über einen Teilkredit abstimmen. Wie beim Nagelhaus zeigt sich auch beim Hafenkran, dass moderne Kunstprojekte in demokratischen Abstimmungen einen schwierigen Stand haben. Das habe ich als Nationalrätin bereits bei der Hirschhorn-Debatte erlebt. Künstler wollen nicht etwas verzieren, sondern aufrütteln und Emotionen wecken.
Wie werden Sie den Escher-Wyss-Platz nun gestalten?
Ich habe keinen Plan B. Wir werden über die Bücher gehen. Zuerst wird der Platz einfach geteert und mit den bereits vorhandenen provisorischen Toiletten und einem Kiosk versehen.
Würden ein Kiosk und ein paar WCs nicht auch künftig genügen?
Damit würden wir den Platz einfach freigeben. Ein Sicherheitsgefühl können wir so nicht vermitteln.
Welche Auswirkungen hat das Nagelhaus für künftige Kunstprojekte?
Die Finanzierung wird zu einem Risiko. Ich suche auch nach anderen Finanzierungen zum Beispiel über Public-Privat-Partnership. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.09.2010, 06:15 Uhr
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19 Kommentare
"Schwierig zu fassen für die Stimmbürger..." Einmal mehr erlaubt sich eine Politikerin im Oberlehrerstil die Qualifikation des Souveräns. Das ist anmassend. Das Nagelhaus ist Kunst am falschen Ort, zu klein dimensioniert und entspricht in dieser Form keinem Bedürfnis in adequater Form. Dass Frau Genner zwar mit der Ablehnung rechnete aber keinen Plan B hat, spricht Bände. Antworten
Ja, der Limmatplatz hat 4 Mio gekostet. Genau das würde auch für den Escher-Wyss Platz reichen. Das ist Typisch Linke in Zürich. Auch schon bei der Bäckeranlage wollte man für 5 Mio bauen, aber auf Druck von den Bürgerlichen hat dann auch 3 Mio gereicht um ein anständiges Quartierzentrum zu realisieren. Antworten


