Zürich

«Ich hätte Biancas Leben in der Schweiz vermiesen können»

Von Thomas Hasler, Felix Schindler. Aktualisiert am 17.03.2010

Im Prozess um den Zwillingsmord von Horgen sagten am Mittwoch Angehörige von Bianca B. aus. Sie bestätigen das Bild einer notorischen Lügnerin.

1/11 Bianca B. vor dem Geschworenengericht. Die 36-Jährige wurde des mehrfachen Mordes verurteilt.
Linda Graedel

   

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Zwillingsmord Horgen

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Er ist mit Bianca aufgewachsen, er kennt sie seit ihren ersten Tagen: Der Bruder der Angeklagten, der heute Mittwochnachmittag vor Gericht aussagte. Er tat sich sichtlich schwer, als er von den Anwälten zu Biancas Vergangenheit befragt wurde. «Wir sind geschlagen worden. Vater hatte Alkoholprobleme, darunter haben wir alle gelitten.»

Der Bruder äusserte sich auch zum Familienleben von Bianca und Franz: «Das war keine intakte Ehe. Für den Franz gab es nur die Arbeit.» Das widerspricht allerdings dem, was der Bruder bei der ersten Befragung gegenüber der Polizei aussagte. Damals sprach er von einer «harmonischen Beziehung».

Bruder als Götti

Bianca und ihr Bruder haben seit Jahren kaum mehr Kontakt. Bianca hätte ihren Bruder gerne zum Götti eines der Kinder gemacht, doch dieser lehnte ab. Grund dafür war das schlechte Verhältnis zu Franz: «Mit ihm konnte man nicht diskutieren. Für ihn gab es einfach nur seine Baumaschinen.»

Ferner stand auch die Ex-Frau von Biancas Bruder im Zeugenstand. Sie gab Auskunft über eine Episode in Biancas Leben, die sich nahtlos ins Bild der notorischen Lügnerin einfügt. Die Angeklagte entwendete 1995 die Kreditkarte von Franz’ Schwester und bezog damit Geld von einem Bankautomaten. Sie leugnete die Tat standhaft – bis man sie mit den Videoaufzeichnungen konfrontierte, die sie zweifelsfrei überführten.

Kreditkartendiebstahl verheimlicht

Franz hat von dieser Geschichte erst nach dem Tod Kinder in der Untersuchungshaft erfahren – die beiden Frauen hatten abgemacht, ihm die Geschichte zu verheimlichen. Heute sagt sie dazu: «Ich hätte ihr das Leben in der Schweiz vermiesen können.»

Die Schwester ist nicht die Einzige im Umfeld von Bianca B., mit deren gestohlenen Kreditkarte Geld bezogen wurde. Franz’ Schwester ist genau dasselbe passiert. Nur fehlt der Beweis, der den Täter überführt. Bianca B. bestreitet bis heute, etwas damit zu tun hatte.

Nun warten alle auf die Aussage von Bianca B.s Psychiater, der am Freitag in den Zeugenstand treten wird. Morgen Donnerstag wird unter anderen eine polizeiliche Sachbearbeiterin aussagen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2010, 18:37 Uhr

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