Zürich

«Ich mag fast alles an dieser Stadt»

Interview: Felix Schindler. Aktualisiert am 15.09.2011 9 Kommentare

Annette Gigon beteiligt sich an einer dreitägigen Online-Debatte über die Entwicklung der Stadt Zürich. Gegenüber Tagesanzeiger.ch erzählt sie, wie sie die Stadt erlebt und wohin sie ihre ausländischen Gäste führt.

Der Prime Tower von Gigon/Guyer Architekten prägt das Stadtbild wie kaum ein anderes Gebäude: Besonderen Gästen will Annette Gigon künftig die Aussicht vom Dacht des Turmes präsentieren.

Der Prime Tower von Gigon/Guyer Architekten prägt das Stadtbild wie kaum ein anderes Gebäude: Besonderen Gästen will Annette Gigon künftig die Aussicht vom Dacht des Turmes präsentieren.
Bild: Keystone

Seit 30 Jahren Fan von Zürich: Architektin Annette Gigon. (Bild: pd)

Online-Debatte über die Entwicklung der Stadt Zürich.

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Seit heute Donnerstagmorgen läuft auf einem Online-Diskussionsportal eine Debatte über die Entwicklung von Zürich. Lanciert wurde das Projekt von der Stadt Zürich, um die Bevölkerung stärker in die Gestaltung der Stadt einzubeziehen. An der Diskussion beteiligt sich auch Annette Gigon, die zusammen mit Mike Guyer unter anderem den Prime Tower gebaut hat.

Sie beteiligen sich an einem dreitägigen Diskussionsforum zur Entwicklung von Zürich. Was bedeutet Ihnen die Stadt?
Ich bin Wahl-Zürcherin und ein wirklicher Fan von Zürich, seit ich vor dreissig Jahren hierhergekommen bin. Und die Stadt hat sich seither nochmals ganz entscheidend geöffnet. Ich mag fast alles an dieser Stadt, ihre Offenheit, ihre Grösse. Auch ihre Kleinheit, eingebettet zwischen den bewaldeten Hügelkuppen. Ich mag die Kinos mit herausragenden Programmen – das Xenix, das Filmpodium, ich mag die Museen, die Theater, die Restaurants – ich mag, dass es hier Raum gibt, Entfaltungsspielraum für viele Menschen, auch für solche mit anderer Herkunft.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich am dringendsten?
Es gibt keine heftigen Dringlichkeiten, vielmehr scheint mir wichtig, dass die Entwicklung der Stadt klug und besonnen angegangen wird. Es gibt ein paar baugesetzliche Regelungen, die uns ein Dorn im Fleisch sind – etwa über Nutzung im Erdgeschoss oder die Unfreiheit bei der Gestaltung der Dachgeschosse – aber damit sollte man Laien nicht langweilen.

Im Jahr 2017 soll das Kasernenareal frei werden. Was würden sie damit anstellen, wenn sie eine Carte blanche hätten?
Ich würde die Kaserne abbrechen – das Kongresshaus dahin stellen, ein Museum für Gegenwartskunst oder Raum für einen Stadtpark schaffen. Dem Kasernengebäude konnte ich trotz seines Alters nie etwas abgewinnen.

Was tun Sie, wenn Sie einem guten Freund aus dem Ausland die Stadt von ihrer besten Seite zeigen wollen?
Ich führe meine Gäste auf den Lindenhof, zum Corbusier Pavillon, ins Löwenbräu-Areal, wenn es wieder geöffnet ist, in diese oder jene Ausstellung und ich führe sie zur Urania Sternwarte, um auf die Stadt zu schauen. Künftig gehe ich dann auch auf den Prime Tower.

Als Architektin prägen Sie das Stadtbild wie kaum jemand sonst. Wie soll die Stadt aussehen, wenn sie in Rente gehen?
Viele meinen, ich wünschte mir so viele Hochhäuser wie möglich. Ganze Gruppen, Wälder von Türmen, wie man es von andern Städten kennt. Auf das Limmattal, das schon eine «Hügelskyline» hat, ist das Rezept anderer Städte beschränkt übertragbar. Die kluge Setzung und gute Gestaltung weiterer Hochhäuser wird ein wichtiger Faktor sein, damit die derzeitige Sympathie für diese Bauform nicht wie in den Achtzigerjahren in ihr Gegenteil kippt. Als Architekten suchen wir nach neuen, guten Formen, um zu verdichten, noch ökologischer zu bauen und da und dort auch höher zu bauen und dabei insgesamt trotzdem den Charakter einer grünen Stadt behalten zu können. Diese Balance, die wichtig ist für Zürich, stellt die grosse Herausforderung dar.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2011, 15:24 Uhr

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9 Kommentare

Sandro Winters

15.09.2011, 16:34 Uhr
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Sehr sympahtisches Interview! Bin gespannt auf die nächsten Projekte... Antworten


Bernhard Vontobel

15.09.2011, 17:59 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Solche Antworten in einem interview habe ich gerne. Gescheit, fundiert und auch sehr differenziert. Kein Vergleich zu einer Politikerin oder Politiker. Oder einem Servelat-Promi! Antworten



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