Zürich

«Ich verstehe auch heute noch nichts von Hotels»

Von Janine Hosp und Markus Eisenhut. Aktualisiert am 21.06.2011 18 Kommentare

Seit drei Jahren steht das neue Dolder Grand offen. Die Auslastung liegt unter 50 Prozent. Dennoch sagt sein Besitzer Urs E. Schwarzenbach: «Das Dolder ist meine Leidenschaft. Weshalb sollte ich es verkaufen?»

«Ich stecke kein Geld ins Dolder Grand. Ich verdiene Geld damit»: Urs E. Schwarzenbach.

«Ich stecke kein Geld ins Dolder Grand. Ich verdiene Geld damit»: Urs E. Schwarzenbach.
Bild: Keystone

Urs E. Schwarzenbach

Milliardär durch Devisenhandel

Der Financier Urs E. Schwarzenbach, 1948 geboren, hat es als Sohn eines Küsnachter Druckereibesitzers weit gebracht: Die «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken. Einen Teil davon hat er in die 470 Millionen Franken teure Renovation und Erweiterung des Hotels Dolder Grand gesteckt, die er fast allein finanzierte. Das Fünfsternhaus ist im Frühling 2008 wieder eröffnet worden. Schlagzeilen machte Schwarzenbach vor vier Jahren, als er in England ein ganzes Dorf samt Pub und Poststelle erwarb. Es existieren viele Gerüchte und Mutmassungen, wie Schwarzenbach zu seinem grossen Vermögen gekommen ist. Sicher ist: Schwarzenbach war bei der UBS, damals noch SBG, in den Devisenhandel eingestiegen und gründete später eine eigene Firma, die Intex Exchange. Er selber erklärt, sein Geld mit Devisenspekulationen gemacht zu haben. Schwarzenbach lebt in England, Küsnacht und – als leidenschaftlicher Poloanhänger – in St. Moritz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. (jho)

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Herr Schwarzenbach, wie würden Sie die Stadt Zürich in einem Psychogramm darstellen?
Zürich ist eines der schönsten «Dörfer» der Welt. Die Lebensqualität hier ist gigantisch. Zürich ist nicht London, nicht Paris, aber kulturell kann die Stadt durchaus mit diesen Metropolen mithalten, ob in Sachen Oper, Theater oder Museum. Fantastisch ist auch unser Flughafen; man ist in kürzester Zeit in allen grossen Zentren der Welt. Dort, wo man im Grunde nicht leben kann, aber leben muss.

Sie selber leben nicht in Zürich.Ist es Ihnen hier zu eng?
Überhaupt nicht, ich komme mehrmals pro Monat nach Zürich. In den 70er-Jahren ging ich nach England, lebe aber nach wie vor auch in Küsnacht und St. Moritz. Ich fühle mich vor allem der blauen Fahne verbunden; ich bin überzeugter Europäer.

Müsste die Schweiz der EU beitreten?
Warum nicht? Wir sind von rund 500 Millionen Europäern umgeben, es ist unrealistisch zu meinen, wir Schweizer könnten unser eigenes Züglein fahren. So wie es heute ist, haben wir nichts zu sagen, die anderen bestimmen. Wir Schweizer jammern dauernd über den starken Franken. Ich habe Philipp Hildebrand, dem Nationalbank-Präsidenten, gesagt, wir sollten den Euro einführen und den Franken bei 1.50 Euro konvertieren. Sonst können wir gar nichts gegen den starken Franken machen.

Wollen Sie der EU beitreten, obwohl diese in einer tiefen Krise steckt?
Europa steckt nicht in einer Krise, das ist Unsinn. Amerika hat ein Problem, nicht wir. Die Vereinigten Staaten bestehen nun seit bald 250 Jahren. Sie haben aber noch immer nicht gelernt, in schwierigen Zeiten den Gürtel enger zu schnallen. Man darf eines nicht vergessen: Die Amerikaner sind nicht das A-Team. Ihre Vorfahren waren mittellose Leute, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben ausgewandert sind. Es tut mir leid, die Amerikaner sind das B-Team.

Wer ist das A-Team? Die Europäer?
Europa ist weltweit die Volkswirtschaft Nummer 1. Sie ist grösser als jene Amerikas oder Chinas. Das A-Team werden künftig aber die Asiaten stellen. Im 21. Jahrhundert wird Amerika von China abgelöst. That’s given, it’s just a question of time. Wir befinden uns in derselben Phase wie Ende des 19. Jahrhunderts, als die Weltmacht England ihre Poleposition an Amerika abtreten musste.

Welche Rolle spielt die Schweiz in Europa?
Ich bin Unternehmer und nicht Volkswirtschafter. Aber so weit ich das beurteilen kann, ist die Schweiz sehr gut aufgestellt. In den 70er-Jahren war die Schweiz sehr teuer, heute aber sind wir wettbewerbsfähig, das Preis-Leistungs-Verhältnis, etwa in der Hotellerie, ist ausgezeichnet.

Welche Stärken hat die Schweiz?
Wir sind der gebildetste Kleinkanton Europas – von den Grössenverhältnissen her sind wir die Appenzeller Europas. Ich habe in den 70er-Jahren für die UBS in London gearbeitet. Dort brauchte es für die Arbeit, die in Zürich eine Sekretärin verrichtete, gleich deren drei. Es fehlte ihnen einfach eine fundierte Ausbildung. Wie sagt man so schön im Militär? Sie geben sich und haben Mühe.

Wie beurteilen Sie die politische Entwicklung in der Schweiz?
Dazu kann ich nicht viel sagen, ich bin zu wenig hier. Politisch bin ich nicht unbelastet – ein Onkel gehörte der SP an, ein entfernt Verwandter, James Schwarzenbach, hatte seine eigene Partei. Ich gehöre aber keiner Partei an.

Sie haben viele Ihrer Kunstwerke im Dolder ausgestellt. Man sieht Sie regelmässig selber Bilder aufhängen.
Ich hänge sie nicht selber auf, ich sage nur, wo sie hinkommen. Die Kunst ist meine persönliche Note im Dolder.

Sie haben einmal gesagt, Sie hätten ihre helle Freude am Dolder.Haben Sie das immer noch?
Ja, es ist ein wunderschönes Objekt. Der Bau hat mir grosse Freude gemacht, und noch mehr Freude macht es mir, meine Bilder aufzuhängen, die bisher im Lager standen.

Mit der Auslastung können Sie aber nicht zufrieden sein: Letztes Jahr waren die Zimmer gerade einmal zu 46 Prozent belegt. Alle Zürcher 5-Stern-Häuser zusammen waren aber zu 71 Prozent ausgelastet.
Es ist nicht mein Fehler, wenn den Ausländern ihre Konti bei den Schweizer Banken weggenommen werden. Früher sind sie noch mit ihrer Frau oder ihrer Sekretärin nach Zürich gereist, und während der Mann auf die Bank oder an ein Meeting ging, kaufte die Frau an der Bahnhofstrasse ein. Wenn das Dolder Grand jedoch zu 80 Prozent ausgelastet wäre, hiesse es, jetzt verdient er noch mehr Geld damit. Es kommt nicht auf die Auslastung an, sondern auf die Durchschnittspreise pro Zimmer. Wirklich wichtig aber ist, wie viel Geld die Gäste im Hotel ausgeben.

Sie müssen beim Dolder Grand jedes Jahr Geld drauflegen. 2010 wies es zwar einen Betriebsgewinn aus, nach Zinsen und Abschreibungen blieb ihnen aber ein Verlust von 26 Millionen Franken.
Man weiss, dass man mit einem solchen Haus nicht das grosse Geld macht. Wenn man das wollte, müsste man eine Marriott-Kette aufbauen. Aber ich bin zufrieden, wie es läuft: Im ersten Jahr schlossen wir mit 1 Million im Minus ab, im zweiten waren es plus 3 Millionen, im dritten werden es sicher mehr sein. Wir sind das «best hotel in town». Und das hat nichts mit dem Baur au Lac zu tun. Ich kenne dessen Besitzer Andrea Kracht sehr gut. Unsere Hotels vertragen sich bestens. Die Winning Teams bei der WM-Vergabe der Fifa zum Beispiel waren bei uns. Nur der arme Prince William musste im Steigenberger übernachten.

Wann werden Sie kein Geld mehr in das Dolder stecken müssen?
Ich stecke kein Geld ins Dolder, ich verdiene Geld. In Amerika muss man ein Hotel in 15 Jahren amortisiert haben. Danach muss man es total sanieren. Das Dolder aber hat Substanz. Wir unterhalten es so gut, dass wir es auch in 20 Jahren noch nicht renovieren müssen. Einzig die Teppiche sind bis dahin vielleicht etwas abgenutzt, aber das stört mich nicht. Denn Martin Candrian hat gesagt, das sei ein gutes Zeichen – abgenutzte Teppiche bedeuten viele Gäste! (lacht)

Weshalb haben Sie das Dolder gekauft?
Es hiess einmal, ich investiere in Hotels, aber das ist eine Falschmeldung. Mein erstes Hotel war die Sonne in Küsnacht. Sie gehörte einem Freund meines Vaters, der es nicht mehr weiterführen wollte. Hätte ich es damals im Jahr 1990 nicht gekauft, wäre daraus eine Filiale des «Wienerwalds» geworden. Stellen Sie sich das vor: die Sonne, das älteste Hotel am Zürichsee, ein «Wienerwald»! Also versuchte ich es. Und am Suvretta House in St. Moritz habe ich mich beteiligt, weil mein Freund Martin Candrian, der mir mit der Sonne geholfen hatte, mich darum gebeten hat. Zu meinen Hotels bin ich immer über Leute gekommen, die ich privat kenne. Ich verstehe eigentlich auch heute noch nichts von Hotels! (lacht)

Und wie wurden Sie Dolder-Besitzer?
Der frühere VR-Präsident Dieter von Schulthess, ich kenne ihn von St. Moritz, ist einmal zu mir gekommen und hat gesagt: Du hast doch Beziehungen zu reichen Leuten, kannst Du uns nicht einen Käufer finden? Das habe ich getan. Es war jedoch ein Ausländer. Die Besitzerfamilien wollten aber an einen Schweizer verkaufen. Da habe ich gesagt: Ich kenne keinen, der das will. Daraufhin haben sie mir das Dolder angeboten und gesagt: Du bekommst einen guten Preis. Es war ihnen wichtig, dass das Haus in Schweizer Händen bleibt.

Was reizte Sie am Dolder?
Ich habe nicht das Hotel gekauft, ich habe die Liegenschaft gekauft. Ich baue eben gern. Ich habe noch nie eine Liegenschaft gekauft, die ich von Grund auf neu aufbauen konnte. Die früheren Besitzer wollten erst nur 75 Millionen investieren und dachten, das würde genügen. Es hätte nicht funktioniert. Ich habe die Pläne gesehen. Als ich das Hotel gekauft hatte, bin ich zu Elmar Ledergerber gegangen, damals noch Vorsteher des Hochbaudepartements. Er wollte, dass wir einen internationalen Architekturwettbewerb ausschreiben. Martin Candrian hat mir aber abgeraten. Er meinte, das daure zu lange.

Und das haben Sie auch nicht getan.
Nein. Ich hatte damals gerade mit Norman Foster in St. Moritz gebaut, und ich habe Elmar Ledergerber gesagt: Ich kann Ihnen Foster bringen. Er meinte, wenn Foster zusage, müsse ich keinen Architekturwettbewerb machen.

Sagte Norman Foster einfach zu?
Nein. Er sagte mir erst, er habe noch nie ein Hotel gebaut. Aber dann haben wir in St. Moritz den Helikopter bestiegen und sind Richtung Zürich geflogen. Als wir über der Linthebene waren, lag über dem ganzen Zürichsee Nebel. Nur ein einziges Haus schaute aus der Nebeldecke heraus. Es lag voll in der Morgensonne. Norman fragte: «What’s that white building?» «Das Dolder», antwortete ich. Dann sagte er: «I’ll do your project.»

Für das Dolder Waldhaus schreiben Sie einen Architekturwettbewerb aus. Weshalb lassen Sie es nicht auch von Norman Foster neu bauen?
Nun, die frühere Bauvorsteherin Kathrin Martelli hat mir gesagt: «Aber bitte, schreibe einen Architekturwettbewerb aus, wenn Du das Waldhaus neu baust und nimm nicht nochmals Foster. Wir wollen keinen Fosterberg in Zürich.»

Gibt es auch jemanden in Ihrem Leben, der Ihnen sagt: Aber Urs,das hast Du jetzt nicht gut gemacht.
Nein. (lacht) Oder gibt es etwas, das ich nicht gut mache? Und wenn ich doch etwas nicht gut gemacht habe, sagt es mir bestimmt meine Frau!

Brauchen Sie niemanden, der Ihnen die Meinung sagt?
Nein, mir muss niemand sagen: «Gib Acht, dass Du nicht in einen Baum fährst.» Spätestens wenn ich hineingefahren bin, merke ich es selber.

Sie sagten, Sie bauen gern. Weshalb wurden sie nicht Architekt?
Ich hatte ursprünglich das Gefühl gehabt, ich hätte Talent zum Malen, weil ich am Gymnasium Rämibühl einen Wettbewerb gewann. Ich habe aber bald gemerkt, dass ich nicht Picasso bin. Nein, Architekt wollte ich nicht werden. Norman Foster ist einer der wenigen Architekten, die Geld verdienen. Und für mich ist Geldverdienen wichtig.

Weshalb?
Money is not important. You only have to have it.

Was bringt Ihnen Geld?
Man kann machen, was man will. Man muss nicht überlegen, ob man etwas kaufen kann oder nicht. Dennoch gibt es Dinge, da muss ich sagen: Das vermag ich nicht. Es spielt auch keine Rolle, wie reich man ist – es gibt immer einen, der reicher ist. Ich finde Geld interessant. Es macht mich unabhängig. Das ist angenehm. Andererseits ist es auch eine Belastung, wenn ich daran denke, wie viele Hundert Leute für mich arbeiten und finanziell von mir abhängig sind.

Die «Bilanz» schätzt Ihr Vermögen auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken.Wie kommt der Sohn eines Druckereibesitzers zu so viel Geld?
Ich habe etwas Geld von meinem Vater bekommen und habe in den 70er-Jahren angefangen, mit Devisen zu spekulieren. Ich habe unter anderem im richtigen Moment Britische Pfund verkauft.

Das taten andere auch.Was machten Sie besser?
Ich weiss es nicht. Vielleicht bin ich darin etwas besser als andere. Warren Buffett ist noch viel besser. Dafür muss ich nicht 10 Milliarden Dollar verschenken.

Es hiess einmal, Sie wollten das Dolder verkaufen.
Seit 40 Jahren sammle ich Kunst und habe noch nie etwas verkauft. Auch plane ich nicht, das Dolder zu verkaufen, es ist meine Leidenschaft. Meine Urgrossenkel werden einmal ihre Freude daran haben. Schauen Sie, das Dolder hat eine Fläche von 40'000 Quadratmetern. Am Zürichberg ergibt das einen Wert von 1,2 Milliarden. Warum also sollte ich es verkaufen? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2011, 22:09 Uhr

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18 Kommentare

Peter David

21.06.2011, 08:55 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Die Aussage "Es ist nicht mein Fehler, wenn den Ausländern ihre Konti bei den Schweizer Banken weggenommen werden" liest sich wie ein schlechter Witz zu! Die Arroganz, mit welcher das Hotel unmittelbar nach der Eröffnung potentiellen Kunden begegnete, war unglaublich, und die Raten sind im europ. Vergleich viel zu hoch. Das sind die wahren Gründe für die miese Auslastung! Antworten


Andreas Withold

21.06.2011, 07:32 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Er hat mit dem Dolder ein fantastisches Hotel erschaffen. Aber seine Ansichten zum EU Beitrittt sind total realitätsfremd. Den Franken zu 1.5 konvertieren, super Idee! Da verlieren alle Ersparnisse gleich mal 20% an Wert. Also weiterhin in der Schweiz tolle Hotels bauen aber bitte von der Politik weit weg bleiben. Antworten



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