Zürich

«Ich würde das Kasernenareal gentrifizieren»

Interview: Felix Schindler. Aktualisiert am 16.09.2011 28 Kommentare

Mark van Huisseling beteiligt sich an der Online-Debatte über die Entwicklung der Stadt Zürich. Gegenüber Tagesanzeiger.ch erzählt der Promi-Kolumnist, warum er das Langstrassenquartier meidet.

Stilkritiker Mark van Huisseling: «Lieber ein grosser Fisch in einem kleinen Teich als umgekehrt.»

Stilkritiker Mark van Huisseling: «Lieber ein grosser Fisch in einem kleinen Teich als umgekehrt.»
Bild: Dominique Meienberg

Online-Debatte über die Entwicklung der Stadt Zürich.

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Seit gestern Donnerstagmorgen läuft auf einem Online-Diskussionsportal eine Debatte über die Entwicklung von Zürich. Lanciert wurde das Projekt von der Stadt Zürich, um die Bevölkerung stärker in die Gestaltung der Stadt einzubeziehen. An der Diskussion beteiligt sich auch der Kolumnist Mark von Huisseling, der über Prominente aus den Metropolen dieser Welt berichtet. Er lebt seit 20 Jahren in Zürich und besitzt im Kreis 6 eine Wohnung.

Mark van Huisseling, Sie beteiligen sich an einem dreitägigen Diskussionsforum zur Entwicklung der Stadt Zürich. Welche Veränderungen wünschen Sie sich am dringendsten?
Zürich hat sich in den letzten zehn Jahren sehr entwickelt, und das wird so weitergehen. Bisher ist der Wandel organisch verlaufen, das ist gut so. Die Reglementierungsdichte darf auf keinen Fall weiter zunehmen, im Idealfall sinkt die Steuerlast fürs Gewerbe, und Bauvorschriften werden erleichtert.

Ich bin etwas überrascht, dass Sie von Bauvorschriften und Steuerlast sprechen. Von einem Gesellschafts-Kolumnisten hätte ich griffigere Visionen erwartet.
Wenn es um die Schuhe einer Ex-Miss geht, kann ich schon etwas Träfes sagen. Aber wenn es um den Lebensraum von einer Million Menschen geht, dann bringt das nichts. Das Leben ist eben komplex.

Sie pflegen Ihr Image als Kosmopolit, berichten vornehmlich über die Society aus Metropolen wie L.A. und Paris. Wie gut kennen Sie Zürich wirklich?
Ich bin seit 20 Jahren hier. Ich beteilige mich am gesellschaftlichen Leben, bin selbst ein Teil davon. Ich bin vielleicht sogar ein bisschen wichtiger als andere – nicht, weil ich besonders lässig bin, sondern weil ich über die Gesellschaft schreibe und weil über mich geschrieben wird. So bin ich präsent in der Stadt; in meinem Wohnkreis, dem Kreis 6, und im Kreis 1 kenne ich mich sehr gut aus.

Was missfällt Ihnen an Zürich?
Man kann immer an irgendetwas herummäkeln, aber das will ich nicht. Der Gesamtentwurf der Stadt ist super.

Ist Ihnen Zürich nicht viel zu kleinräumig? Zu spiessig?
Nein, sonst würde ich weggehen. Ich lebte in London. Und von dort habe ich die Erkenntnis mitgenommen, dass man besser ein grosser Fisch in einem kleinen Teich ist als umgekehrt. Die grossen Städte wie Paris und L.A. sind undemokratisch, viele Angebote dort sind schwer zugänglich. Aber Zürich ist durchlässig. Ausser vielleicht bei den Zünften und den Freimaurern kommt fast jeder fast überall rein.

In Zürich gibt es auch Bereiche, die vollständig frei von Glamour sind. Halten Sie sich auch dort auf?
Mein Interesse für die Langstrasse und die dort stattfindende Underground-Kultur war vor 15 Jahren grösser. Ich halte die Entwicklungsbemühungen in diesem Gebiet für gescheitert. Ich würde dort auf jeden Fall keine Immobilien kaufen. Zudem ist mir die Lust, mich nach unten zu orientieren, vergangen.

Nach unten?
Ein 30-Jähriger findet es vielleicht cool, mit einem Lastwagenfahrer einen Abend in einem unbelüfteten Keller zu verbringen. Ich nicht. Ich glaube dem Lastwagenfahrer oder Kellner auch nicht mehr, dass er eigentlich erfolgreicher Schriftsteller oder Schauspieler sei. Das ist er nicht, sonst wäre er nicht dort. Leute in meinem Alter, die regelmässig in diesem Teil der Stadt ausgehen, sind Loser in meinen Augen.

Was tun Sie, wenn Sie einem guten Freund aus dem Ausland die Stadt von ihrer besten Seite zeigen wollen?
Wenn er unter 50 ist, gehe ich mit ihm ins Kaufleuten. Ist er darüber, in die Kronenhalle. Wenn er danach noch Mumm hat, gehen wir ins Icon. Sonst begleite ich ihn zurück zum Hotel.

Im Jahr 2017 soll das Kasernenareal frei werden. Was würden Sie damit anstellen, wenn Sie eine Carte blanche hätten?
Ich würde das Areal gentrifizieren. Man muss aufpassen, dass der Rasen keine Hänger anzieht, die Dreck und Abfall hinterlassen, vielleicht indem man Eintritt verlangt. Es wäre schön, wenn es für Familien mit Kindern nutzbar würde – eine Bäckeranlage für Anständige und/oder Gutverdienende würde mir gefallen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2011, 11:02 Uhr

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28 Kommentare

Philip Meister

16.09.2011, 11:38 Uhr
Melden 85 Empfehlung

Typischer Monokultur-Zürcher! Ich bin gerne ein Looser und wohne und lebe im Langstrassenquartier und meide das Kragen-Hoch-Polo-Shirt-Pilotenbrille-Mokassin-Träger-Kaufleuten-Gedöns... Antworten


Matthias Vogelsanger

16.09.2011, 11:36 Uhr
Melden 78 Empfehlung

Leute die lieber ein grosser Fisch in einem kleinen Teich sind als umgekehrt, sind Loser in meinen Augen. Antworten



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