Im Bunker schwimmen

Die Gemeinde Erlenbach hat eine düstere Armeeanlage zu einem lichtdurchfluteten Schwimmbad umgebaut. Nun wollen alle im Bunker schwimmen.

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In den Eingeweiden ist der Bunker-Geist noch nicht ganz verflogen. Die sechseckigen Bodenplatten zum Beispiel. Oder die beige gestrichenen Wände mit den gelben, fluoreszierenden Streifen. Die Nummerierung der Massenschläge. Hier, wo früher für Soldaten und Zivilschützer Tee aufgesetzt wurde, wird heute das Wasser für das Schwimm­becken aufbereitet.

Statt einer Militär- hat die Gemeinde Erlenbach nun eine Schwimmanlage auf dem Schulcampus. Dort, wo die Schwimmerinnen und Schwimmer sich aufhalten, im Eingang, den Garderoben, in der Schwimmhalle, ist von der ehemaligen Bunkeranlage wenig zu sehen. Einzig die Hüte der Pilzstützen ragen da und dort aus den Wänden – sie verraten den ehemaligen Zweck des Baus.

Die Bunkerdecke muss weg

Die Idee, die Luftschutztruppenunterkunft Allmendli in ein Schwimmbad umzubauen, hatte der Erlenbacher Gemeinderat. Man erhielt vom Bund eine Bunkeranlage «geschenkt», teuer im Unterhalt und eigentlich nutzlos. Auslöser: Im neu geplanten Alterszentrum war für ein Schwimmbad kein Platz mehr. Also schrieb die Gemeinde einen Wettbewerb aus. Gewonnen hat diesen der Generalplaner Pöyry zusammen mit dem Architekturbüro Illiz aus Zürich. Die Idee ihres Projekts: dem Bunker den Deckel abnehmen, das Becken nicht absenken, sondern in den bestehenden Bunker einbauen und eine Schwimmhalle daraufsetzen. Der Blick von etwas weiter oben ist zudem auch etwas Fantastisches. Wer schwimmt, hat Blick über den See und die Albiskette.

Leider nicht öffentlich

7,5 Millionen Franken hat der Umbau die Gemeinde gekostet. Die massiven Betonwände, darauf ausgelegt, Bombeneinschlägen standzuhalten, sind eben auch stark genug, das Gewicht des Schwimmbeckens aufzunehmen. Auch wenn es nur ein kleines Becken ist, sind es einige Hundert Tonnen, die aufgenommen werden müssen. Knapp 17 mal 8 Meter misst das Becken, der variable Boden lässt sich auf maximal 1,8 Meter Tiefe absenken. Unten, wo früher Fahrzeuge und Gerätschaften lagerten, sind heute die Umkleidekabinen und Duschen. Die Betonmauer zur Strasse hin – zuvor verdeckt durch einen Erdwall – wurde durch eine Glaswand ersetzt.

Es ist wie in einem See:
unten dunkler Schlick,
oben klares Wasser.

Die neue Schwimmhalle ist hell und schön. Neben dem Ausblick fällt die Kassettendecke aus rohem Beton auf. Und eine Treppe. Sie führt von den Garderoben hoch in die Schwimmhalle, schmal und steil. Man steigt auf, gegen den Himmel, strebt zum Licht. Ähnlich funktioniert das Farbkonzept im Bad. Von unten in den Garderoben bis nach oben beim Schwimmbecken werden die Platten heller. Es ist wie in einem See: unten dunkler Schlick, oben klares Wasser.

Das Bad ist kurz nach seiner Eröffnung eigentlich schon ausgebucht: Hier lernt man Schwimmen, geht ins Aquafit, ins Baby- oder Kinderschwimmen, in die Wassertherapie. Öffentlich zugänglich ist das Schulschwimmbad nicht – was in der Gemeinde sicher manche bedauern. Vielleicht findet sich ja eine zweite Bunkeranlage für ein zweites Hallenbad? Denn die Idee, die ist gut. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.05.2016, 15:45 Uhr

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