Im Glattpark entsteht ein Hotel mit 245 luxuriösen Zimmern

Mit dem Fünfsternehaus Kameha wächst das Angebot an hochpreisigen Hotelzimmern in Zürich noch einmal an. Dabei herrscht im Luxussegment bereits heute ein Preiskampf.

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Einen Vorgeschmack des Hotelerlebnisses, das der Unternehmer Carsten Rath für den Glattpark plant, erhält man zurzeit in Bonn. Das Gebäude könnte eine hypermoderne Fabrikationsstätte sein, ein Flughafen-Terminal, eine Ausstellungshalle. Doch hinter der abgerundeten Fassade aus Stahl und Glas verbirgt sich ein Grand Hotel mit rund 250 Zimmern, mehreren Restaurants, Bars, Spa, Fitness, Pool und einer Eventhalle für 2500 Leute. Und im Innern ist das Fünfsternhotel Kameha Grand am Rheinufer in Deutschlands ehemaliger Hauptstadt alles andere als nüchtern. Hotelunternehmer Rath, Gründer und geistiger Vater, bezeichnet es als «neobarock».

Entworfen wurde der Bau von einem lokalen Architekten; für das Innere ist der 49-jährige holländische Designer Marcel Wanders verantwortlich. Wilde Blumenmuster auf Mobiliar, Teppichen und Tapeten prägen das Interieur. Besonders aufwendig sind die Themen-Suiten gestaltet. So begrüsst einen in der Beethoven-Suite eine lebensgrosse Gipsstatue des Meisters; mitten im Raum steht ein Konzertflügel. Oder die Fair-Play-Suite, in deren Mitte ein Punching Ball zum Boxtraining von der Decke hängt und man sich mit Flippern, Dart und anderen Spielen amüsieren kann.

Eröffnung frühestens 2014

Carsten Rath, 46-jährig, in der Hotellerie gross geworden, hat eine klare Philosophie: Der Gast erwarte etwas Besonderes. «Austauschbare Allerweltshotels gibt es genug; wir wollen unverwechselbar sein», erklärt er. Zudem sei entscheidend, dass sich der Gast zu Hause fühle. Entsprechend wähle er seine Angestellten aus: «Nicht die Ausbildung, die Haltung zählt.» Raths Formel ist erfolgreich: Auf der Internet-Bewertungsplattform Tripadvisor.de nimmt das Kameha Grand den ersten Platz aller 76 bewerteten Hotels in Bonn ein.

Seit Anfang dieses Monats ist das zweite Kameha Grand im Bau. Im Glattpark in Opfikon, zwischen Oerlikon und Flughafen, in einer Gegend, die von vielen als Niemandsland empfunden wird, bauen das weltweit tätige amerikanischen Büro Tech Architecture, auf ökologische Hightech-Projekte spezialisiert, und der Innengestalter Wanders das zweite Kameha Grand. In zwei bis zweieinhalb Jahren soll das Haus mit 245 Zimmern und Suiten eröffnet werden. Es verfügt über mehrere Restaurants sowie Spa und Fitness, Terrassen, Raucherlounges und Tagungsmöglichkeiten für bis zu 1800 Leute.

UBS-Fonds als Investor

Hotelfachleute in Zürich sind skeptisch, dass die Nachfrage für das neue Kameha und weitere geplante Hotels im obersten Segment genug gross sein wird. Banker hingegen denken offenbar, dass Rath auch sein neues Haus zu mindestens rund 70 Prozent auslasten kann – eine solche Auslastung sehen die Businesspläne vor. Jedenfalls wurde gestern bekannt, dass die Immobilie verkauft worden ist, und zwar an den Fonds Sima der Grossbank UBS. Sima ist der grösste börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds und hat ein Anlagevolumen von rund 6,3 Milliarden Franken. Ein Sima-Sprecher wird in der Pressmitteilung mit der Aussage zitiert, man sei überzeugt, dass sich das Kameha Grand «im Zürcher Hotelmarkt nachhaltig positionieren wird».

Neben dem Kameha im Glattpark und einem weiteren Fünfsternhaus in Mallorca, das sich im Bau befindet, ist Carsten Raths Holding, die Lifestyle Hospitality & Entertainment Group (LH&E) mit Sitz in Ermatingen TG, auch mit einem Hotelprojekt in Horgen beschäftigt. Dort entsteht ein Haus namens KStar mit «etwa dreieinhalb Sternen», sagt Carsten Rath. «KStar ist sozusagen unsere Jeansmarke, während Kameha die Couture darstellt.» Weitere KStar-Häuser sind in Luxemburg und in Hamburg im Bau.

Kultstätte für Oldtimer

In Horgen arbeitet die Lifestyle Hospitality & Entertainment Group mit dem dort entstehenden Meilenwerk zusammen, einer Kultstätte für Oldtimer-Autos mit Ateliers, Ausstellungs- und Lagerhallen, welche im Sommer 2013 in den ehemaligen Räumen der Webmaschinenfabrik Grob AG direkt beim Bahnhof eröffnet werden soll. Die Baugenehmigung für das KStar Horgen sei erteilt, sagt Rath; die Besitzerin der Immobilie, die Mobimo AG, sei momentan noch im Gespräch mit Nachbarn, welche Einspruch erhoben haben.

Dass Rath vor Standorten nicht zurückschreckt, die andere Investoren unter Umständen abhalten könnten, hat er nicht nur mit dem Projekt im Glattpark bewiesen. Seine neuste Idee ist, in Andermatt mit Samih Sawiris zusammenzuspannen und ein weiteres KStar zu bauen, um «das dortige Hotelangebot gegen unten abzurunden». (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.11.2012, 07:40 Uhr)

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Mehr als 1000 Zimmer sind in Planung

Weil Geschäftsreisende aus der EU ausbleiben, hoffen Zürcher Hoteliers auf Gäste aus Schwellenländern – und ein neues Kongresszentrum.

Die Fünfsternhäuser bieten im Grossraum Zürich derzeit 1466 Zimmer an. Allein mit dem Kameha Grand Zürich kommen 16 Prozent mehr Luxuszimmer auf einen Markt, in dem bereits jetzt hart um jeden Gast gerungen wird. Der Kuchen werde nicht grösser, sagt Jörg Arnold, Präsident der Zürcher Hoteliers und Direktor des Hotels zum Storchen. Tatsächlich ist «der Kuchen» in manchen Bereichen kleiner geworden. Die Luxushotels spüren, dass grosse Firmen Reisestopps verhängen oder Rahmenverträge für ihre auswärts übernachtenden Mitarbeiter zu deutlich tieferen Preisen erneuern. Wohlhabende Gäste aus dem EU-Raum würden wegen des Steuerstreits ihre Konten leer räumen und nicht mehr für einige Tage in Zürich logieren, sagt Arnold.

Der Druck im Fünfsternsegment wirkt sich direkt auf die Preise aus. Wer sein Haus füllen will, gibt seine Zimmer zu günstigeren Konditionen ab. «Hotels, die zu grossen Ketten gehören, senken ihre Preise zuerst», sagt Arnold. Diese Ketten würden ihre Preisgestaltung zentral steuern und dabei äusserst flexibel auf Angebot und Nachfrage reagieren.

Die Reichen kümmerts nicht

Eine gute Zimmerauslastung sagt deshalb noch nichts darüber aus, ob ein Hotel auch gut läuft. Ein Indiz dafür liefert der durchschnittliche Zimmerpreis. Das privat geführte Dolder Grand verzichtet etwa lieber auf eine hohe Auslastung, um den Durchschnittspreis hoch halten zu können. Deshalb gewährt das Dolder praktisch keine Rabatte: Der durchschnittliche Zimmerpreis stieg im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr von 748 auf 756 Franken. Doch auch das Dolder kann sich dem Preisdruck nicht ganz entziehen. Im laufenden Jahr werde der durchschnittliche Zimmerpreis minim sinken, sagt Dolder-Direktor Thomas Schmid. Wer wirklich reich ist, schert sich aber offenbar nicht um Zimmerpreise. Während die Preise der Standardzimmer leicht unter dem Vorjahresniveau liegen, hat das Segment der Topsuiten laut Schmid deutlich zugelegt. Sehr wichtig sei, dass Zürich so bald als möglich ein neues Kongresshaus erhalte. Auch für Arnold ist der Bau zentral, weil er pro Jahr weit mehr als 100 000 zusätzliche Logiernächte generieren dürfte. Die Zürcher Hoteliers rechnen in einer Langfriststudie mit einem jährlichen Wachstum von 2 Prozent – allerdings nur mit einem neuen Kongresshaus.

Hotelier auf Werbefahrt in China

Weil das Geschäft mit den Geschäftskunden wegen der wirtschaftlichen Turbulenzen schlechter läuft, sucht Arnold neue Kunden in den aufstrebenden Staaten wie China, Russland, Indien und Brasilien. Dieses Jahr werde er erstmals nach China reisen, um vor Ort für sein Hotel zu werben. In Russland ist diese Strategie aufgegangen: Innerhalb von sieben Jahren ist der Anteil russischer Gäste von 0,8 auf 10 Prozent gestiegen.

Die Konkurrenz im Topsegment der Hotellerie wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Mit dem renovierten Atlantis am Fuss des Uetlibergs, dem Hyatt beim Flughafen, dem Dorint Airporthotel in Opfikon, dem Waldhaus-DolderNeubau, Meilenwerk-K-Star in Horgen sowie kleineren Boutiquehotels entstehen mehr als 1000 weitere Zimmer im Premiumbereich. (Benno Gasser)

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