Im Zürcher Milieu tobt ein Preiskampf

Im Langstrassenquartier verdrängen Bars die Striplokale. Laut Experten heisst das nicht, dass sich das Milieu in ein anderes Quartier verlagert – sondern, dass ein Preiskampf tobt.

Ausgetanzt: Ein Cabaret nach dem anderen schliesst. Von einer Verlagerung des Milieus sprechen Experten aber nicht. (Bild: Felix Schindler)

Ausgetanzt: Ein Cabaret nach dem anderen schliesst. Von einer Verlagerung des Milieus sprechen Experten aber nicht. (Bild: Felix Schindler)

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Trendige Bars schiessen wie Pilze aus dem einst so harten Langstrassenpflaster. Dafür schliesst ein Stripclub nach dem anderen: Etablissements wie Malibu-Cabaret, Sarina-Bar, St. Pauli und Ritze werden in Zukunft nicht mehr zum Milieu gehören. Und es ist anzunehmen, dass weitere folgen.

Stirbt das Milieu in den Kreisen 4 und 5 aus? Oder verschiebt es sich in ein anderes Quartier? Rolf Vieli, Leiter des Projektes Langstrasse Plus, sieht kein Ende des Sexgewerbes in Zürich, aber auch keine Zunahme wie in den 80er-Jahren. «Im Vergleich zu früher ist das Milieu weniger interessant», sagt Vieli. Er weiss von Personen, die ihr Geld bisher ausschliesslich im Milieu verdienten, und nun begonnen hätten, ihr Glück in anderen Märkten zu suchen. Zum Beispiel im Gastgewerbe. «Ausserdem ist es für die Besitzer der Rotlicht-Liegenschaften meist lukrativer, sanierungsbedürftige Lokale gleich komplett neu auszurichten. Das macht es auch einfacher, für die Wohnungen über den Lokalen gute Mieter zu finden», sagt Vieli.

Weniger Angebot, weniger Freier

Vieli glaubt, dass im Sexgewerbe nicht die Nachfrage das Angebot bestimmt, sondern umgekehrt – mindestens was das Langstrassenquartier betrifft. Die Freier kämen selten aus dem Quartier, sondern reisen von weit her an. Zuweilen sogar aus dem süddeutschen Raum. Je geringer das Angebot, desto weniger interessant werde Zürich für diese Personen.

Die Stadtpolizei Zürich nimmt laut Mediensprecher Marco Cortesi «mit Befriedigung» zur Kenntnis, wenn die Anzahl der Lokale im Milieu zurückgeht. «Aber es sind nur wenige Etablissements, die in letzter Zeit geschlossen haben». Cortesi ist auch überzeugt, dass sich das Gewerbe nicht in ein anderes Quartier verlagert.

Kaum Überlebenschancen für Cabarets

«Das Milieu löst sich nicht auf und verlagert sich auch nicht in einen anderen Stadtkreis», sagt auch Erotikfilmproduzent und Szenekenner Ivo Ganz. In seinen Augen ist allerdings ein ganz spezifisches Segment innerhalb der Branche vom Aussterben bedroht: Das Cabaret.

«Dieses Business hat seine Berechtigung verloren. Grosse Klubs locken mit Preisen, für die man in einem Cabaret nicht mal zwei Cüpli getrunken hat.» Neben diesen Klubs, die vornehmlich in der Agglomeration angesiedelt sind, würden die Kontaktbars den Cabarets den Rang ablaufen. Und auch hier mit dem selben Argument: den tieferen Preisen. Überlebenschancen räumt Ganz höchstens den Cabarets im obersten Preissegment ein. Sofern sie genügend gepflegt sind, um die entsprechend zahlungskräftige Kundschaft anzuziehen. «Doch so viel Stil haben nur die wenigsten Cabarets in Zürich.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.08.2008, 16:38 Uhr

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