Impfzwang für Spitalpersonal?
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Im Kantonsspital Winterthur sind lediglich 25 Prozent der Mitarbeiter gegen die saisonale Grippe geimpft, im Uni-Spital Zürich sind es rund 30 Prozent. Die Impfaktion gegen die Schweinegrippe läuft zwar noch, doch Christian Ruef, Infektiologe und Leiter Spitalhygiene des Uni-Spitals, rechnet mit einer ähnlich tiefen Quote. 50 Prozent der Ärzte lassen sich laut Ruef impfen, aber nur 10 Prozent des Pflegepersonals.
Viel zu wenige, findet Ruef. Er hofft, dass sich in den nächsten Tagen noch viele Mitarbeiter zur Impfung entschliessen. Und er will, dass für Mitarbeitende mit direktem Patientenkontakt über die Einführung eines Obligatoriums für gewisse Impfungen nachgedacht wird. Dazu wäre der Erlass eines nationalen Gesetzes notwendig.
Eingriff mit Folgen
Warum ist das Pflegepersonal der Grippeimpfung gegenüber so skeptisch eingestellt? Die Grippe werde vom Personal möglicherweise nicht als so bedrohlich eingestuft, sagt Ursula Wiesli, die sich als Pflegewissenschaftlerin mit dem Thema auseinandersetzt. Eine Impfung jedoch sei ein Eingriff in den Körper mit Folgen, die nicht vollumfänglich bekannt seien. Nebenwirkungen sind laut Wiesli nie ausgeschlossen, denn Langzeitstudien existieren keine.
Einen Impfzwang lehnt sie ebenso ab wie Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Patientenstellen. «Patienten haben Anrecht auf Schutz», sagt Ziltener. Dazu brauche es aber nicht zwingend Impfung. Das Personal müsse die Hygienemassnahmen konsequent umsetzen. Ziltener befürwortet auch die Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske für alle. «Im Gegensatz zu einer Impfung tangiert diese Massnahme den Körper nicht direkt.»
Protest gegen Impf-Pins
Da sie im Moment keinen Impfzwang einführen können, versuchen die Spitäler, die Impfquote mit unterschiedlichen Massnahmen zu steigern. Das Kinderspital zum Beispiel verteilt Pins an diejenigen Mitarbeiter, die sich haben impfen lassen, wie die Sonntagspresse schrieb. Der Ansteckknopf trägt die Aufschrift «Gemeinsam gegen die Grippe – ich bin geimpft!». Das Tragen des Pins ist freiwillig.
Die Aktion stösst bei der Gewerkschaft VPOD auf Ablehnung. «Mit der Kennzeichnung übt das Kinderspital unzulässigen Druck auf das ungeimpfte Personal aus», sagt Brigitte Gügler. Christian Ruef vom Uni-Spital findet die Idee des Kinderspitals hingegen gut. «Der Pin kann ein beruhigendes Signal für die Patienten sein.»
Er erwägt jedoch andere Massnahmen. Falls sich die Schweinegrippefälle häufen sollten, will das Uni-Spital in kritischen Bereichen den Zwang zum Tragen einer Schutzmaske einführen. Betroffen davon wären alle Mitarbeiter, auch die geimpften. Das Kantonsspital Genf hat bereits beschlossen, dass alle ungeimpften Mitarbeiter eine Schutzmaske tragen müssen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.11.2009, 06:38 Uhr
Zürich
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