«In Zürich ist es interessant, Mietern zu kündigen»
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 15.09.2010 50 Kommentare
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Durch Sanierungen oder Neubauten werden Dutzende Liegenschaften rund um das Stadtzentrum Zürichs so teuer, dass Familien und weniger Vermögende verdrängt werden. «Das Problem betrifft aber nicht mehr nur das Seefeld oder die Kreise 4 und 5, sondern weitet sich immer mehr Richtung Stadtrand aus», sagt Felicitas Huggenberger, Geschäftsleiterin des Mieterverbandes Zürich. Bis hinaus in den Hardturm, die Binz oder an den Rand des Kreis 3 wollen die Liegenschaftenbesitzer das Maximum aus ihren Häusern herausholen, so Huggenberger.
Von Massenkündigungen betroffen sind oft Mieter, die Jahrzehnte in einem Haus wohnen. «Müssen sie plötzlich gehen, wird ein intaktes soziales Gefüge zerstört», sagt Huggenberger. Ein Beispiel für die Verdrängung angestammter Mieter ist das Projekt der Helvetia-Versicherung an der Wasserschöpfi. Die Wohnblöcke aus den 1950er-Jahren wurden abgerissen und Neubauten erstellt. Dadurch verdoppelten sich die Mietzinsen. «Kosteten Wohnungen zwischen 900 und 1600 Franken, liegen sie jetzt zwischen 2000 und 4000 Franken», sagt Huggenberger.
Immer mehr Eigentümer denken an Rendite
Diese Veränderungen auf dem Immobilienmarkt sind erst in den vergangenen fünf, sechs Jahren zu einem Thema in der Stadt Zürich geworden. Offenbar findet zunehmend eine Entwicklung in den Köpfen der Eigentümer statt. «Viele fragen sich, weshalb sie nicht doppelt so viel für eine Wohnung verlangen sollen, wenn jemand diesen Preis zahlen wird», sagt Huggenberger. Die Finanzkrise begünstigt laut dem Mieterverband diese Veränderungen. Die Anlage in Immobilien ist wieder interessanter.
«Anders als auf dem Land ist es in der Stadt Zürich interessant, Mietern zu kündigen.» Während in ländlichen Gemeinden die Bewohner oft in der Wohnung bleiben und nach einer Sanierung der Mehrwert weiter verrechnet wird, orientieren sich die Vermieter in Zürich an Angebot und Nachfrage. Deshalb werden Wohnungen nach der Renovation oft neu und viel teurer ausgeschrieben.
«Immobilienfirmen haben Architekten angestellt, die sich nur mit der ‹Optimierung› des Portfolios beschäftigen», sagt Huggenberger. Der daraus entstehende Verdrängungsmechanismus wird mittlerweile sogar von den Immobilienfirmen erkannt und teilweise als Problem beurteilt, wie sich Exponenten an einem kürzlich abgehaltenen Forum äusserten.
Wo in Zürich finden sich typische Beispiele für die «Seefeldisierung»? Oder haben Sie gar selber die Kündigung erhalten, damit Ihre Wohnung teurer vermietet werden kann? Schreiben Sie uns auf zuerich@newsnetz.ch .
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.09.2010, 11:45 Uhr
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50 Kommentare
Um Mietpreise langfristig zu stabilisieren, hilft kein sozialistisches Gejammere, sondern nur ein ausgeglichenes Verhältnis von Wohnungsangebot und -nachfrage. Das heisst, es muss in den Städten weiter gebaut werden - und vor allem dichter (höher), damit die nötigen Grünfächen erhalten bleiben. Antworten


