Zürich

In der kantonalen Pensionskasse wurden Riesensummen verspekuliert

Von René Donzé. Aktualisiert am 09.06.2010

Die BVK hat über Jahre hinweg hohe Risiken genommen und Geld verloren.

In Spanien hat die BVK Millionen mit der Beteiligung am Ferienverein in den Sand gesetzt.

PD

Die Verhaftung ihres Anlagechefs D. G. bringt die Personalvorsorge des Kantons Zürich (BVK) einmal mehr unfreiwillig in die Schlagzeilen. Die zweitgrösste Pensionskasse der Schweiz hat schon in der Vergangenheit die Öffentlichkeit und die Politik beschäftigt.

Der Milliarden–Deal

Für viel Aufsehen hatte unter anderem der Skandal um die Beteiligung von 110 Millionen Franken am Ferienverein der Post (Poscom) gesorgt. Diese war bereits ab den 80er-Jahren aufgebaut worden – lange bevor D. G. dort tätig war. 2006 musste die BVK wegen Überschuldung des Vereins 46 Millionen abschreiben. Zu einem Verlust von 274 Millionen Franken hatte Mitte der 90er-Jahre die Investition in die Firmengruppe BT&T geführt. Das hat die damals noch auf Rosen gebettete Kasse allerdings wenig geschmerzt.

Eng wurde es zu Beginn des neuen Jahrtausends mit der Wirtschaftskrise. Der Deckungsgrad sackte zwischen 1999 und 2002 von 130 auf 88 Prozent ab. Und liegt heute noch dort. Im Klartext bedeutet das, dass die Kasse auf lange Sicht ihren 100 000 Versicherten nicht mehr die volle Pension garantieren kann.

Das hat damit zu tun, dass die BVK als Teil der kantonalen Verwaltung Dienerin zweier Herren ist – des Kantons und der Versicherten. 1998, als es der Kasse finanziell noch gut und dem Kanton bereits schlecht ging, hatte Finanzdirektor Eric Honegger (FDP) mit den Personalverbänden einen Deal geschlossen: Beide Seiten mussten weniger Pensionskassenbeiträge einzahlen und konnten so massiv sparen. Dies schwächte die BVK um 1,4 Milliarden Franken, wie der Regierungsrat dem Kantonsrat 2005 erklären musste. Schlecht gehe es der Kasse auch, so die Regierung, weil sie in der Krise 2001 zu lange an einer übergrossen Aktienquote von 42 Prozent festhielt – und damit Unsummen verlor. Rückblickend sei die Anlagestrategie «zu optimistisch» gewesen.

Von offensiv bis spekulativ

Weniger freundliche Worte für die Anlagestrategie findet ein externer Finanzfachmann und Kenner der BVK. Für ihn verhält sich die Kasse «spekulativ». Die BVK nehme «massiv zu viele Risiken auf sich». 2006 bezeichnete die Finanzkommission des Kantonsrates die Anlagestrategie als «zu offensiv».

Offiziell will sich wegen der laufenden Strafuntersuchung gegen den Anlagechef niemand zur Anlagepolitik der BVK äussern. Insider vermuten, dass der Anlagechef unter anderem eine offensive Strategie gewählt hat, weil diese weniger transparent ist. Traditionelle Anlagen lassen sich viel besser kontrollieren und vergleichen als etwa Investitionen in Hedgefonds oder Direktbeteiligungen an Firmen, die nicht an der Börse kotiert sind. Gefälligkeiten lassen sich so besser vertuschen. Zum anderen wird die Risikostrategie als Verzweiflungstat gedeutet. Hätte sie Erfolg, würde der Deckungsgrad hochschnellen. Erst wenn dieser 110 Prozent überschreitet, wird die schon lange geplante Privatisierung umgesetzt und die Kasse in die Selbstständigkeit entlassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2010, 23:24 Uhr

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