In der überfüllten S-Bahn wird es noch enger

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 30.07.2010 14 Kommentare

Der Verkehrsverbund muss sparen. Geplante Ausbauprojekte werden gestrichen. Erst ab 2013 werden die Pendler in den Zügen etwas mehr Platz bekommen.

Enge Platzverhätnisse: Für Automobilisten ein Grund, um nicht auf die S-Bahn umzusteigen.

Enge Platzverhätnisse: Für Automobilisten ein Grund, um nicht auf die S-Bahn umzusteigen.
Bild: Keystone

Adieu, Westtangente

Der Verkehr auf Zürichs Haupteinfallsachsen ist bereits vor der Eröffnung von Uetlibergtunnel und Westumfahrung zurückgegangen. Dafür haben die Passagierzahlen der S-Bahn massiv zugenommen (siehe Grafik oben). Der Trend wird sich mit der definitiven Umsetzung der letzten flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung weiter verstärken. Am kommenden Montag zwischen 9 Uhr morgens und 12 Uhr wird die Strecke Seebahn-/Schimmelstrasse für den Gegenverkehr geöffnet. Ab 12 Uhr wird die Abfahrtsrampe Hohlstrasse der Hardbrücke wieder geöffnet. Und um 13 Uhr folgt das laut Dienstabteilung Verkehr «entscheidende und nachhaltige Finale»: Die ehemalige Westtangente über Bullingerstrasse, Sihlfeldstrasse und Weststrasse wird definitiv für den Durchgangsverkehr gesperrt.

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In den vergangenen Jahrzehnten ist der Autoverkehr auf den Einfallsachsen in die Stadt Zürich scheinbar unaufhaltsam angeschwollen. Nun aber, seit 2004, nimmt er tatsächlich ab. Viele Autofahrerinnen und -fahrer, so vermutet man bei der Stadtpolizei, weichen auf Quartierstrassen aus, um Staus und Grossbaustellen zu umgehen, was dank Navigationsgeräten einfacher geworden ist. Manche Autofahrer sind aber auch auf die S-Bahn ausgewichen, die traumhafte Zuwachsraten verzeichnet: Transportierte sie bei ihrem Start 1990 noch täglich 159'288 Fahrgäste über die Stadtgrenze, waren es vergangenes Jahr bereits 386'346.

Dafür wird es in den S-Bahnen, die in den Stosszeiten bereits heute übervoll sind, vorderhand noch enger. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) rechnet, dass die Zahl der Fahrgäste allein in den nächsten sechs Jahren um 25 Prozent steigen wird. Geld, um das Angebot der Nachfrage entsprechend auszubauen, ist aber nicht vorhanden; der ZVV hat in den vergangenen zwei Jahren weniger eingenommen als geplant, und zudem muss auch er seinen Anteil an die Sanierung des Staatshaushalts beitragen. In seinem Strategiebericht 2012–2016 legt er nun dar, wie er den Spagat zwischen knappen Finanzen und zusätzlichen Fahrgästen schaffen will.

Ausbaupläne halbiert

Der ZVV hat, wie sein Sprecher Thomas Kellenberger sagt, die Ausbaupläne für 2011 praktisch halbiert, von 19 auf 10 Millionen Franken. Dadurch kann er nicht wie vorgesehen Lücken im Busnetz schliessen, die sich im ganzen Kanton zeigen. Die verbliebenen 10 Millionen setzt er für den Betrieb der Glattalbahn ein, die Ende Jahr fertiggestellt wird, und für deren Busanschlüsse. Gleichzeitig erhöht der ZVV Ende 2010 die Tarife um durchschnittlich 3 Prozent. Weitere Erhöhungen sind auf 2012 und 2015 geplant. Dennoch wird der Kostendeckungsgrad von heute 60 Prozent (2009) auf 58,9 Prozent (2016) sinken. Der Grund dafür sind auch Ausbauprojekte wie die Durchmesserlinie. Für 2011 budgetiert der ZVV eine Kostenunterdeckung von 391 Millionen, die noch vom Kantonsrat abgesegnet werden muss.

Werden denn nun die Pendler bis zu ihrem Arbeitslebensende zusammengepfercht nach Zürich fahren müssen? Thomas Kellenberger winkt ab. Bereits Ende 2011, wenn die ersten neuen S-Bahn-Wagen ausgeliefert würden, gebe es mehr Platz. «Sie sorgen für eine spürbare Entlastung», verspricht er. Eine weitere Verbesserung bringen die Ausbauten der 4. Teilergänzung der S-Bahn, die mehr und schnellere Verbindungen ermöglichen: Ab Dezember 2013 im Korridor Zürich–Thalwil–Zug/Ziegelbrücke und nach Zürich-Nord, ab Dezember 2015 im Knonauer Amt, Limmattal, Furttal, Unterland, am rechten Seeufer, im Oberland und in Richtung Winterthur. Ab 2018 soll zudem die S 11 den ganzen Tag über verkehren.

Mehr Fahrspuren für Busse

Trotz Sparmassnahmen will der ZVV sein Angebot attraktiver machen. So will er, wo sich eine Möglichkeit ergibt, mehr separate Busspuren schaffen. Vor allem in den Städten bleiben Busse regelmässig im Stau stecken, und die Fahrgäste verpassen ihren Anschluss. Im Rahmen von Verkehrsberuhigungsmassnahmen kann zum Beispiel eine Fahrspur zu einer Busspur umgewandelt werden. Laut Kellenberger gibt es aber noch keine konkreten Projekte.

Zudem will der ZVV die technische Entwicklung für sich nutzen. Dank den neuen Informationssystemen, welche in Echtzeit angeben, wann der nächste Bus oder das nächste Tram ankommen, sollen sich die Fahrgäste künftig mit dem Internethandy über Störungen informieren können. Der ZVV kann aber nicht abschätzen, wann es so weit ist. Auch sollen die neuen Ticketautomaten, die zurzeit getestet werden, sprechen lernen, was vor allem Behinderten eine Hilfe sein wird. Die Testgeräte verfügen aber noch nicht über diese Funktion.

«ÖV behält Wettbewerbsvorteil»

Nach Einschätzung von Thomas Kellenberger wird der öffentliche Verkehr gegenüber den Autos auch künftig einen Wettbewerbsvorteil haben – er bietet schnelle Verbindung direkt in die Zentren und durchgehende Reiseketten bis in die Agglomeration. Bereits macht man sich beim ZVV Gedanken, wie das Netz nach 2018 weiter ausgebaut werden kann. Etwa mit dem Brüttener Tunnel zwischen Zürich und Winterthur – falls auch dort Autofahrer Lust bekommen, auf die S-Bahn umzusteigen.

Die Lücken im Busnetz, die sich im ganzen Kanton zeigen, kann der Verkehrsverbund nächstes Jahr nicht wie vorgesehen schliessen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2010, 22:33 Uhr

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14 Kommentare

Tibi Wörner

30.07.2010, 08:17 Uhr
Melden

die öv-benutzer bezahlen einen deckungsgrad von 58,9 Prozent. die autofahrer einen von gut 150%. die einen nehmen, die anderen geben. wo sind da die bösen, asozialen profiteure unserer gesellschaft? wir können froh sein um jeden öv-benutzer. aber wir sollten aufhören, die anderen zu verteufeln. verteufelnswert sind höchstens die ewiggestrigen kommunistischen linksparteien (sp, "grüne"/rote). Antworten


Frank Peters

30.07.2010, 11:20 Uhr
Melden

bewegt euch doch einmal in der tokioter u-bahn waehrend der "rush hour". dort gibt es uerberfuellte waggons. das weinen auf hohem niveau hier ist einfach nur laecherlich. Antworten



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