Zürich

Initiantin von Nacktwanderweg hat den Sinn für Provokation geerbt

Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 02.09.2011 81 Kommentare

Evelyn Schwarzenbach will einen Wanderweg für Nackte im Zürcher Oberland. Über die Schlagzeilen freut sich einer besonders: Der Tourismus-Chef der Region – und Vater der Maturandin.

Wanderte auch schon in Evas Kostüm: Die Maturandin Evelyn Schwarzenbach will Nacktwanderer ins Oberland holen.

Wanderte auch schon in Evas Kostüm: Die Maturandin Evelyn Schwarzenbach will Nacktwanderer ins Oberland holen.
Bild: zvg

Will einen Wanderweg für Nackte: Maturandin Evelyn Schwarzenbach. (Bild: zvg)

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Sollen Nacktwanderer einen eigenen Wanderweg bekommen?

Ja, im Oberland sollen Nackte wandern können.

 
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Nein, in der Öffentlichkeit haben Kleiderlose nichts verloren.

 
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Die 17-jährige Wetziker Kantonsschülerin Evelyn Schwarzenbach will Nackedeis ins Zürcher Oberland holen. Mit ihrer Ankündigung von gestern Mittwoch, in der Nähe der Zürcher Höhenklinik Wald den ersten Nacktwanderweg der Schweiz zu errichten, hat sie für Aufruhr gesorgt.

Der Vater der jungen Frau, die mit ihrer Maturarbeit medienwirksam das Zürcher Oberland vermarktet, ist kein Geringerer als der Tourismus-Chef des Zürcher Oberlandes. Hans-Kaspar Schwarzenbach präsidiert seit Mitte Mai die Tourismus Region Zürcher Oberland (TRZO) und war zuvor Tourismusdirektor von Davos-Klosters und Arosa. Dort machte er mit aussergewöhnlichen Produktlancierungen als Provokateur von sich reden, zweimal wurde der 44-Jährige mit dem Milestone, dem Tourismuspreis der Schweiz, ausgezeichnet.

«Wandergebiet - mit oder ohne Kleider»

Der gebürtige Adliswiler macht keinen Hehl daraus, dass er die Arbeit seiner Tochter unterstützt. «Sie hat nicht nur positive Reaktionen provoziert. Ich ermutige sie, sich von negativen Äusserungen nicht einschüchtern zu lassen.» Als Präsident der TRZO ist es sein Ziel das Oberland zu vermarkten. «Als Wandergebiet – mit oder ohne Kleider.»

Laut Vater Schwarzenbach haben bereits über 2000 Menschen den Film zur Maturarbeit seiner Tochter angeschaut. «Sie alle sehen, wie wunderschön die Gegend ist. Und irgendwie müssen wir das ja transportieren.» Schwarzenbach wehrt sich aber gegen den Vorwurf, die Tochter für seine Zwecke eingespannt zu haben und ihr das kontroverse Thema zugetragen zu haben. «Das wäre ja katastrophal. Sie müsste sich mit einem Thema auseinandersetzen, das sie gar nicht interessiert.»

Diskussionen in der Schule

Evelyn Schwarzenbach stellt klar: «Ich fühle mich gar nicht instrumentalisiert, schliesslich war das meine eigene Idee.» Entstanden sei sie wohl im Zusammenhang mit ihrem Vater, als sich 2009 die Zeitung «Die Südostschweiz» sich einen Aprilscherz mit dem Tourismusdirektor erlaubte. Das Blatt berichtete, Schwarzenbach wolle in Davos einen Nacktwanderweg erstellen. «Meine Mitschüler sprachen mich darauf an», erinnert sich Evelyn Schwarzenbach. Sie sei heute noch erstaunt, wie stark Nacktheit die Gemüter errege. «Ich verstehe nicht, wie man sich derart über ‹blutte› Leute ärgern kann.»

Wie ihr Vater scheut sie sich nicht davor, zu polarisieren. «Ich habe mit Kritik gerechnet.» Sie stelle sich auch den Diskussionen in der Schule. «Solange es nicht um mich geht, sondern um die Sache ist das in Ordnung.» Auf Schwarzenbachs Ideenliste für Maturarbeiten standen auch andere Themen. «Sie drehten sich aber alle um soziale Konflikte.» Schwarzenbach habe sich für den Nacktwanderweg entschieden, weil sie die Reaktion der Gesellschaft spannend finde.

Viele sind schon mal nackt spaziert

Heute Donnerstag Morgen hatten sich bereits rund 200 Personen an der Umfrage auf ihrer Homepage www.nacktwandern.savognin.tv beteiligt. «Ich bin sehr überrascht», sagt die Maturandin «ein Sechstel der Teilnehmer gibt an, schon nackt spaziert zu sein». 45 Prozent der Befragten könne sich vorstellen ohne Kleider zu wandern, 15 Prozent würden dies aber nur auf einem designierten Wanderweg tun. Je nachdem wie die Reaktionen ausfallen, will Evelyn Schwarzenbachs ihren Nacktwanderweg im Sommer 2012 realisieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.09.2011, 16:22 Uhr

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81 Kommentare

Roland Strauss

01.09.2011, 20:01 Uhr
Melden 57 Empfehlung

Am Weg könnte man noch eine Tribüne für Spanner bauen, natürlich gegen Eintritt. Damit liessen sich noch viele Nacktwanderwege finanzieren. Antworten


Markus Lüthi

01.09.2011, 19:39 Uhr
Melden 48 Empfehlung

Im Grossen und Ganzen gesehen, ist das Nacktwandern eine weitere Form des Ausdrucks von menschlichen Individuuen. Ob in einem Lager in Frankreich, wo nackt gekocht, gegessen und geschlafen wird, gibt es auch neben FKK noch ganz andere Kulturen, die dieses Image leben. Ich glaube, diese Menschen fühlen sich noch mehr mit der Natur vereint, als wir in Kleidern. Locker nehmen und wie gewohnt grüssen. Antworten



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