Zürich

Jetzt braucht die SVP einen zweiten Hans Hofmann

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 27.08.2009

Das Rennen um die Nachfolge von Rita Fuhrer ist lanciert. Bei der SVP stehen bereits viele parat. Die Grünen wurden auf dem falschen Fuss erwischt.

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Die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer hat am Donnerstag, 27. August 2009 ihren Rücktritt per April 2010 bekannt gegeben. Damit wird das Rennen um ihre Nachfolge in der Zürcher Regierung eröffnet.
Bild: Keystone

   

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Rita Fuhrers Rücktritt zeugt nicht nur von persönlicher Vernunft, sondern ist auch taktisch geschickt. Bei dieser Einervakanz hat die SVP nämlich gute Chancen, ihren Sitz zu retten. Als grösste Partei hat sie einen klaren Anspruch auf zwei Regierungssitze – und im Wahlkampf auch die meisten Mittel. Doch die Wähler kümmern sich bekanntlich nicht um Mathematik. Das hat die Schlappe von Hardliner Toni Bortoluzzi gegen Hans Hollenstein (CVP) gezeigt. Die SVP wird aus dem Flop gelernt haben, dass sie jemanden aufstellt, der weit über die SVP hinaus wählbar ist.

Mehrheit wählt auf dem Land

Das Profil des SVP-Regierungsratskandidaten muss deshalb so aussehen: politisch gemässigt, brav bürgerlich, führungserfahren, in der Partei akzeptiert und über die Parteigrenze hinaus geschätzt, bekannt und nicht aus Zürich. Denn Regierungsräte werden auf dem Land gewählt. Mit anderen Worten: Die SVP braucht einen zweiten wie Alt-Ständerat Hans Hofmann oder einen wie Baudirektor Markus Kägi.

Zwei mögliche Kandidaten, die gut in dieses Profil passen, sind die beiden Gemeindepräsidenten und Kantonsräte Ernst Stocker (54, Wädenswil) und Martin Arnold (45, Oberrieden). Stocker ist Landwirt und Ex-Kantonsratspräsident, er ist bedächtig, geradlinig und ausgleichend. Martin Arnold ist gelernter Molkerist, ehemaliger Inhaber eines Käseladens und seit vier Jahren Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbands. Auch er ist umgänglich und über die Parteigrenzen hinaus akzeptiert. Beide haben am Donerstag ihr Interesse an einer Kandidatur signalisiert.

Egal ob Mann oder Frau

Die Frage «Mann oder Frau» ist diesmal weniger wichtig, weil es in der Regierung noch immer zwei Frauen gibt. Eine mögliche Kandidatin wäre Ursula Moor (54), Gemeindepräsidentin von Höri und ehemalige Kantonsratspräsidentin. Bekannteste Zürcher SVP-Frau ist Nationalrätin Natalie Rickli. Sie ist aber erst 32-jährig und will sich – wie sie sagt – zuerst im Nationalrat engagieren.

Ins Anforderungsprofil passen würde auch Jürg Trachsel (47), Rechtsanwalt und Gemeinderat in Richterswil. Allerdings hat er seine politische Karriere als designierter Kantonsratspräsident von 2011 schon anders vorgespurt. Claudio Zanetti (42, Zollikon), der wohl quirligste SVP-Kantonsrat, langjährige Parteisekretär und Jurist, fände eine Kandidatur «sehr reizvoll», hat aber von der FDP an Richtung links weniger Freunde als Stocker oder Arnold, weil er gerne provoziert. Chancen haben ferner: Fraktionspräsident Hans Frei (56, Regensdorf), der Pfäffiker Gemeindepräsident und Kantonsrat Hans Heinrich Raths (52) sowie der Volketswiler Gemeindepräsident und Kantonsrat Bruno Walliser (43). Parteipräsident und Nationalrat Alfred Heer (Zürich) will hingegen nicht: «Ich würde wahrscheinlich sowieso nicht gewählt werden.»

Kampfwahl ist abzusehen

Kann die SVP bei dieser Wahl durchspazieren? Wohl kaum. Grosse Lust spürt man bei den Grünliberalen. Ihr bekannter Nationalrat Martin Bäumle kam 2007 bei den letzten Wahlen auf den 9. Platz. «Wir werden eine Kandidatur sehr ernsthaft prüfen», sagt GLP-Ko-Präsident Thomas Maier. Bäumle wäre zudem als Volkswirtschaftsdirektor ein gewiefter Flughafenexperte. FDP und CVP, im Regierungsrat eher übervertreten, werden wohl kaum kandidieren. Ebenso wenig die SP.

Die Grünen, als grösste Partei, die nicht in der Regierung vertreten ist, müssten unbedingt antreten. Als Kandidat im Vordergrund steht Illnau-Effretikons Stadtpräsident Martin Graf, der 2007 klar über dem absoluten Mehr auf dem 8. Platz gelandet ist – nur 15'000 Stimmen hinter Rita Fuhrer, aber 7000 vor Bäumle. Die Grünen haben mit Graf aber auf die regulären Wahlen 2011 spekuliert. Bei einer Einervakanz haben sie weniger Chancen, vor allem, wenn auch die GLP antritt. Fraktionschefin Esther Guyer sagt: «Ob wir gegen die grösste Partei antreten sollen, müssen wir uns gut überlegen.» Wenn Graf nämlich zum zweiten Mal nicht gewählt wird, hat er 2011 ein Handicap.

Muss Notter wechseln?

Rita Fuhrer stellt auch den Regierungsrat vor eine heikle Aufgabe. Die frei werdende Volkswirtschaft mit dem Flughafen-Dossier ist definitiv keine Anfängerdirektion. Als erfahrenster Regierungsrat müsste Markus Notter, seit 13 Jahren in der Justizdirektion, Verantwortung tragen und sich einen Wechsel sehr gut überlegen. Entschieden wird diese Frage zwar erst nach den Wahlen, aber sie verleiht dem Wahlkampf einen zusätzlichen Kick. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 22:39 Uhr

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