Jositsch - Stocker: 1:1 auf TeleZüri
Von . Aktualisiert am 11.11.2009 9 Kommentare
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Das grosse Liveduell auf TeleZüri von Dienstagabend zwischen den beiden Regierungsratskandidaten Ernst Stocker (SVP) und Daniel Jositsch (SP) war eine leise Enttäuschung: vom Unterhaltungswert wie von den brisanten politischen News her. Kein Kandidat platzierte mehr überraschende Angriffe und boshafte Tiefschläge. Jositsch gelang es nicht annähernd, Stocker wie früher an die Wand zu reden auch dank der Stoppuhr. Die Diskussion wirkte häufig wie eingeübt und x-fach gespielt.
Stocker wirkte oder spielte im Vergleich zu den ersten Auftritten um Klassen besser. Mit seinem eleganten dunklen Anzug trat der Bauer ebenso gediegen auf wie der Professor. Und vor allem: Stocker liess sich die Unlust, jeden zweiten Abend gegen Jositsch antreten zu müssen, viel weniger anmerken als früher. Als ihm ein Zuschauer vorwarf, die SVP operiere mit Arroganz und Angstmacherei, konterte er gelassen: Er sei als Wädenswiler Stadtpräsident konsensorientiert und habe schon für viele Projekte Volksmehrheiten gefunden.
Jositsch mit Charme statt Power
Auch Jositsch hat gelernt: dass Besserwisserei und Brillanz nicht überall ankommen. Er war nicht mehr der Bulldozer und nicht mehr so angriffig wie früher, als er Stocker laufend Fehler vorhielt und in die Rolle des Gesprächsleiters schlüpfte. Er punktete vielmehr mit Charme, etwa als ein Zuschauer Stocker vorwarf, seine Zürcher Tirggel, die er als Wahlwerbung verschenkt, seien ungeniessbar. «Im Gegenteil», sagte Jositsch, «sie sind ausgezeichnet.»
Auch bezüglich Qualität der Antworten lagen beide Kandidaten gleichauf. Beim Thema Flughafen warf Jositsch Stocker erneut vor, im Kantonsrat die Bewegungslimite von 320'000 abgelehnt zu haben. Erstmals konterte Stocker inhaltlich: «Sie, Herr Jositsch, waren früher für neun Stunden Nachtruhe und 250'000 Bewegungen.» Das Beispiel zeigt: Stocker hat gelernt und seinen Nachteil bei harten Diskussionen fast wettgemacht.
Beim Thema Sparen machte Stocker den Vorschlag, den Finanzausgleich zu ändern, damit Zürich als Milchkuh der Nation nicht mehr 600 Millionen Franken an andere Kantone abliefern muss. Jositsch konterte: «Das sind nationale Gesetze, die kann man nicht in einem Winter ändern.» Moderator Markus Gilli blieb wenig konsequent: «Ich lasse Sie erst aus dem Studio raus, wenn sie mir konkret sagen, wie der Kanton anderthalb Milliarden spart.» Beide Kandidaten blieben die Antwort schuldig Stocker liess sich nicht auf die Äste hinaus, und Jositsch will nicht so viel sparen. Und beide mussten nach der Sendung bei den Grünliberalen antraben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2009, 04:00 Uhr


