Jositsch: «Tätergruppen dürfen nicht in Kontakt kommen»

SP-Nationalrat und Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch begrüsst die Pläne für das erste Jugendgefängnis der Schweiz. Er setzt sich für griffigere Jugendstrafen ein.

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Heute wurde mit dem Ausbau des Massnahmezentrums in Uitikon (MZU) ein Projekt für das erste Jugendgefängnis der Schweiz vorgestellt – was halten Sie davon?
Es ist notwendig, geeignete Massnahmenanstalten zu bauen für jugendliche Straftäter. Der Ausbau des Massnahmezentrums in Uitikon ist ein wichtiger und richtiger Schritt.

Welche Auswirkungen hat der Ausbau des MZU auf den Jugendstrafvollzug in der Schweiz?
Der Strafvollzug soll resozialisierend sein. Ganz wichtig ist, dass der Jugendstrafvollzug am richtigen Ort mit dem richtigen Personal stattfindet.

Warum sind die geplanten baulichen Massnahmen im MZU unumgänglich für den Jugendstrafvollzug?
Es ist wichtig, dass unterschiedliche Tätergruppen nicht miteinander in Kontakt kommen, Jugendliche und Erwachsene sollen getrennt sein. Erwachsene Straftäter haben oft einen längeren Delinquentenweg hinter sich und damit keinen guten Einfluss auf die jugendlichen Straftäter. Die Jugendlichen, die in den Freiheitsentzug kommen, sollen ihrerseits nicht mit solchen zusammen kommen, die weniger schwerwiegende Delikte begangen haben.

Warum der Standort Zürich? Gibt es hier besonders viele straffällige Jugendliche?
Aufgrund der Grösse gibt es in der Region Zürich natürlich auch mehr Fälle. Es bestehen aber sicher auch planerische Gründe. In Uitikon gibt es bereits ein Massnahmezentrum, das sich umbauen lässt. Das ist sicher einfacher und auch günstiger als ein Neubau. Das MZU ist Teil des Ostschweizer Strafvollzugkonkordats, damit werden auch Jugendliche aus anderen Kantonen ihre Strafe in Uitikon verbüssen.

Können damit die Platzprobleme im Strafvollzug gelöst werden, oder braucht es noch mehr Plätze?
Ich denke, die 12 zusätzlichen Plätze sollten vorläufig reichen. Jugendliche, die langfristige Freiheitsstrafen verbüssen, sind selten. Wir haben es nicht mit einem Massenproblem zu tun.

Welche weiteren Massnahen sind nötig, um das seit Januar 2007 gültige Jugendstrafrecht umzusetzen?
Auf Bundesebene hat meine Kollegin Chantal Galladé (SP-Nationalrätin Kanton Zürich) bereits einen Vorstoss eingereicht, um die Hinaufsetzung des Massnahmealters von heute 22 auf 25 Jahren zu erreichen.

Das neue Jugendstrafgesetz löst das Problem für über 15-jährige. Was aber ist mit den unter 15-jährigen Straftätern?
Ich beabsichtige in der Wintersession einen Vorstoss einzureichen, der eine Sicherungsmassnahme vorsieht. Wenn beispielsweise ein 14-Jähriger ein Gewaltdelikt begangen hat und für die Öffentlichkeit eine Gefahr darstellt, eine therapeutische oder erzieherische Massnahme jedoch nicht greift, soll er an einem sicheren Ort untergebracht werden können. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2008, 15:12 Uhr

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