Kanton sucht 1000 Lehrpersonen
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 05.06.2010
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Die Schulleiterinnen und Schulleiter schlagen Alarm. In naher Zukunft werde der herrschende Lehrermangel «gravierende Ausmasse» annehmen, teilen sie schriftlich mit. Sie stützen sich auf eine Umfrage, die sie unter allen Schulleitenden der Deutschschweiz durchgeführt haben. Rund 1000 haben geantwortet. Und sie zeichnen ein düsteres Bild – insbesondere jene aus dem Kanton Zürich. So sind 57 Prozent der Ansicht, das «Angebot an Lehrkräften» habe sich bereits dieses Jahr verschlechtert (Kanton Zürich: 75 Prozent). 70 Prozent gaben an, die Stellen seien nur mit Mühe zu besetzen, über 20 Prozent schätzen die Situation gar als hoffnungslos ein. Als Lösung schlagen die Schulleitenden vor: Senkung der Pflichtlektionen, bessere Löhne und Anpassung der Ausbildung an die Bedürfnisse der Schulen.
Noch 330 Stellen offen
Der Chef des Zürcher Volksschulamtes, Martin Wendelspiess, teilt die Sorgen der Schulleiter: «Die Situation ist unerfreulich.» Gestern waren im Kanton Zürich noch 330 Stellen offen, ähnlich viele wie zur selben Zeit im letzten Jahr. Etwa ein Drittel davon sind volle Stellen, bei den anderen zwei Dritteln handelt es sich um Teilzeitstellen. Besonders schwierig zu finden sind wie immer Sekundarlehrpersonen für die unteren Niveaus B und C. Rar sind aber auch Handarbeitslehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Heilpädagogen.
Verstärkt werden die Schwierigkeiten auf dem Stellenmarkt der Lehrpersonen durch neuste Zahlen aus dem Bundesamt für Statistik. Bisher ging die Zürcher Bildungsdirektion davon aus, dass die Schülerzahlen in den kommenden Jahren vorerst gleich bleiben und später leicht sinken werden.
Kinder aus anderen Kantonen
Diese Prognosen haben sich grundsätzlich geändert. Laut den neuen Angaben aus Bern wird im Kanton Zürich die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den nächsten acht Jahren um 8 Prozent steigen. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich. Erstens die steigende Geburtenrate: Auch Schweizer Frauen bekommen wieder mehr Kinder. Zweitens die Einwanderung: Zwar ist nicht mit einer neuen Einwanderungswelle aus dem Ausland zu rechnen, aber die Zuwanderung aus anderen Kantonen nach Zürich wird stark zunehmen.
Gemäss Martin Wendelspiess werden darum in Zürcher Schulen 800 neue Vollzeitstellen geschaffen. Um sie zu besetzen, sind mindestens 1000 zusätzliche Lehrpersonen nötig. Woher sie kommen sollen, kann Wendelspiess nicht sagen. In der Pädagogischen Hochschule Zürich sind die Anmeldungen für die nächsten Studiengänge zwar um 25 Prozent gestiegen. Aber diese neuen Lehrer würden nicht einmal ausreichen, um die altersbedingten Abgänge von Lehrpersonen zu kompensieren, sagt Wendelspiess. In der Bildungsdirektion werden derzeit unter Hochdruck Massnahmen diskutiert. Noch vor den Sommerferien will Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) darüber informieren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.06.2010, 23:10 Uhr


